Die anhaltende Trockenheit in Deutschland führt zu einem historisch niedrigen Wasserstand des Rheins, was die Frachtkosten für die Industrie massiv steigen lässt. Betroffen sind vor allem Unternehmen der Stahl-, Chemie- und Futtermittelbranche, die auf den Wassertransport schwerer Güter angewiesen sind.
Pegel sinken weiter – Schiffe nur unzureichend beladen
Nach einem regenarmen Wochenende rechnet die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) mit einem weiteren Rückgang der Pegelstände. An der Engstelle Kaub bei Koblenz werde der Pegel von rund 35 Zentimetern am Montag auf etwa 20 Zentimeter am Freitag fallen. Bereits jetzt können Binnenschiffe den Fluss nur noch zu 15 bis 20 Prozent beladen, wie aus Händlerkreisen verlautet. „Die Probleme halten an und eine Besserung ist in dieser Woche nicht in Sicht“, sagte ein Rohstoffhändler. Zwar sei die Schifffahrt auch bei sehr niedrigem Wasserstand theoretisch möglich, aber ab einem bestimmten Punkt lohne sich der Betrieb wegen der geringen Frachtmengen nicht mehr.
Kostenexplosion auf der wichtigen Wasserstraße
Der Rhein ist eine zentrale Schifffahrtsroute für Rohstoffe wie Getreide, Erze, Kohle und Ölprodukte. Die Transportkosten haben sich in kurzer Zeit vervielfacht: Für Tankschiffe von Rotterdam nach Karlsruhe stieg der Preis von rund 45 Euro Ende Juni auf 120 bis 125 Euro pro Tonne, erklärten Händler. Einige Reeder erwägen sogar, den Betrieb ganz einzustellen, was eine Verlagerung der Fracht auf die ohnehin überlasteten Straßen zur Folge hätte.
Wirtschaftliche Auswirkungen und historische Parallelen
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordrhein-Westfalen warnt vor erheblichen Folgen für die Konjunktur. Ocke Hamann, fachpolitischer Sprecher für Verkehr und Mobilität der IHK NRW, sagte dem WDR: „2018 hat das Weltwirtschaftsinstitut in Kiel alleine durch das Niedrigwasser einen Rückgang im Wachstum von 0,4 Prozentpunkten ermittelt.“ Die Bundesregierung erwarte für 2026 lediglich ein Wachstum von 0,5 Prozent. „Das heißt, dieses von der Bundesregierung eingeplante Wachstum kann innerhalb von wenigen Tagen schon pulverisiert werden“, so Hamann. Die niedrigen Pegelstände sind für viele Unternehmen ein bekanntes Problem, doch das frühe Auftreten im Jahr sei extrem.
Vergleich mit der Niedrigwasser-Phase 2018
Bereits im Sommer 2022 hatten deutsche Unternehmen aufgrund einer Dürre mit Lieferengpässen zu kämpfen. Die aktuelle Situation erinnert an das Niedrigwasser von 2018, das einen historischen Tiefstand markierte. In Duisburg-Ruhrort wurden am Montagmorgen 173 Zentimeter gemessen – nur 20 Zentimeter mehr als der damalige Rekordtiefstand von 153 Zentimetern im Oktober 2018. Die Pegelstände sinken weiter, und eine Besserung ist laut WSV vorerst nicht in Sicht.



