Der Prozess gegen einen Fan des TSV 1860 München, der in Bad Wörishofen einen Bayern-Anhänger attackiert haben soll, hat vor dem Amtsgericht Memmingen begonnen. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe und spricht von Notwehr. Das Gericht will in mehreren Sitzungen klären, was in der Nacht nach der Fußballübertragung wirklich geschah.
Was genau passiert sein soll
Laut Anklage besuchte der Mann gemeinsam mit anderen Fußballfans eine Veranstaltung in einer Gaststätte in Bad Wörishofen. Dort wurde ein Spiel der Münchner Löwen übertragen. In der Menge befand sich auch ein Anhänger des FC Bayern. Zwischen den beiden Männern soll es zunächst nur verbale Sticheleien gegeben haben. Im Laufe des Abends eskalierte die Situation. Der Löwen-Fan soll dem Bayern-Fan schließlich mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Das Opfer erlitt eine schmerzhafte Verletzung am Auge und musste in einer Klinik behandelt werden.
Die Staatsanwaltschaft stufte den Vorfall als gefährliche Körperverletzung ein. Ein solcher Schlag könne zu bleibenden Schäden führen, argumentierte der Ankläger. Der Verteidiger hält dagegen: Sein Mandant habe den anderen nicht zuerst geschlagen, sondern sei von ihm attackiert worden. Der Bayern-Fan habe den Streit vom Zaun gebrochen und sogar mit einer Bierflasche gedroht. Der Angeklagte habe nur seine Verletzung abgewendet.
Das Gericht sucht nach der Wahrheit
Die Beweisaufnahme hat bereits erste Wendungen gebracht. Ein Zeuge, der neben den Kontrahenten gestanden haben will, sagte aus, der Löwen-Fan habe klar zuerst zugeschlagen. Eine andere Zeugin widersprach und meinte, der Bayern-Fan habe aggressiv gewirkt. Die Aussagen sind widersprüchlich, weshalb das Gericht einen medizinischen Sachverständigen hinzugezogen hat. Dieser soll anhand der Verletzung rekonstruieren, ob ein heftiger Schlag oder eine Abwehrbewegung vorlag.
Der Angeklagte hat bislang geschwiegen, sein Anwalt kündigt eine Verteidigung in der Sache an. Das Amtsgericht hat eigens weitere Termine angesetzt, um alle Zeugen zu hören. Auch das Opfer wird in einer der nächsten Sitzungen aussagen. Es hat sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen und fordert Schmerzensgeld. Damit könnte der Fall für den Angeklagten auch finanziell teuer werden.
Hohes Risiko für den Angeklagten
Für den Mann, der bislang nicht vorbestraft ist, geht es um viel. Sollte er verurteilt werden, droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren – allerdings auf Bewährung. Zudem könnte er seinen Arbeitsplatz verlieren, da viele Arbeitgeber bei Gewaltdelikten hart reagieren. Sein Anwalt hofft auf eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage, doch die Staatsanwaltschaft hat dies abgelehnt. Sie will ein öffentliches Signal gegen Fan-Gewalt setzen.
Fußballfans und Gewalt: ein bekanntes Problem
Der Vorfall in Bad Wörishofen passt in ein Muster, das die Polizei seit Jahren beobachtet. Bei öffentlichen Fußballübertragungen kommt es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Fans verschiedener Vereine. Alkohol und ein emotionales Spiel können die Hemmschwelle senken. Der Deutsche Fußball-Bund und die Vereine haben zwar diverse Präventionsprojekte aufgelegt, doch in Kneipen und bei privaten Events sind diese schwer kontrollierbar.
Die Stadt Bad Wörishofen ist bekannt für ihre Kur- und Tourismuseinrichtungen, nicht für Fußballrandale. Entsprechend groß war das Aufsehen, als die Nachricht von dem Angriff bekannt wurde. Die Polizei Schwaben nahm den mutmaßlichen Täter noch in der Nacht fest, musste ihn aber nach der Vernehmung wieder laufen lassen. Haftgründe wie Fluchtgefahr sahen die Beamten nicht.
Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil wird frühestens in einigen Wochen erwartet. Unabhängig vom Ausgang zeigt der Fall, dass eine Fußballnacht schnell im Krankenhaus oder vor Gericht enden kann. Die Justiz will mit einer Verurteilung ein deutliches Zeichen setzen, doch ob das die Fan-Kultur nachhaltig verändert, bleibt offen.



