Tödlicher Gefängnisaufstand in Sri Lanka: Militär rückt an
Tödlicher Gefängnisaufstand in Sri Lanka: Militär rückt an

Hunderte Soldaten sind in Sri Lanka im Einsatz, nachdem es in der Haftanstalt Mahara erneut zu einem tödlichen Gefängnisaufstand gekommen ist. Die Regierung in Colombo reagierte damit auf die zweite schwere Unruhe innerhalb eines Monats in dem südasiatischen Inselstaat. Bei dem Aufstand in der völlig überbelegten Einrichtung nahe der Hauptstadt wurde am Samstag ein Häftling getötet, sechs weitere wurden verletzt. „Wir haben Verstärkung von den Streitkräften und den Spezialkräften erhalten, um die Ordnung wiederherzustellen und die Häftlinge in ihre Zellen zurückzubringen“, sagte der stellvertretende Polizeichef Sanjeewa Medawatte. Die Maßnahme zeigt, wie ernst die Lage aus Sicht der Sicherheitsbehörden ist.

Zerstörte Gebäude und Sicherheitslage

Die Insassen hätten bei dem Aufstand mehrere Gebäude der Anstalt zerstört, darunter die Küche, das Gefängniskrankenhaus sowie ein neu errichtetes Zentrum für Rehabilitations- und Berufsausbildungsangebote. Laut Medawatte ist die Lage inzwischen wieder unter Kontrolle. Wie viele der rund 4100 Häftlinge an den Ausschreitungen beteiligt waren, ist unklar. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Die genauen Auslöser des Aufstands sind bislang nicht bekannt, doch die Umstände deuten auf die anhaltende Überbelegung und die damit verbundenen Spannungen hin.

Der Einsatz des Militärs soll offenbar verhindern, dass sich ähnliche Vorfälle wiederholen. Die Gefängnisse des Landes gelten als chronisch überbelegt und als Orte mit hohem Gewaltpotenzial, insbesondere mit Blick auf rivalisierende Drogenbanden. Allein in Mahara sind derzeit rund 4100 Menschen inhaftiert, obwohl die Anstalt nur für etwa ein Viertel dieser Zahl ausgelegt ist. Das bedeutet eine Belegungsrate von mehr als 400 Prozent.

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Zweiter Aufstand: Negombo mit 31 Toten

Erst vor knapp einem Monat waren bei einem Aufstand im Gefängnis der Küstenstadt Negombo nördlich von Colombo 21 Häftlinge und zehn Wärter getötet worden. Nach Angaben der Polizei hatten dort zunächst rivalisierende, in den Drogenhandel verwickelte Banden gegeneinander gekämpft. Später weitete sich die Gewalt auf das Wachpersonal aus. Mit dem jüngsten Toten in Mahara stieg die Zahl der Todesopfer bei den beiden Aufständen auf mindestens 32. Die Geschehnisse in Negombo gelten als einer der schwersten Gefängnis-Konflikte in der jüngeren Geschichte Sri Lankas. Die jüngsten Aufstände haben die Aufmerksamkeit auf die prekäre Lage im srilankischen Justizvollzug gelenkt. Die Überbelegung ist kein neues Phänomen, sie hat sich jedoch infolge der verschärften Drogenbekämpfung zugespitzt.

Mahara: Bereits 2020 Schauplatz von Gewalt

Die Haftanstalt Mahara hat eine gewalttätige Vergangenheit. Schon bei einem Aufstand im November 2020 wurden dort elf Gefangene erschossen und fast 120 weitere verletzt. Damals wie heute spielt die dramatische Überbelegung eine zentrale Rolle. Die Anstalt liegt nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Colombo entfernt und ist für ihre prekären Zustände bekannt. Aktuell sind in der Einrichtung rund 4100 Menschen untergebracht, die Kapazität reicht jedoch nur für etwa 1000 Personen. Andere Gefängnisse in Sri Lanka weisen ähnliche Zustände auf.

Überbelegung und Untersuchungshaft

Laut offiziellen Angaben sitzt mehr als drei Viertel der Insassen in Untersuchungshaft, die meisten von ihnen wegen Drogendelikten. Das bedeutet, dass mehr als 3000 der 4100 Häftlinge in Mahara noch nicht rechtskräftig verurteilt sind. Die langen Verfahren und die schlechten Haftbedingungen belasten das System zusätzlich. Die Behörden haben im Juli angekündigt, ungenutzte staatliche Gebäude in Gefängnisse umzuwandeln, um die Notlage zu mildern. Kritiker bezweifeln jedoch, dass allein zusätzliche Haftplätze das Problem lösen, denn die Ursachen liegen auch in einem überlasteten Justizsystem und unzureichenden Haftbedingungen.

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UN-Menschenrechtsbüro fordert Zugang

Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach dem Aufstand in Negombo einen ungehinderten Zugang zu allen Haftanstalten des Landes gefordert. Es rief Sri Lanka auf, gegen die Überbelegung, die langen Untersuchungshaftzeiten und die schlechten Haftbedingungen vorzugehen. Internationale Organisationen verweisen darauf, dass nur eine umfassende Justiz- und Gefängnisreform die Gewaltspirale durchbrechen könne. Die Regierung in Colombo hat bislang nicht auf diese Forderungen reagiert. Die jüngsten Ereignisse dürften den Druck auf die Behörden weiter erhöhen, gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie schnell und konsequent sie handeln werden.