Nach der schweren Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta mit mehr als 70 Toten wollen die EU-Staaten künftig geschlossener auftreten und durch verbesserte Frühwarnsysteme besser auf ähnliche Situationen vorbereitet sein. Das teilten die Mitgliedsländer nach einer außerplanmäßigen Videokonferenz der EU-Innenminister mit. Die Kommunikation in Krisenzeiten solle durch zeitnahe Koordinierung gestärkt und kohärenter werden.
Hintergrund: Massenansturm auf Ceuta
In der vergangenen Woche hatten vorübergehend bis zu 60.000 Menschen von Marokko aus die spanische Exklave erreicht und damit einen heftigen Streit zwischen den EU-Ländern entfacht. Die Mehrheit der EU-Staats- und Regierungschefs kritisierte die spanische Migrationspolitik. Spaniens Regierung wiederum warf den anderen Mitgliedsländern vor, die Krise politisch auszuschlachten.
Der weitaus größte Teil der Migranten ist nach Angaben der Zentralregierung in Madrid inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Mehr als 70 Menschen starben bei dem Versuch, die EU zu erreichen.
Anerkennung für Spaniens Vorgehen
Die EU-Innenminister würdigten die raschen und wirksamen Maßnahmen der spanischen Behörden zur Bewältigung der Lage in Ceuta, hieß es in der Mitteilung. Sie drückten zudem ihre Anteilnahme für die Menschen aus, die beim Versuch, die Grenze zu überqueren, ums Leben gekommen sind. Die EU-Kommission hatte vor dem Treffen zum Zusammenhalt aufgerufen und bemüht sich, keine Zweifel an dem EU-Migrationssystem aufkommen zu lassen, das erst vor gut sieben Wochen in Kraft trat.
Rolle sozialer Medien in der Krise
Eine wichtige Rolle spielten in der Ceuta-Krise offenbar auch die sozialen Netzwerke. Zahlreiche Migranten berichteten, sie seien durch Videos und Nachrichten auf Plattformen wie TikTok auf die angeblich offene Grenze aufmerksam geworden. Dort habe sich rasch die Hoffnung verbreitet, in Ceuta würden Unterkünfte bereitstehen und die Weiterreise aufs spanische Festland winken.
Um auf vergleichbare Situationen künftig besser vorbereitet zu sein, will die EU daher beliebte soziale Netzwerke aufmerksamer beobachten. In der Mitteilung nach der Sondersitzung hieß es, um künftig das gemeinsame Lagebild zu verbessern, könnten Frühwarnsysteme weiterentwickelt werden – etwa durch die Überwachung sozialer Medien.
Die Entwicklung zeigt, wie schnell Migrationsbewegungen durch digitale Verbreitung von Informationen ausgelöst werden können und wie wichtig eine koordinierte Reaktion der EU ist.



