Es ist ein Kampf gegen die Zeit, gegen das Wetter und gegen manche Besucher: Der Park Babelsberg in Potsdam verlangt seinen Pflegern einiges ab. Vize-Revierleiter Markus Meinke kennt jede Ecke des Geländes – und weiß, wo die Probleme liegen. Zwischen wildem Wald und kunstvoll gestaltetem Gartenreich, zwischen Havelufer und historischem Schloss müssen die Mitarbeiter der Schlösserstiftung ständig in Bewegung bleiben.
Ein Park mit Geschichte und Größe
Der Park Babelsberg wurde ab 1833 angelegt und ist mit knapp 130 Hektar die zweitgrößte Grünanlage in Potsdam – nur der Park Sanssouci ist größer. Als Teil des UNESCO-Welterbes „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ steht er unter besonderem Schutz. Das bedeutet: Jede Veränderung, jeder Rückschnitt, jeder Wegebau muss mit der Denkmalpflege abgestimmt werden. Gleichzeitig ist der Park ein Stück lebendige Natur, das sich ständig verändert.
„Die Mischung aus historischer Gartengestaltung und wildem Bewuchs macht die Arbeit so besonders“, erklärt Meinke. Mal fühle man sich wie in einem Urwald, mal stehe man vor einer präzise geschnittenen Hecke. Diese Spannung fordere das Team täglich neu.
Trockenheit setzt alten Bäumen zu
Ein großes Thema in den letzten Jahren ist die Trockenheit. Alte Bäume, manche über hundert Jahre alt, leiden unter dem fehlenden Regen. „Gerade die großen, alten Exemplare brauchen dringend Wasser“, so Meinke. Die Pfleger müssen deshalb mit Wassertanks durch den Park fahren und gezielt bewässern. Das ist nicht nur körperlich anstrengend, sondern auch logistisch aufwendig, denn die Wege sind oft schmal und historisch empfindlich.
Doch es ist nicht nur die Trockenheit. Sturzregen kann in kurzer Zeit Schäden an den Wegen verursachen. Der Boden wird weggespült, Pflastersteine lockern sich, und es entstehen Rinnen, die schnell repariert werden müssen. Die Instandhaltung des Wegenetzes ist eine der wichtigsten Aufgaben – schließlich sollen Besucher den Park sicher erkunden können.
Nächtliche Partys und wildes Baden
Neben den natürlichen Herausforderungen machen die Pflegern auch menschliche Hinterlassenschaften zu schaffen. Immer wieder kommt es zu nächtlichen Partys im Park. Müll, Glasflaschen und sogar kaputte Bänke bleiben dann zurück. Besonders ärgerlich ist das in den historischen Bereichen, wo jede Beschädigung teuer repariert werden muss. „Manche Besucher sehen den Park leider als Partywiese“, sagt Meinke.
Auch wildes Baden ist ein wiederkehrendes Problem. Obwohl das Baden an den Havelufern im Park offiziell nicht erlaubt ist, zieht es an heißen Tagen viele Menschen ans Wasser. Dabei werden nicht nur Pflanzen zertrampelt, es entstehen auch gefährliche Situationen an den teils steilen Ufern. Die Parkverwaltung versucht, mit Hinweisschildern und Kontrollen gegenzusteuern, doch oft kommen die Mitarbeiter zu spät.
Rodeln trotz Verbot
Im Winter hat das Team mit einer anderen Unsitte zu kämpfen: Trotz Verbots wird an den Hügeln des Parks gerodelt. Was nach harmlosem Winterspaß klingt, hinterlässt tiefe Spuren im Gelände. Die Grasnarbe wird aufgerissen, junge Bäume knicken um, und im Frühjahr müssen die Schäden mühsam repariert werden. „Die Hügel sind für die historische Sichtachse wichtig, nicht als Rodelbahn“, erklärt Meinke. Trotzdem ist das Verbot schwer durchzusetzen, denn viele Potsdamer sehen den Park als ihr Wohnzimmer.
Handarbeit statt Maschineneinsatz
Ein Großteil der Pflege muss von Hand geschehen. In vielen Bereichen dürfen keine schweren Maschinen eingesetzt werden, weil sie den historischen Boden zerstören würden. Das bedeutet: harken, rechen, schneiden, jäten – oft mit einfachen Werkzeugen. Die Gärtnerinnen und Gärtner der Schlösserstiftung sind wahre Handwerker, die ihre Arbeit mit viel Geduld und Sachverstand ausführen.
Die Pflege des Parks ist das ganze Jahr über nötig: Im Frühjahr werden Beetflächen neu bepflanzt, im Sommer gegossen und gemäht, im Herbst Laub entfernt und im Winter vor allem Wege und Gehölze gepflegt. Jede Jahreszeit bringt ihre eigenen Aufgaben mit sich.
Ein Erbe, das gepflegt sein will
Der Park Babelsberg ist mehr als nur eine Grünfläche. Er ist ein Zeugnis der Gartenkunst des 19. Jahrhunderts und ein beliebter Erholungsort für Potsdamer und Touristen. Damit dieser Ort erhalten bleibt, ist der tägliche Einsatz der Mitarbeiter unverzichtbar. „Es ist schöne, aber auch verantwortungsvolle Arbeit“, sagt Meinke. „Wir bewahren ein Stück Geschichte – für die Menschen von heute und für kommende Generationen.“
Wer den Park besucht, kann einen kleinen Teil dieser Arbeit sehen. Doch vieles bleibt unsichtbar: die pflegende Hand, die jede Pflanze kennt, der Blick für Detail, der aus einem wilden Wald wieder ein Gartenreich macht. Der Park Babelsberg ist ein lebendiges Denkmal – und das verdankt er all denen, die jeden Tag aufs Neue Hand anlegen.



