Das schwere Unwetter am Wochenende hat im Landkreis Unterallgäu massive Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen hinterlassen. Besonders betroffen sind die Gemeinden rund um Mindelheim, wo Hagel und Starkregen ganze Felder verwüstet haben. Nach ersten Schätzungen des Landwirtschaftsamts sind auf etwa 2.500 Hektar Ackerfläche die Bestände zerstört oder stark geschädigt.
Die Gewitterzelle war am Samstagabend von Westen her über den Landkreis gezogen. Begleitet von Sturmböen und Hagelkörnern mit einem Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern richtete sie innerhalb kurzer Zeit enorme Verwüstungen an. Maisfelder wurden zerfetzt, Weizen- und Gerstenbestände flachgewalzt. In den Ortschaften Tussenhausen, Pfaffenhausen und Kirchheim hatten die Einsatzkräfte zudem mit vollgelaufenen Kellern und umgestürzten Bäumen zu kämpfen.
Landwirte stehen vor existentiellen Sorgen
Viele Betriebe in der Region sehen ihre Existenz bedroht. Gerade für Familienbetriebe, die auf die Ernte angewiesen sind, bedeuten die Schäden einen schweren Schlag. Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes im Unterallgäu sprach am Montag von einer "katastrophalen Lage". Die genauen Verluste seien noch nicht abzusehen, da einige Flächen noch nicht befahrbar sind.
Das Landwirtschaftsamt in Mindelheim hat damit begonnen, die Schäden zu erfassen. Ein Sprecher der Behörde erklärte, dass man erst nach einer vollständigen Kartierung eine genaue Bilanz vorlegen könne. Die ersten Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass es sich um die schwersten Ernteschäden in der Region seit Jahren handelt.
Regionalwirtschaftliche Auswirkungen
Die Ernteverluste könnten auch über die Landwirtschaft hinaus Auswirkungen haben. In den betroffenen Gemeinden sind zahlreiche Mühlen, Lagerhäuser und Landmaschinenhändler von den Erträgen abhängig. Sollten die Ernten nicht eingebracht werden können, drohen Lieferengpässe und Umsatzeinbußen. Auch für die Verbraucher könnte der Ausfall spürbar werden, wenn das Getreide knapp wird.
Neben den landwirtschaftlichen Flächen sind auch kommunale Einrichtungen betroffen. In einigen Orten musste die Feuerwehr umgestürzte Bäume von Straßen entfernen. Das Landratsamt hat die Behörden aufgefordert, sämtliche Schäden zu melden, damit über eine mögliche Katastrophenhilfe entschieden werden kann.
Versicherungen und Unterstützung
Die Versicherungswirtschaft rechnet bereits mit hohen Schadenssummen. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft wurden bislang über 1.000 Schadensmeldungen aus dem Unterallgäu eingereicht. Viele Landwirte haben jedoch keine Elementarschadenversicherung für ihre Felder abgeschlossen. Ein Großteil der Schäden dürfte daher unkompensiert bleiben.
Der Freistaat Bayern hat indes schnelle Hilfe zugesagt. Das Landwirtschaftsministerium prüft derzeit, ob eine Nothilfe für die betroffenen Betriebe gewährt werden kann. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat einen Besuch in der Region angekündigt, um sich ein Bild von der Lage zu machen.
Wetterausblick bleibt ungewiss
Die Wetterlage bleibt angespannt. Der Deutsche Wetterdienst warnt für die kommenden Tage vor weiteren kräftigen Gewittern im Süden Bayerns. Erneut könnten Hagel und Starkregen auftreten, was die Lage der Landwirte weiter verschärfen würde. Meteorologen weisen darauf hin, dass solche Extremwetterereignisse im Zuge des Klimawandels häufiger werden.
Für die betroffenen Landwirte beginnt nun das Warten auf die Schadensschätzer und ein hoffnungsvoller Blick in den Himmel. Die Hoffnung ist groß, dass die angekündigten Regenfälle ohne Begleiterscheinungen bleiben. Doch die Bilanz der vergangenen Tage hat gezeigt, wie schnell die Arbeit eines ganzen Jahres zunichte gemacht werden kann.
Wir werden weiter über die Entwicklungen im Unterallgäu berichten.



