Es sind nur wenige Sekunden, in denen sich die Situation auf einer Staatsstraße bei Nabburg dramatisch zuspitzt: Die Beifahrerin eines Autos öffnet während der Fahrt die Tür und rollt sich bei rund 20 Kilometern pro Stunde auf die Fahrbahn. Zuvor hat ein heftiger Streit mit ihrer Schwester, die am Steuer sitzt, eskaliert.
Wie die Polizei mitteilt, waren die 26-jährige Fahrerin und ihre 24-jährige Schwester zusammen mit ihrer Mutter auf der Staatsstraße unterwegs. Plötzlich gerieten die beiden Geschwister in Streit. Die Beifahrerin packte die Fahrerin laut Polizei zunächst am Arm. Dann nahm sie den automatischen, per Funk verbundenen Autoschlüssel aus der Mittelkonsole, öffnete die Tür und rollte sich beim Abbiegen aus dem fahrenden Wagen.
Leichte Verletzungen, aber eine Anzeige
Die 24-Jährige blieb bei dem Sturz offenbar glimpflich: Sie erlitt Prellungen und Abschürfungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Nun erwartet sie eine Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr gemäß Paragraph 315b StGB.
Dieser Tatbestand steht unter dem Schutz der Sicherheit des Straßenverkehrs. Wer durch einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr oder durch ein ähnliches Verhalten andere Menschen oder Sachen gefährdet, muss mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. Die genaue Strafe hängt von der Schwere der Tat und den Folgen ab.
Die Rolle der Mutter und die Ermittlungen
Die Mutter der beiden Schwestern saß während des gesamten Vorfalls auf der Rückbank. Sie dürfte den Ablauf unmittelbar beobachtet haben und kommt für die Polizei als Zeugin in Betracht. Die Beamten der Polizeiinspektion Nabburg haben die Ermittlungen aufgenommen. Nach Abschluss der Ermittlungen wird die Staatsanwaltschaft über das weitere Vorgehen entscheiden.
Warum schon 20 km/h gefährlich sein können
Eine Geschwindigkeit von 20 km/h wirkt im ersten Moment nicht bedrohlich. Doch wer aus einem fahrenden Fahrzeug auf die Straße stürzt, setzt sich erheblichen Gefahren aus. Neben Prellungen und Schürfwunden können bei unglücklichem Aufprall auch Knochenbrüche oder Kopfverletzungen auftreten. Zudem besteht das Risiko, dass nachfolgende Fahrzeuge nicht rechtzeitig bremsen können.
Das Öffnen der Tür während der Fahrt ist ebenfalls riskant: Es kann zu einer Kollision mit anderen Verkehrsteilnehmern führen, insbesondere mit Rad- oder Motorradfahrern, die das Auto gerade überholen. In diesem Fall hätte der Sturz weitaus schwerwiegendere Folgen haben können.
Konflikte im Auto: Ein bekanntes Risiko
Der Fall bei Nabburg ist kein Einzelfall. Gerade auf längeren Fahrten oder in emotional angespannten Situationen kann es zwischen Fahrer und Beifahrer zu Streit kommen. Problematisch wird es, wenn die Auseinandersetzung während der Fahrt ausgetragen wird und jemand versucht, in das Fahrzeuggeschehen einzugreifen – durch Handgreiflichkeiten, das Entwenden des Schlüssels oder gar den Ausstieg aus dem fahrenden Auto.
Verkehrsexperten empfehlen deshalb, Konflikte nicht im Auto auszutragen. Besser ist es, auf einem Parkplatz oder an einer geeigneten Stelle anzuhalten und das Gespräch in Ruhe zu führen. Das gilt nicht nur für Streitigkeiten zwischen Geschwistern, sondern für alle Insassen. Wer sich als Beifahrer unsicher fühlt, sollte den Fahrer bitten, langsamer zu fahren oder anzuhalten – aber nicht eigenmächtig die Tür öffnen.
Die Ermittlungen zu dem Vorfall an der Staatsstraße bei Nabburg dauern an. Die 24-Jährige wird sich nun rechtlich verantworten müssen. Ob die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt, wird die Zukunft zeigen. Fest steht: Ein harmloser Sonntagsausflug ist in einem Schwesternstreit geendet, der am Ende vor Gericht landen könnte.



