Berlins Straßenbahnen: Diese Staufallen bremsen sie aus
Berlins Straßenbahn-Staufallen: Diese Orte bremsen

Das Durchschnittstempo im Berliner Straßenbahnnetz hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verringert. Laut einem Bericht der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind die Straßenbahnen heute im Schnitt rund 19 Kilometer pro Stunde schnell – vor zehn Jahren waren es noch etwa 21 Kilometer pro Stunde. Diese Verlangsamung führt zu regelmäßigen Verspätungen, insbesondere zu Stoßzeiten.

Die größten Staufallen im Netz

Eine Analyse der BVG zeigt, dass es im gesamten Streckennetz etwa 40 kritische Punkte gibt, an denen die Bahnen besonders häufig ausgebremst werden. Dazu gehören stark frequentierte Kreuzungen wie der Alexanderplatz, die Leipziger Straße und der Hermannplatz. Auch enge Kurven und Abschnitte mit parkenden Autos auf den Gleisen sorgen für Verzögerungen.

Besonders problematisch sind Stellen, an denen die Straßenbahn mit dem Individualverkehr um die Fahrbahn konkurrieren muss. An diesen sogenannten Mischverkehrsabschnitten müssen die Bahnen oft hinter Autos und Bussen warten, was zu unregelmäßigen Taktzeiten führt. Die BVG nennt als Beispiele die Streckenabschnitte in der Karl-Marx-Straße in Neukölln und in der Müllerstraße in Wedding.

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Beschleunigungsprogramm zeigt nur lokal Wirkung

Um das Problem zu lösen, hat die BVG ein Beschleunigungsprogramm gestartet. An einigen Stellen wurden bereits bauliche Veränderungen vorgenommen, etwa der Einbau von separaten Gleiskörpern oder die Einrichtung von Vorrangschaltungen an Ampeln. Diese Maßnahmen haben lokal zu Verbesserungen geführt, wie eine Sprecherin der BVG erklärte: „An den umgebauten Abschnitten konnten wir die Reisezeit um bis zu 20 Prozent reduzieren.“

Allerdings sind diese Erfolge bislang nur punktuell. Das Gesamttempo im Netz ist weiterhin rückläufig, da an vielen anderen Stellen die Probleme bestehen bleiben. Die BVG fordert daher mehr Unterstützung von der Politik, um weitere Streckenabschnitte umzubauen und die Priorität der Straßenbahn im Verkehr zu stärken.

Auswirkungen auf Fahrgäste und Verkehrswende

Die langsameren Straßenbahnen haben direkte Auswirkungen auf die Fahrgäste: längere Reisezeiten, verpasste Anschlüsse und eine geringere Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs. Gerade im Hinblick auf die Verkehrswende und das Ziel, mehr Menschen vom Auto auf die Bahn zu bringen, sind diese Verspätungen kontraproduktiv.

Eine Studie des Verkehrsclub Deutschland (VCD) zeigt, dass die Zuverlässigkeit der Straßenbahn ein entscheidender Faktor für die Nutzerzufriedenheit ist. Wenn die Bahnen häufiger Verspätung haben, sinkt die Bereitschaft, auf den ÖPNV umzusteigen. Die BVG verweist darauf, dass die Zahl der Fahrgäste in den letzten Jahren zwar gestiegen ist, aber das Potenzial ohne die Verspätungen noch größer wäre.

Lösungsansätze für die Zukunft

Die BVG setzt neben baulichen Maßnahmen auch auf technische Innovationen. So sollen neue Signalsteuerungen und ein digitales Verkehrsmanagement helfen, die Bahnen besser durch den Verkehr zu lotsen. Auch die Einführung von längeren Zügen und eine verbesserte Taktung sind geplant.

Die Verkehrssenatorin kündigte an, dass der Senat die Bemühungen der BVG unterstützen werde. „Wir werden die Priorität des öffentlichen Verkehrs weiter erhöhen und die nötigen Mittel für den Ausbau der Infrastruktur bereitstellen“, sagte sie bei einem Ortstermin an einem der kritischen Punkte. Allerdings seien die finanziellen Spielräume begrenzt, und viele Projekte bräuchten Zeit.

Bis dahin müssen sich die Fahrgäste in Berlin wohl weiterhin auf Verspätungen einstellen. Die BVG empfiehlt, bei der Fahrplanplanung einen Puffer einzuplanen und die Verkehrsmeldungen in der App zu beachten.

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