Das dritte von insgesamt 89 vorgefertigten Tunnelelementen liegt jetzt am Grund des Fehmarnbelts. Wie das dänische Projektunternehmen Femern A/S mitteilt, wurde der etwa 217 Meter lange und 73.000 Tonnen schwere Betonblock planmäßig abgesenkt. Damit kommt der Bau des Ostseetunnels zwischen Puttgarden und Rødbyhavn weiter voran.
Mit 18,2 Kilometern Länge wird der Ostseetunnel der längste Absenktunnel der Welt. Er kombiniert eine vierspurige Straße mit einer zweigleisigen Eisenbahnstrecke. Das Projekt wird von Dänemark finanziert und ist mit rund 7,1 Milliarden Euro veranschlagt.
Die Fabrik, in der Tunnel gebaut werden
Die 89 Tunnelelemente entstehen in einer eigens dafür errichteten Produktionsstätte in Rødbyhavn. Jedes Element ist 217 Meter lang, 42 Meter breit und neun Meter hoch – das entspricht der Größe eines zehnstöckigen Hauses. Mit 73.000 Tonnen wiegt ein Element so viel wie ein ausgewachsenes Containerschiff.
Die Produktion läuft wie am Fließband: In neun Abschnitten wird jedes Element betoniert, anschließend werden die Abschnitte zu einem wasserdichten Monolithen verbunden. Insgesamt benötigt der Bau rund 800.000 Kubikmeter Beton. Das ist mehr als für den Bau des Fernsehturms in Berlin in hundertfacher Ausführung nötig wäre.
Präzisionsarbeit auf dem Meer
Das Absenken ist eine komplizierte Prozedur. Ein Spezialschiff hievt das Element an die vorgesehene Position im Fehmarnbelt. Dort wird es langsam in eine zuvor ausgebaggerte Rinne abgesenkt. Computer steuern die Vorgänge so präzise, dass das Element am Ende auf den Millimeter genau sitzt. Für das dritte Element dauerte die Absenkung rund 24 Stunden.
Bislang sind laut Femern A/S drei der 89 Elemente verlegt. Die Tunnelbauer liegen damit im Zeitplan, die Fertigstellung ist für 2029 avisiert. Die Elemente liegen etwa 25 Meter unter dem Meeresspiegel; an der tiefsten Stelle der Schifffahrtsrinne sind es bis zu 40 Meter. So bleibt die Durchfahrt für Frachter und Fähren auch während des Baus gewährleistet.
Strecke zwischen Hamburg und Kopenhagen wird deutlich schneller
Der Ostseetunnel verkürzt die Reisezeit für Bahnreisende zwischen Hamburg und Kopenhagen von rund viereinhalb Stunden auf unter drei Stunden. Autofahrer brauchen künftig nur noch zehn Minuten für die Unterquerung der Ostsee. Die bisherige Fährverbindung Puttgarden–Rødbyhavn befördert jährlich Millionen Passagiere; sie wird nach der Eröffnung des Tunnels eingestellt.
Auch wirtschaftlich ist die feste Querung ein Meilenstein: Der skandinavisch-mediterrane Korridor ist eines der zentralen Güterverkehrsachsen Europas. Die EU fördert das Projekt daher im Rahmen der Connecting Europe Facility. Laut Europäischer Kommission verbessert der Tunnel die Anbindung der nordischen Länder an den Kontinent nachhaltig.
Ausbau mit Hindernissen des Meeres
Die Baustelle im Fehmarnbelt zählt zu den anspruchsvollsten Europas. Das Gebiet steht unter Naturschutz und ist Lebensraum für Schweinswale, Zugvögel und Fische. Femern A/S verpflichtete sich zu umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen. Dazu gehören künstliche Riffe, Fischbesatz und ein Kälteblasen-Verfahren, das Unterwasserlärm bei Rammarbeiten reduziert.
Zudem mussten die Arbeiter mehrere Weltkriegs-Blindgänger aus dem Meeresboden räumen, die im Trassenverlauf gefunden wurden. Die Entschärfung dauerte Monate. Erst danach konnten die Bagger die Rinne für die Tunnelelemente ausheben.
Mit dem dritten Tunnelteil ist die Anlage nun mehr als 650 Meter lang. Trotz der vielen Herausforderungen hält das Projektteam den Plan ein. Die nächsten Elemente werden in den kommenden Monaten in wöchentlichen Abständen abgesenkt. Wenn alles wie geplant verläuft, rollen 2029 die ersten Züge und Autos durch die Röhre – und die Fährlinie Puttgarden–Rødbyhavn gehört der Vergangenheit an.



