Dürre am Rhein: Wie stark die Spritpreise steigen könnten
Dürre am Rhein: Spritpreise könnten stark steigen

Die extremen Niedrigwasserstände des Rheins gefährden die Versorgung der Industrie und könnten die Preise für Benzin und Diesel spürbar in die Höhe treiben. Der Ökonom Thilo Schaefer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln erläutert im Interview die möglichen Folgen für Autofahrer und die gesamte Konjunktur.

Rhein als Lebensader der Industrie

Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas und zentrale Transportroute für Güter wie Kohle, Erze, Chemikalien und Treibstoffe. Bei anhaltender Trockenheit sinken die Pegelstände massiv, sodass Frachtschiffe nur noch mit reduzierter Ladung fahren können oder ganz ausfallen. Das führt zu Engpässen in den Lieferketten, insbesondere für die Mineralölwirtschaft, die ihre Produkte häufig per Schiff zu den Tanklagern transportiert.

Schaefer zufolge kann ein länger anhaltendes Niedrigwasser die Produktion in den Raffinerien am Rhein beeinträchtigen. Dadurch sinkt das Angebot an Kraftstoffen, während die Nachfrage gleichbleibt. Die Folge: höhere Preise an den Zapfsäulen. „Wenn der Rhein über Wochen kaum noch befahrbar ist, müssen die Unternehmen auf teurere Alternativen wie Lkw oder Bahn ausweichen, was die Kosten erheblich steigert“, sagt der Ökonom.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Auswirkungen auf Spritpreise

Wie stark die Spritpreise steigen könnten, hängt von der Dauer und Intensität der Dürre ab. Bereits in den Vorjahren, etwa 2018 und 2022, führten Niedrigwasserstände zu temporären Preissprüngen von mehreren Cent pro Liter. Schaefer rechnet damit, dass bei einer erneuten Extremlage die Preise um bis zu zehn Cent pro Liter ansteigen könnten. „Das ist eine Belastung für Verbraucher, die ohnehin mit hohen Energiekosten kämpfen“, so der Experte.

Besonders betroffen sind Regionen, die stark von der Rheinschifffahrt abhängig sind, wie Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Dort liegen große Raffinerien und Chemieparks, die auf die Wasserstraße angewiesen sind. Auch die Versorgung von Tankstellen in diesen Gebieten könnte zeitweise unterbrochen werden, was zu regionalen Engpässen führen würde.

Wirtschaftswachstum unter Druck

Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht auf den Kraftstoffmarkt beschränkt. Schaefer betont, dass die Industrie insgesamt unter den Transportproblemen leidet. Viele Unternehmen haben nur begrenzte Lagerkapazitäten und produzieren just-in-time. Ein Ausfall der Schifffahrt zwingt sie, die Produktion zu drosseln oder sogar vorübergehend zu stoppen. Das kann das Bruttoinlandsprodukt (BIP) spürbar belasten.

Berechnungen des IW zeigen, dass ein einmonatiges Niedrigwasser den Zuwachs des BIP um bis zu 0,2 Prozentpunkte reduzieren könnte. „Das klingt wenig, ist aber angesichts der aktuellen Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft ein weiterer Dämpfer“, erklärt Schaefer. Auch andere Branchen wie die Bauwirtschaft und der Einzelhandel spüren die Folgen, da sie auf zuverlässige Lieferungen angewiesen sind.

Klimawandel verschärft das Problem

Die Häufung von Dürreperioden in den letzten Jahren führt Experten zufolge auf den Klimawandel zurück. Schaefer fordert daher langfristige Anpassungsstrategien: „Wir müssen die Infrastruktur an die veränderten Bedingungen anpassen, etwa durch den Ausbau der Binnenschifffahrt mit flacheren Schiffen oder die Verbesserung der Umschlaganlagen.“ Auch die Möglichkeit, mehr Güter auf die Schiene zu verlagern, sei zu prüfen.

Für Autofahrer bedeutet das: Sie sollten sich auf volatile Spritpreise einstellen, insbesondere in den Sommermonaten. Ein Blick auf die Tankstellenpreise lohnt sich, denn regionale Unterschiede können erheblich sein. Die Bundesregierung könnte zudem mit temporären Steuersenkungen gegensteuern, wie es in der Vergangenheit bei ähnlichen Krisen der Fall war.

Die aktuelle Situation bleibt angespannt. Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert für die kommenden Wochen weiterhin kaum nennenswerte Niederschläge. Die Pegelstände des Rheins werden daher voraussichtlich weiter sinken, was die Lage verschärfen dürfte. Schaefer appelliert an die Politik, die Bedeutung des Rheins als Wirtschaftsadern stärker zu berücksichtigen und Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration