Führerschein-Reform: Schnieder plant günstigere Ausbildung mit Elternhilfe
Die Bundesregierung will den Führerscheinerwerb in Deutschland deutlich erschwinglicher gestalten. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat nach einer Arbeitsgruppe von Bund und Ländern weiterentwickelte Vorschläge präsentiert, die bereits im Oktober angekündigt wurden. Ein zentrales Element: Fahrschüler könnten künftig Ausbildungsfahrten mit Eltern oder nahestehenden Personen absolvieren.
„Der Führerschein ist in Deutschland einfach zu teuer“, erklärte Schnieder in Berlin. Die durchschnittlichen Kosten für einen Pkw-Führerschein liegen bei etwa 3.400 Euro, in einigen Regionen sogar bei 4.000 bis 4.500 Euro. „Das ist für Jugendliche oder Berufseinsteiger ein ziemlicher Batzen Geld, für manche unbezahlbar“, so der Minister. Besonders Familien mit mehreren Kindern seien von den hohen Ausgaben betroffen.
Digitalisierung und Bürokratieabbau als Kostensenker
Die Reform sieht mehrere Maßnahmen vor, um die Ausbildung effizienter und kostengünstiger zu gestalten:
- Digitaler Unterricht: Fahrschüler sollen theoretisches Wissen ausschließlich online erwerben dürfen. Fahrschulen können weiter Präsenzunterricht anbieten, sind aber nicht mehr dazu verpflichtet.
- Weniger Bürokratie: Viele Vorgaben für Fahrschulen zu Unterrichtsräumen und Lehrmitteln sollen gestrichen werden.
- Simulatoren: Der Einsatz von Fahrsimulatoren wird rechtlich verankert, bleibt aber optional.
- Reduzierter Fragenkatalog: Die 1.169 Fragen für die theoretische Pkw-Prüfung sollen um knapp 30 Prozent verringert werden.
- Weniger Sonderfahrten: Statt zwölf sind künftig nur noch drei Sonderfahrten (Überland, Autobahn, Dunkelfahrt) vorgesehen.
- Kürzere praktische Prüfung: Die Fahrzeit wird von 30 auf 25 Minuten reduziert, die Prüfungsdauer von 55 auf 40 Minuten.
- Mehr Preistransparenz: Fahrschulen müssen ihre Preise online veröffentlichen, Vergleichsportale können diese Daten aufbereiten.
- Entlastung bei Prüfern: Für praktische Prüfungen soll kein Diplomingenieur mehr erforderlich sein.
Laienausbildung mit Eltern auf fünf Jahre befristet
Ein besonders innovativer Ansatz ist die sogenannte Laienausbildung. Nach erfolgreicher theoretischer Prüfung und sechs Fahrstunden in der Fahrschule sollen Fahrschüler 1.000 Kilometer Fahrpraxis in Begleitung sammeln – in der Regel mit den Eltern. Diese müssen den Führerschein seit mindestens sieben Jahren besitzen und dürfen nicht mehr als einen Punkt in Flensburg haben. Die Regelung soll zunächst für fünf Jahre eingeführt werden.
„Kein Vorschlag geht zulasten der Verkehrssicherheit“, betonte Schnieder. „Das ist und bleibt die rote Linie.“ Als Vergleich nannte er Luxemburg und Belgien, wo Führerscheine bei gleichen EU-Vorgaben nur 1.500 bis 2.000 Euro kosten.
Tüv-Verband warnt vor Sicherheitsrisiken
Kritik an den Plänen kommt vom Tüv-Verband. Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität, warnt vor einer „Fahrprüfung light“. Die hohen Durchfallquoten von 44 Prozent in der Theorie und 37 Prozent in der Praxis zeigten, dass bereits jetzt viele Fahrschüler scheitern. Jede nicht bestandene Prüfung bedeute zusätzliche mentale, finanzielle und zeitliche Belastung.
„Wer den Führerscheinerwerb effizienter und kostengünstiger gestalten will, muss alles daransetzen, den ersten Prüfungsversuch zum Erfolg zu machen“, so Goebelt. Der Verband befürchtet, dass das bisher erreichte Sicherheitsniveau durch die geplanten Maßnahmen nicht gehalten werden kann.
Seit Schnieders Ankündigungen ist die Zahl der Fahrschulanmeldungen laut Verbänden bereits eingebrochen – viele potenzielle Fahrschüler warten auf günstigere Konditionen. Der Minister hofft auf eine Einigung bei der Verkehrsministerkonferenz Ende März, um rechtliche Änderungen auf den Weg zu bringen.



