Anschlag beim CSD Berlin: eine Tote, 29 Verletzte, Polizei fahndet nach Tatverdächtigem
Anschlag beim CSD Berlin: eine Tote, 29 Verletzte

Ein fröhliches Pride-Wochenende in Berlin endete am späten Samstagabend in einer Tragödie. Gegen 22.15 Uhr wurde die Abschlusskundgebung des Christopher Street Day (CSD) am Brandenburger Tor abgebrochen, nachdem ein weißer Kleinbus im südlichen Tiergarten in eine Menschenmenge gerast war. Eine Frau kam ums Leben, mindestens 29 Menschen wurden verletzt, darunter drei lebensgefährlich. Die Polizei hat einen 21-jährigen Tatverdächtigen namens Abdul B. identifiziert, der dem islamistischen Milieu zugerechnet wird und flüchtig ist.

Dobrindt spricht von islamistischem Terroranschlag

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte am Sonntag am Tatort: „Wir stehen fassungslos und in tiefer Trauer nach diesem furchtbaren Anschlag. Alles deutet darauf hin, dass wir es mit einem islamistischen Terroranschlag zu tun haben.“ Der Tatverdächtige sei weiter auf der Flucht; die Polizei fahnde mit Hochdruck. Nach dpa-Informationen war Abdul B. erst im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen worden. Er wohnt nur wenige Minuten vom Tatort entfernt und soll nach ersten Erkenntnissen mit dem Islamischen Staat (IS) sympathisieren. Die Behörden ermitteln auch, ob es eine zweite Tatphase mit einer Stichwaffe gab und wie viele Personen beteiligt waren.

Trauerkundgebung am Pariser Platz

Bereits am Sonntagmittag versammelten sich Tausende Menschen auf dem Pariser Platz zu einer spontanen Trauerkundgebung, zu der der FLINTA-Chor D-Dur Dykes* aufgerufen hatte. Gegen 14 Uhr schätzte die Polizei rund 2000 Teilnehmende. Viele trugen Regenbogenflaggen, manche schwarze Kleidung, einige hatten Blumen mitgebracht. Es war still, ein Helikopter kreiste über dem Platz. Organisatorin Theresa Zanon eröffnete die Kundgebung mit einer bewegenden Rede: „Der Anschlag sei ein Angriff auf die gesamte queere Community, auf ihre Identitäten, ihre Existenz und die Demokratie“, sagte sie. „Wir lassen uns davon nicht unterkriegen. Wut und Gemeinschaft seien die stärksten Waffen gegen Hass.“ Sie rief zu Zusammenhalt auf: „Zusammensein ist die größte Revolution.“

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Reaktionen aus der Politik und der Community

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Bundesinnenminister Dobrindt äußerten sich gemeinsam vor der Presse. CDU-Fraktionschef Dirk Stettner und SPD-Fraktionschef Raed Saleh beantragten eine Sondersitzung des Innenausschusses. „Der brutale Angriff auf friedlich feiernde Menschen mitten in Berlin erschüttert uns zutiefst“, erklärten sie. CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers nahm ebenfalls an der Gedenkveranstaltung teil. Die AfD-Fraktion forderte ebenfalls eine Sondersitzung; ihr innenpolitischer Sprecher Thorsten Weiß kritisierte das Sicherheitskonzept: „Das Sicherheitskonzept hat versagt.“

Viele Teilnehmende der Trauerkundgebung betonten, sich nicht einschüchtern zu lassen. „Wir sind hier, um zu zeigen, wie wichtig es ist, weiterhin zu demonstrieren“, sagte Luca Flor vom Solidaritätsnetzwerk. „Mr. Fetish Berlin 2026“ erklärte: „Allein dass wir hier sind, ist ein Politikum. Wir lassen uns nicht einschüchtern.“ Eine Gruppe Jugendlicher aus Thüringen, die extra zum CSD angereist war, legte Blumen am Tatort nieder.

CSD sagt Sonntagsveranstaltungen ab

Der Berliner CSD empfahl, sich am Sonntag in kleinen Gruppen zu treffen, statt großer Versammlungen. „Ruft die an, die gestern dabei waren. Lasst niemanden allein damit“, hieß es auf Instagram. Die für den Abend geplante Gedenkveranstaltung des LSVD am Denkmal für die verfolgten Homosexuellen wurde „aufgrund der aktuellen Sicherheitslage“ abgesagt. Stattdessen soll in den kommenden Tagen eine zentrale Gedenkveranstaltung organisiert werden.

Die Polizei fahndet weiterhin mit Hochdruck nach dem flüchtigen Tatverdächtigen. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar, die Ermittlungen dauern an.

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