Berliner Telefonat: Wegner und Merz in der Gedächtnislücke
Berliner Telefonat: Wegner und Merz in der Gedächtnislücke

Ein angebliches Telefonat zwischen dem Berliner Regierenden Bürgermeister Kai Wegner und Bundeskanzler Friedrich Merz sorgt für politische Verwirrung. Wegner behauptet, am 4. Januar mit Merz gesprochen zu haben, und nennt sogar die genaue Uhrzeit. Das Kanzleramt hingegen kann ein solches Gespräch nicht bestätigen, und Merz selbst erinnert sich offenbar nicht. So entsteht ein Schrödingers Telefonat: Es hat stattgefunden und zugleich nicht stattgefunden. Erst wenn jemand die Anrufliste öffnet, wird Klarheit geschaffen.

Wegners präzise Angaben

Für Wegner ist der Vorgang besonders ungünstig. Bereits zuvor waren seine Angaben zum Krisentag von bemerkenswerter Beweglichkeit. Zunächst hatte er erklärt, bereits seit 8.08 Uhr telefoniert zu haben. Später stellte sich heraus, dass seine dienstlichen Gespräche offenbar deutlich später begannen. Nun bekräftigt Wegner das Merz-Telefonat sogar mit exakter Zeitangabe. Präzision ist schließlich besonders wichtig, wenn die eigene Glaubwürdigkeit bereits leichte Gebrauchsspuren aufweist.

Merz‘ Erinnerungslücke

Merz wiederum könnte das Gespräch tatsächlich vergessen haben. Auch das wäre aufschlussreich. Der Regierende Bürgermeister der Hauptstadt ruft an – und beim Kanzler bleibt ungefähr so viel hängen wie von einer automatischen Bandansage. Es steht Aussage gegen Erinnerungslücke. Wegner liefert die Minute, Merz das Schweigen, das Kanzleramt die erfolglose Spurensuche.

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Krisenkommunikation in Berlin

Das alles wäre nur eine kleine Berliner Kuriosität, ginge es nicht um Krisenmanagement und politische Verlässlichkeit. Wer in angespannten Lagen Verantwortung trägt, sollte hinterher zumindest wissen, wen er wann gesprochen hat. Oder wenigstens darin übereinstimmen, dass überhaupt gesprochen wurde. In Berlin nennt man so etwas vermutlich Krisenkommunikation.

Deutschland hat viele Probleme: schwaches Wachstum, marode Infrastruktur, überforderte Verwaltungen. Aber wenigstens eine Frage müsste sich im digitalen Zeitalter schnell klären lassen: Haben zwei Spitzenpolitiker miteinander telefoniert? Offenbar nicht.

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