Saudi-Arabien hat sich erstmals offiziell an einem Militärschlag gegen proiranische Kräfte im Irak beteiligt. Nach Angaben von Sicherheitskreisen griff die saudische Luftwaffe in der Nacht zum Donnerstag Stellungen von Milizen nahe der irakischen Grenze zu Syrien an. Bei dem Angriff sollen nach irakischen Angaben mindestens 20 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden sein. Die Rettungskräfte bargen Leichen aus den Trümmern einer Basis der Volksmobilisierungskräfte (PMF), einem Dachverband proiranischer Milizen.
Neue Stufe der Eskalation im Nahostkonflikt
Der Schritt markiert eine deutliche Eskalation im regionalen Konflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran. Bisher hatte Riad seine Luftangriffe auf den Jemen und gegen Ziele in Syrien beschränkt. Der Irak war bislang von direkten saudischen Militäroperationen verschont geblieben, um eine weitere Destabilisierung des Landes zu vermeiden.
„Dies ist eine neue Stufe der Eskalation“, sagte Anna-Sophie Schneider, Nahost-Expertin und Autorin des Artikels. „Saudi-Arabien hat damit deutlich gemacht, dass es bereit ist, seine Sicherheitsinteressen auch jenseits der eigenen Grenzen militärisch durchzusetzen.“ Die Intervention erfolgte nach Angaben des saudischen Verteidigungsministeriums als Antwort auf einen Drohnenangriff auf eine saudische Ölanlage Anfang der Woche, den Riad dem Iran und dessen Verbündeten zuschreibt.
Diplomatische Bemühungen überschattet
Die neue Runde der Gewalt überschattet die laufenden diplomatischen Bemühungen zur Deeskalation, die von den Vereinten Nationen und mehreren Regionalmächten vorangetrieben werden. Erst vor wenigen Tagen hatte der irakische Ministerpräsident Mohammed Shia al-Sudani zu einem Treffen der Regionalstaaten nach Bagdad geladen, um über eine Eindämmung des Konflikts zu beraten. „Der Angriff trifft uns völlig unerwartet und untergräbt unsere Vermittlungsbemühungen“, kommentierte ein irakischer Regierungsvertreter anonym.
Die irakische Regierung verurteilte den saudischen Luftangriff als Verletzung ihrer Souveränität und bestellte den saudischen Botschafter ein. Gleichzeitig verstärkt der Iran seine Unterstützung für die Milizen. Die Revolutionsgarden kündigten an, ihre Berater im Irak aufzustocken.
Regionaler Flächenbrand droht
Der Irankrieg droht sich endgültig zu einem Flächenbrand auszuweiten. Neben Saudi-Arabien und dem Iran sind auch die USA, Israel und mehrere Golfstaaten in den Konflikt verwickelt. Die USA haben ihre Truppen im Irak und in der Region erhöht, um ihre Verbündeten zu schützen. Experten befürchten eine unkontrollierte Spirale der Gewalt.
„Die Region steht am Rande eines größeren Krieges“, warnt ein Analyst des International Crisis Group. „Jede direkte militärische Beteiligung eines weiteren Akteurs erhöht die Gefahr von Fehlkalkulationen und einer unkontrollierten Eskalation.“ Der UN-Sicherheitsrat soll noch diese Woche zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.
Zivile Opfer und humanitäre Lage
Die Zahl der zivilen Opfer steigt. Nach Angaben des irakischen Gesundheitsministeriums wurden bei dem Angriff auch Frauen und Kinder getötet. Krankenhäuser in der Provinz Anbar sind überlastet. Hilfsorganisationen fordern einen sofortigen Waffenstillstand, um die Versorgung der Verletzten zu ermöglichen. Die humanitäre Lage im Irak, der ohnehin unter einer schweren Wirtschaftskrise leidet, verschlechtert sich weiter.
Saudi-Arabien betont, der Schlag habe ausschließlich militärischen Zielen gegolten und zivile Opfer seien nicht beabsichtigt gewesen. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist bisher nicht möglich.



