Die Europäische Union hat ein umfassendes Gold-Embargo gegen den Sudan verhängt. Ab sofort sind der Kauf, die Einfuhr und die Verbringung von Gold aus dem nordostafrikanischen Land verboten. Ziel der Sanktionen ist es, die Finanzierungsquellen des brutalen Bürgerkriegs zu kappen, wie der Rat der EU-Mitgliedstaaten nach dem Beschluss der Außenminister mitteilte.
Gold als zentrale Einnahmequelle der Konfliktparteien
Das Edelmetall sei zu einer zentralen Einnahmequelle geworden, mit der der Konflikt finanziert werde, hieß es in der Erklärung. Durch die Beschränkung des Handels mit sudanesischem Gold und die Einschränkung des Zugangs zu Chemikalien, die für den Abbau und die Gewinnung benötigt werden, wolle man die Ressourcen verringern, die den Verantwortlichen für Gewalt zur Verfügung stehen. Konkret werden auch der Verkauf, die Lieferung, die Weitergabe oder die Ausfuhr von Quecksilber und Zyanid in den Sudan untersagt. Diese Chemikalien werden in großem Umfang beim Goldabbau und bei der Goldgewinnung eingesetzt. Beide Maßnahmen werden durch Verbote im Zusammenhang mit entsprechenden Dienstleistungen ergänzt, darunter technische Unterstützung, Vermittlungsdienste und Finanzhilfen.
UNO warnt vor neuer Menschenrechtskatastrophe
Im Sudan kämpfen die sudanesischen Streitkräfte (SAF) gegen die Miliz Rapid Support Forces (RSF). Der seit Jahren andauernde Konflikt hat verheerende Folgen für die Zivilbevölkerung sowie für die Stabilität des Landes und der gesamten Region. UNO-Hochkommissar Volker Türk befürchtete zuletzt eine Welle von Gräueltaten in der umkämpften Stadt El Obeid. Die Anzeichen seien unmissverständlich, sagte der Chef des UNO-Menschenrechtsbüros Anfang des Monats in Genf. Es bahne sich eine „neue Menschenrechtskatastrophe“ an.
RSF-Chef in Abwesenheit zum Tode verurteilt
Ein Gericht in der von der Armee kontrollierten sudanesischen Stadt Port Sudan hat derweil den Chef der RSF-Miliz, Mohamed Hamdan Daglo, und 15 weitere Menschen in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Ihnen wurden die Tötung eines Regionalgouverneurs sowie Kriegsverbrechen in der Region Darfur vorgeworfen. Das Urteil ist das erste gegen die RSF-Führung seit Beginn des Krieges im April 2023. Das Gericht verurteilte Daglo und die anderen Angeklagten wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermord und Angriffen auf Zivilisten und öffentliche Einrichtungen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Suna. Unter den Verurteilten sind Daglos Bruder und Stellvertreter, Abdelrahim Hamdan Daglo, sowie mehrere RSF-Offiziere und Anführer aus arabischen Gemeinschaften in West-Darfur.
Hintergrund des Konflikts
Der Gouverneur von West-Darfur, Khamis Abbakar, war im Juni 2023 kurz nach der Einnahme der Provinzhauptstadt El-Geneina durch RSF-Truppen getötet worden. Er hatte die RSF und verbündete Milizen beschuldigt, Angriffe gegen Zivilisten verübt zu haben. Laut UNO-Experten wurden damals in El-Geneina 10.000 bis 15.000 Menschen getötet. Die RSF weist Vorwürfe des Völkermords und anderer Kriegsverbrechen immer wieder zurück.



