Exilkubaner über US-Intervention: „Für viele ist Marco Rubio ein Held“
Exilkubaner: US-Intervention? „Für viele ist Rubio ein Held“

José Daniel Ferrer saß in Kuba mehrfach im Gefängnis. Auf Druck des Regimes reiste er im Oktober nach Miami aus. Im Gespräch erzählt er von der Stimmung in Little Havana und der Chance auf Demokratie.

Glauben Sie, die USA greifen bald Kuba an?

Ich bin mir ziemlich sicher, und aus meiner Sicht wäre es wünschenswert. Noch wünschenswerter wäre natürlich, dass das kommunistische Regime die Macht abgibt und den Weg für freie, demokratische Wahlen freimacht. Aber daran kann man nicht ernsthaft glauben.

Also wünschen Sie sich einen Militäreinsatz in Ihrer Heimat?

Vor dem 3. Januar wäre meine Antwort – und wahrscheinlich die der meisten Kubaner – gewesen: Auf gar keinen Fall. Bei einer Intervention dachte man an Afghanistan, Irak, Libyen. Das geht nicht gut, das kann niemand für das eigene Land wollen. Aber bei dem US-Angriff auf Venezuela haben wir gesehen, dass eine Militärintervention auch ohne große zivile Opfer und Bodentruppen möglich ist. Vielleicht ist sie sogar die einzige Chance, die wir haben. Der Militäreinsatz in Venezuela, bei dem der autoritäre Machthaber Nicolás Maduro entführt wurde, führte allerdings auch nicht zum Regimewechsel.

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Das stimmt. Aber wir sehen zumindest die Chance zur Demokratisierung: Politische Gefangene kommen frei, Menschen organisieren sich wieder und gehen auf die Straße. Über Jahrzehnte haben wir alles Mögliche für ein freies Kuba versucht – nichts hat funktioniert. Inzwischen leben die Menschen über Stunden und Tage ohne Strom und Gas, es fehlt ihnen an Essen, Medikamenten und medizinischer Versorgung. Die Angst vor einem Angriff und vor dem Tod nimmt vor diesem Hintergrund ab, denn Angst vor dem Tod ist ohnehin da.

In Venezuela gibt es eine relativ geeinte Opposition mit einem bekannten Gesicht, Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado. Dazu eine Zivilgesellschaft und gesellschaftliche Strukturen. Hat Kuba das auch?

Venezuela hat tatsächlich eine andere Ausgangslage. Dort hat das Regime nie einen Einparteienstaat ausgerufen, es gab immer – wenn auch unterdrückte – gut organisierte Oppositionsparteien. Das erklärt auch, warum es in Kuba ohne internationale Intervention kaum einen Wandel geben kann. Aber es gibt viele Regimekritiker im In- und Ausland, die dann sofort aktiv werden könnten.

Die allermeisten von uns wünschen sich dasselbe: ein freies Kuba. Und viele wollen zurückkehren, wenn es soweit ist.

Sie haben jahrelang aus Kuba Oppositionsarbeit geleistet und wurden dafür mehrfach inhaftiert. Im Oktober 2025 haben Sie schließlich einer Ausreise nach Miami zugestimmt. Dort gibt es eine große, besonders regimekritische und zugleich Trump-freundliche Exilcommunity. Wie haben Sie die Stadt wahrgenommen?

Ich bin sehr warmherzig empfangen worden. Gerade das Stadtviertel Little Havana ist wirklich ein besonderer Ort: Die Straßen sind voller kubanischer Flaggen, es riecht nach unserem Essen, auf Märkten werden unsere Produkte verkauft. Es fühlt sich ein wenig an wie Kuba, aber ein Kuba mit Wohlstand und Freiheit.

Gerade anfangs plagte mich deshalb häufig ein schlechtes Gewissen: Ich kann jetzt ohne Stromausfälle leben, mein Kühlschrank ist voll, ich habe fließend Wasser. Ich kann schlafen gehen, ohne zu befürchten, dass mich nachts jemand überfällt oder die Polizei mich festnimmt. Währenddessen leiden die Menschen in meiner Heimat weiter. In Kuba leben viele Menschen inzwischen weitgehend ohne Strom. Es fehlt an Essen, Treibstoff und Medikamenten.

Entsprechend unterschiedlich sind die Erfahrungen der Menschen in Florida: Manche wurden auf Kuba geboren, andere in den USA. Manche sind seit fünf Jahren hier, andere seit 50. Gibt es keine Konflikte zwischen diesen unterschiedlichen „Generationen“?

Natürlich gibt es unterschiedliche Perspektiven auf unsere Heimat. Unter den Exilkubanern der ersten Stunde gibt es viele, die eine starke ideologische Überzeugung haben, die politisch rechts und antikommunistisch sind. Das nehme ich bei den „Jüngeren“ so nicht wahr.

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Und natürlich existiert auch eine kleine Minderheit, die das Regime weiterhin unterstützt. Zugleich bewegt das Thema nicht jeden gleich stark. Unter den Älteren gibt es welche, die mit ihrer Vergangenheit und der Insel abgeschlossen haben. Unter denen, die erst in den vergangenen Jahren auswanderten, wollen sich viele jetzt ein neues, besseres Leben aufbauen und von Politik nichts wissen.

Ich bin in den vergangenen Monaten durch Florida gereist und habe mit vielen Exilkubanern gesprochen. Mein Eindruck war: Es herrscht ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Viele haben weiterhin Familie im Land und wissen, wie die Realität dort aussieht. Die allermeisten von uns wünschen sich dasselbe: ein freies Kuba. Und viele möchten zurückkehren, wenn es soweit ist.

In Trumps Regierung sitzt ein Mann mit kubanischen Wurzeln, der selbst in dieser Exilcommunity aufgewachsen ist: Außenminister Marco Rubio. Wie blicken Sie auf ihn?

Wir Kubaner wissen: Wenn Trump über das baldige Ende des Regimes spricht, dann steht hinter diesen Aussagen Marco Rubio. Er ist der intellektuelle Autor der US-Außenpolitik in Lateinamerika, ihm hat Trump den Großteil seiner Beliebtheit bei den Exilkubanern zu verdanken. Für viele von uns ist Rubio ein Held.

Dabei steht er als Teil der Trump-Regierung auch für die brutale Migrationspolitik, die sich besonders gegen Latinos richtet.

Ich bin klar gegen diese Migrationspolitik, das Vorgehen der Behörden und die Abschiebung von Menschen, denen in ihrer Heimat politische Verfolgung droht. Wie mir geht es vielen. Teil der Wahrheit ist aber auch, dass Kubas Freiheit für uns schwerer wiegt. Wenn die USA tatsächlich einen Regimewechsel in Kuba provozieren können, dürfen sie mich gerne dorthin abschieben.