Warum Marine Le Pen über Kylian Mbappé schimpft: Frankreichs Rechte und die Nationalelf
Le Pen vs. Mbappé: Spannung zwischen Rechten und Nationalelf

Es ist ein zeitlicher Zufall, dass Les Bleus am französischen Nationalfeiertag im WM-Halbfinale gegen Spanien antreten. An diesem Tag feiert das Land den Beginn der Französischen Revolution und die Werte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Doch die Beziehung zwischen der rechtsextremen Politikerin Marine Le Pen und der ethnisch vielfältigen Nationalmannschaft ist angespannt.

Le Pens Kritik an Mbappé

Marine Le Pen, Vorsitzende des Rassemblement National, hat sich mehrfach kritisch über Kylian Mbappé geäußert. Der Stürmer, der für seine Tore und seine Herkunft aus einer Einwandererfamilie bekannt ist, wird von Le Pen als Symbol einer „ethnischen Diversität“ gesehen, die sie ablehnt. In einer Rede im Jahr 2022 warf sie Mbappé vor, sich zu politisch zu äußern und „die Einheit Frankreichs zu gefährden“. Laut einem Bericht des Tagesspiegels vom 14. Juli 2024 bleibt die Kritik zwar nicht mehr offen rassistisch, aber die Spannungen sind offensichtlich.

Die Nationalmannschaft als Spiegel der Gesellschaft

Die französische Nationalmannschaft, die bei der Weltmeisterschaft 2018 und 2022 erfolgreich war, besteht zu einem großen Teil aus Spielern mit afrikanischen Wurzeln. Dies spiegelt die multikulturelle Realität Frankreichs wider, wird aber von Rechtsextremen als Bedrohung der nationalen Identität gesehen. Laut einer Umfrage des Instituts Ipsos aus dem Jahr 2023 stimmen 42 Prozent der Franzosen der Aussage zu, dass die Nationalmannschaft „zu wenig französisch“ sei. Le Pen nutzt diese Stimmung, um ihre Politik zu legitimieren.

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Historischer Kontext: Von Jean-Marie zu Marine Le Pen

Schon Jean-Marie Le Pen, Maries Vater und Gründer des Front National, attackierte die Nationalmannschaft. So bezeichnete er 1996 die Spieler als „ausländische Söldner“. Marine Le Pen hat diesen Ton abgemildert, aber die grundsätzliche Ablehnung bleibt. Sie fordert, dass die Nationalhymne vor Spielen von den Spielern mitgesungen wird, und kritisiert, wenn Spieler wie Mbappé sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen.

Auswirkungen auf die Gesellschaft

Die Kontroverse um Mbappé und Le Pen zeigt die tiefen Gräben in der französischen Gesellschaft. Während die Nationalmannschaft für viele ein Symbol der Integration ist, sehen Rechtsextreme sie als Bedrohung. Der Soziologe Nicolas Bancel von der Universität Aix-Marseille erklärte gegenüber dem Tagesspiegel: „Die Nationalmannschaft ist ein Spiegel der französischen Gesellschaft, und die Kritik von Le Pen ist ein Versuch, diese Vielfalt zu delegitimieren.“

Zukunft der Debatte

Mit der anstehenden Europawahl 2024 könnte das Thema weiter an Bedeutung gewinnen. Le Pen plant, die Identitätspolitik in den Wahlkampf einzubringen. Ob die Nationalmannschaft erneut zum politischen Spielball wird, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die Auseinandersetzung um Mbappé und die Nationalelf die französische Politik noch länger beschäftigen wird.

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