Münchner Sicherheitskonferenz: Kann Merz als großer Europäer überzeugen?
MSC: Merz als großer Europäer?

Münchner Sicherheitskonferenz: Merz vor der europäischen Bewährungsprobe

Ein angefressener Elefant als Symbol für eine bröckelnde Weltordnung – dieses mehrdeutige Motiv hat die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) für ihr diesjähriges Treffen gewählt. Das Bild könnte sowohl für den sich im Zerstörungsprozess befindlichen Zustand der internationalen Beziehungen stehen als auch für den Elefanten im Porzellanladen: den US-Präsidenten, der mit konventionellen Regeln bricht.

Trump als unsichtbarer Gast

Donald Trump wird zwar nicht persönlich an der Konferenz teilnehmen, die an diesem Freitag beginnt, doch er wird gewissermaßen als „Elefant im Raum“ präsent sein. Mit Spannung erwarten europäische Delegierte die für Samstagfrüh geplante Rede des ranghöchsten US-Vertreters. Die disruptiven Äußerungen von US-Vizepräsident JD Vance aus dem Vorjahr hallen noch immer nach.

US-Außenminister Marco Rubio, der die amerikanische Delegation anführt, wird bei der MSC sicherlich diplomatischere Worte finden. Der erfahrene Senator ist mit dem Münchner Parkett vertraut und steht europäischen Werten näher als Trump oder Vance. Doch weder Rubios Rede noch das idealistische Plädoyer der New Yorker Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez werden die Realität der Trump-Regierung verändern.

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Europas Stimme muss erklingen

Entscheidender für die Zukunft Europas wird sein, ob die europäischen Vertreter mit einer Stimme sprechen können. Bundeskanzler Friedrich Merz, der die Konferenz am Freitagmittag eröffnet, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat sich durch wiederholte Alleingänge diskreditiert, etwa durch seinen unkoordinierten Vorschlag, Russland zu einem G7-Treffen einzuladen.

Zu einem Zeitpunkt, an dem Europa auf die Probe gestellt wird, kann Merz mit seiner Eröffnungsrede nicht nur den Ton für die Konferenz, sondern für die europäische Politik insgesamt setzen. Führung bedeutet in entscheidenden Momenten manchmal, auf die Ausübung eigener Macht zu verzichten.

Ein historisches Signal wäre möglich

Ein kraftvolles Signal in diesem Sinne wäre die Ankündigung, dass Deutschland in der EU künftig sein Vetorecht nicht mehr ausüben wird. Der europäische Entscheidungsprozess wird immer wieder durch Vetos einzelner Mitgliedstaaten blockiert. Deutschland wirbt seit Langem für das Mehrheitsprinzip, doch vor allem kleinere Staaten sind bisher skeptisch.

Ein einseitiger Verzicht Deutschlands als größtem und wirtschaftsstärkstem EU-Mitglied wäre ein beispielloser Akt europäischer Führung. Durch einen solchen Schritt könnte Merz nicht nur das innereuropäische Vertrauen stärken, sondern auch eine machtvolle Botschaft in die Welt senden.

Europas Stärken demonstrieren

Europa wird oft kritisiert: als militärisch zu fragmentiert, politisch zu gespalten und strategisch zu abhängig. Doch Europa verfügt über entscheidende Kompetenzen: die Fähigkeit zu Dialog, Vernetzung, Zusammenarbeit und Koordination. Dass die Welt zur MSC nach München kommt, ist weder Zufall noch Nostalgie. Die Konferenz steht genau für diese europäischen Qualitäten.

Die Münchner Sicherheitskonferenz ist ein Ort vieler Reden. Die meisten verhallen, doch manche schreiben Geschichte. Mit seinem ersten Auftritt als Bundeskanzler bei der MSC hat Merz die Chance, genau das zu tun. Er kann zeigen, dass er ein Regierungschef ist, der Allianzen schmiedet statt zerbricht, der den Dialog sucht und Dissens annimmt statt abstraft.

Seine Aufgabe besteht darin, den von ihm formulierten Führungsanspruch in Europa mit Leben zu füllen und zu beweisen, dass er das Zeug zum großen Europäer hat. Die Augen der internationalen Gemeinschaft sind auf München gerichtet – und besonders auf den deutschen Bundeskanzler.

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