Polen kündigt erste Manöver der „Koalition der Willigen“ für Herbst an
Polen kündigt Manöver der „Koalition der Willigen“ an

Polen wird im Herbst 2026 die ersten Militärmanöver der sogenannten „Koalition der Willigen“ ausrichten. Dies gab der polnische Ministerpräsident Donald Tusk in Paris bekannt, nachdem die Staatengruppe am Vortag in der französischen Hauptstadt getagt hatte. Tusk nannte Truppen aus Frankreich und Großbritannien als internationale Teilnehmer; die polnischen Streitkräfte seien sowohl Teilnehmer als auch Gastgeber. Die Manöver sollen die Koalition auf „konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine, aber auch für die Region vorbereiten“, sagte Tusk der Nachrichtenagentur PAP zufolge. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Montag erstmals von gemeinsamen Übungen gesprochen.

Hintergrund der Koalition der Willigen

Die Koalition der Willigen plant eine multinationale, von Europa geführte und von den USA unterstützte Truppe. Sie soll nach einem Ende des russischen Angriffskrieges helfen, die Sicherheit der Ukraine zu gewährleisten. Die Bemühungen um ein Kriegsende sind jedoch seit Monaten festgefahren. Macron erklärte nach Beratungen mit Bundeskanzler Friedrich Merz, dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem britischen Premierminister Keir Starmer, die Übungen sollten zeigen, „dass wir bereit, entschlossen und glaubwürdig sind – zu Land, in der Luft und zur See“. Die Koalition verfüge nun über eine multinationale Truppe für die Ukraine, die einsatzbereit sei, so Macron.

Russland greift Kiew und andere Städte an

Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew mit Raketen angegriffen. Nach Angaben von Behördenvertretern wurden Brände in mehreren Stadtteilen ausgelöst. Im Bezirk Holosiivskyi stehen zwei Lagerhallen in Flammen. Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge brennen zudem Autos, nachdem Drohnenteile in einem östlichen Vorort niedergegangen sind. Opfer wurden aus der Hauptstadt zunächst nicht gemeldet. Auch andere Städte waren Ziele der Angriffe. In Saporischschja wurden bei einem Drohnenangriff den Rettungsdiensten zufolge elf Menschen verletzt. In der Region Charkiw gab es nach Angaben des Gouverneurs sechs Verletzte. Eine russische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.

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Drohnentrümmer lösen Brände in russischen Ölraffinerien aus

In der südrussischen Region Krasnodar haben herabstürzende Drohnentrümmer nach Angaben der örtlichen Rettungsdienste einen Brand in einer Ölraffinerie ausgelöst. Die Trümmer beschädigten demnach auch mehrere Privathäuser, einen Wohnblock sowie ein Gebäude an einem Bahnübergang. Eine Person wurde verletzt. Zudem attackierte die Ukraine eine Raffinerie in der russischen Teilrepublik Baschkortostan nahe des Uralgebirges. Republikchef Radij Chabirow bestätigte bei Telegram eine massive Attacke auf das Industriegebiet in Salawat. „Es gibt einige Rauchherde, die durch das Herabstürzen von Drohnentrümmern hervorgerufen wurden“, schrieb er. Tote und Verletzte gab es seinen Angaben nach nicht. Salawat liegt mehr als 1.400 Kilometer von der Front entfernt. Die zum Ölkonzern Gazpromneft gehörende Raffinerie hat eine Verarbeitungskapazität von mehr als sieben Millionen Tonnen Rohöl im Jahr.

EU-Außenminister erzielen keine Einigung zu neuen Russland-Sanktionen

Die EU-Staaten haben bei einem Außenministertreffen in Brüssel keine Einigung auf ein neues großes Paket mit Russland-Sanktionen erzielen können. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte im Anschluss an die Beratungen, sie bedauere dies. Man sei aber „recht nah“ an einer Verständigung. Vertreter der EU-Mitgliedstaaten beraten bereits seit Wochen über Vorschläge der Kommission für neue Strafmaßnahmen gegen Russland. Die Pläne sehen unter anderem weitere Maßnahmen gegen den russischen Finanz- und Energiesektor sowie ein Einreiseverbot für russische Soldaten vor. Um Russlands Einnahmen aus Ölexporten zu begrenzen, ist geplant, die turnusmäßige Anpassung der Ölpreisobergrenze vorerst auszusetzen.

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Weitere Entwicklungen im Ukraine-Konflikt

Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU meldete erneute Angriffe auf Anlagen der russischen Öl-Infrastruktur. In der Nacht seien ein Öllager in der südrussischen Kaukasus-Region Stawropol sowie drei Lagertanks an einer Ölverladestelle im Hafen Kawkas in der südlichen Schwarzmeer-Region Krasnodar getroffen worden. Zudem habe die Ukraine zwei russische Patrouillenboote im Schwarzen Meer sowie Autofähren in Kertsch und im Hafen Kawkas attackiert. Der russische Gouverneur von Stawropol bestätigte einen Angriff auf eine Industrieanlage, machte jedoch keine Angaben zum genauen Ziel. Die verstärkten Angriffe der Ukraine auf die russische Ölindustrie haben in Russland zu massiven Treibstoffengpässen geführt.

Ukrainische Drohnen haben nach Angaben des Militärs 15 russische Schiffe im Asowschen Meer getroffen, darunter sieben Tanker. Der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, teilte über Telegram mit, damit steige die Gesamtzahl der in den vergangenen acht Tagen getroffenen Schiffe auf 105. Wegen zunehmender ukrainischer Angriffe im Asowschen Meer erwägt Russland eine Umleitung seiner Frachttransporte. Das Verkehrsministerium in Moskau teilte mit, Güter von Frachtschiffen könnten auf andere Verkehrsmittel und Routen verlagert werden. Das Landwirtschaftsministerium betonte, die verstärkten Angriffe auf Frachter würden weder die russischen Exportkapazitäten noch die Versorgung des heimischen Lebensmittelmarktes beeinträchtigen.

Diplomatische Maßnahmen und Raketenabwehr-Koalition

Das Auswärtige Amt bestellte den russischen Botschafter in Berlin ein, um gegen Cyberangriffe zu protestieren. „Cyberangriffe gegen (Deutschland), EU-Partner und die (Ukraine) sind inakzeptabel“, teilte das Ministerium auf der Plattform X mit. „Wir beantworten sie entschlossen, auch mit zusätzlichen Sanktionen.“ Die EU bringe dafür entsprechende Maßnahmen auf den Weg. Außenminister Johann Wadephul hält weitere Schritte nicht ausgeschlossen: „Wir nehmen Russlands schädliches Verhalten nicht hin“, sagte der CDU-Politiker in Brüssel. „Russlands Geheimdienst FSB hat Angriffe gegen Deutschland, die Ukraine und viele weitere EU-Partner zu verantworten.“

Deutschland, Frankreich, Großbritannien und sechs weitere europäische Staaten vereinbarten mit der Ukraine den Aufbau einer Koalition für eine integrierte Raketenabwehr. Das französische Präsidialamt teilte mit, der Schutz Europas erfordere eine umfassende Architektur zur Raketenabwehr, um künftige Angriffe abzuschrecken und abzuwehren. Die weiteren Unterzeichner sind Dänemark, Italien, die Niederlande, Norwegen, Spanien und Schweden. In einer Mitteilung hieß es: „Unser Ziel ist es, eine gemeinsame Fähigkeit zur Abwehr ballistischer Raketen für Europa aufzubauen.“ Die Koalition will dabei auf die Erfahrungen Kiews im Abwehrkampf gegen Russland zurückgreifen.

Großbritannien verhängte neue Sanktionen gegen Russland und nahm dabei Cyber-Netzwerke ins Visier. Die Regierung in London wirft den Netzwerken vor, Chaos und Spaltung in Europa säen zu wollen. Die Maßnahmen richten sich gegen 24 Personen und Organisationen, die hinter „destruktiven Cyber- und Hybridoperationen“ stehen sollen. Frankreich kündigte an, den russischen Botschafter in Paris einzubestellen und Sanktionen gegen neun russische Personen und vier Organisationen zu verhängen. Außenminister Jean-Noël Barrot sagte dem Sender BFM TV: „Wir werden heute eine breit angelegte Cyber-Kampagne Russlands öffentlich verurteilen, die auf Sabotage und Spionage gegen ein Dutzend Länder abzielte.“

Humanitäre Lage und militärische Vorfälle

Bei ukrainischen Drohnenangriffen sind nach Angaben der Besatzungsbehörden in den russisch besetzten Gebieten der Ost- und Südukraine mindestens sieben Zivilisten getötet und 18 weitere verletzt worden. Der Großteil der Angriffe galt demnach Lastkraftwagen und Autos. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. In der von Russland kontrollierten Stadt Enerhodar wurden bei einem ukrainischen Drohnenangriff vier Menschen getötet und vier verletzt, wie der Chef des russischen Atomkonzerns Rosatom, Alexej Lichatschow, mitteilte. In Enerhodar liegt das Atomkraftwerk Saporischschja.

Der ukrainische Agrarkonzern Kernel stellte den Betrieb seiner Hafenanlagen in Tschornomorsk am Schwarzen Meer nach schweren Beschädigungen durch russische Raketen- und Drohnenangriffe ein. Bei den Angriffen von Freitag bis Sonntag seien Lager- und Umschlagsanlagen unter anderem für Getreide und Sonnenblumenöl beschädigt worden. Wann der Betrieb wieder aufgenommen werden könne, sei unklar. Das russische Verteidigungsministerium erklärte hingegen, die Angriffe hätten Infrastruktur gegolten, die für Militärgüter der ukrainischen Streitkräfte genutzt werde.

In der Ukraine soll ein ranghoher Ex-Offizier Soldaten seiner Einheit zur Entführung und Ermordung zweier Zivilisten angestiftet haben. Der ehemalige Kommandeur der 155. mechanisierten Brigade wurde in Kiew festgenommen, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj auf dem Portal X mitteilte. Bislang gebe es in dem Fall zehn Festnahmen. Die Opfer stammten aus dem Ort Kalyniwka bei Kiew, der Offizier hatte privat Streit mit ihnen. Sie wurden entführt und im Gebiet Poltawa getötet. Selenskyj schrieb: „Dieser Fall geht über einen einzelnen Ort oder die Region Kiew hinaus. Es ist für das ganze Land wichtig, die vollständige Wahrheit herauszufinden und alle Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“

Energie und Wirtschaft

Die Europäische Union hat im ersten Halbjahr 2026 so viel Flüssiggas (LNG) aus dem russischen Yamal-Projekt gekauft wie nie zuvor. Die „Financial Times“ berichtete unter Berufung auf Daten des Analyseunternehmens Kpler, dass sich die EU-Importe aus der von Novatek kontrollierten Anlage auf rund 9,89 Millionen Tonnen beliefen – ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit hat Europa nahezu die gesamte Produktion der sibirischen Anlage abgenommen, und das nur wenige Monate bevor ein EU-Importverbot für russisches Gas in Kraft tritt. Nach Schätzungen der Nichtregierungsorganisation Urgewald könnten die Lieferungen die europäischen Abnehmer bis zu 6 Milliarden Euro gekostet haben. Hauptabnehmerländer waren Frankreich (3,6 Mio. Tonnen), Belgien (2,9 Mio. Tonnen) und Spanien (2,7 Mio. Tonnen).

Deutschland finanziert Insidern zufolge die Anschaffung von 50.000 Kampfdrohnen für die Ukraine. Der Auftrag hat einen Wert von rund 90 Millionen Euro, wie der Chef des US-Rüstungssoftwareunternehmens Auterion, Lorenz Meier, der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte. Die Drohnen des ukrainischen Herstellers SkyFall sind mit einer Software von Auterion zur automatischen Zielverfolgung ausgestattet. SkyFall bestätigte die Beteiligung Deutschlands, äußerte sich jedoch nicht zu Details. Das Bundesverteidigungsministerium und das ukrainische Verteidigungsministerium lehnten eine Stellungnahme ab.