Familienmitglieder von fünf Todesopfern der Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF) begrüßen die Initiative des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU), ein zentrales Denkmal für die Ermordeten zu errichten. Das berichtet die „Bild“-Zeitung. Der Vorschlag sei „selbstverständlich“ und „längst geboten“, sagte Corinna Ponto, Tochter des ermordeten Dresdner-Bank-Chefs Jürgen Ponto. „Nicht allein um des persönlichen Gedenkens willen, sondern vor allem als Mahnmal dieser Jahre in der Geschichte.“
Jörg Schleyer: „Es wird höchste Zeit“
Jörg Schleyer, dessen Vater Hanns Martin Schleyer von RAF-Mitgliedern ermordet wurde, sagte der „Bild“: „Es wird höchste Zeit, dass die Opfer des RAF-Terrors ein zentrales Denkmal erhalten – spätestens zum 50. Jahrestag des Deutschen Herbstes im nächsten Jahr.“ Als Deutscher Herbst wird die Phase heftiger RAF-Gewalt im Jahr 1977 bezeichnet. Schleyer zufolge solle das Mahnmal in Berlin stehen. Die Toten seien „Märtyrer der Bundesrepublik“, deren Opfer „niemals vergessen werden“ dürften.
Herrmann: Familien haben Gedenkort verdient
Auch Monika Schumann und Clais von Mirbach betonten die Aufgabe des Staats, an ihre Angehörigen zu erinnern. Schumann ist die Witwe des Piloten Jürgen Schumann, der bei der Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ ums Leben kam. Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation PFLP wollten damit RAF-Terroristen freipressen. Mirbachs Vater Andreas Baron von Mirbach war Verteidigungsattaché und wurde 1975 beim Überfall auf die deutsche Botschaft in Stockholm getötet.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte mit Blick auf den RAF-Terror gemahnt, dass „dieses dunkle, blutige Kapitel der deutschen Geschichte“ noch nicht fertig aufgearbeitet sei. Es gebe keine „historische Würdigung der Opfer durch einen Ort der Trauer und des Gedenkens“. Die Opfer und ihre Angehörigen hätten ein zentrales Mahnmal verdient.
Michael Buback: Ermittlungen vorantreiben
Wichtig sei laut Herrmann aber auch, die polizeilichen Ermittlungen abzuschließen. Michael Buback, Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, sagte dazu der „Bild“: „Eine Initiative zum ehrenden Gedenken an die Opfer des RAF-Terrors kann ich nur unterstützen. Noch wichtiger erscheint mir allerdings die Klärung aller der RAF zugerechneten Morde.“



