Schloss Meseberg: Unklare Zukunft nach Ende als Gästehaus der Bundesregierung
Schloss Meseberg vor unklarer Zukunft

Das Barockschloss Meseberg in Brandenburg verliert seinen Status als offizielles Gästehaus der Bundesregierung. Ab Februar 2027 läuft der Vertrag mit der Eigentümerin, der Messerschmitt-Stiftung, aus. Bereits im Herbst 2025 hatte Kanzler Friedrich Merz (CDU) die Kabinettsklausur nicht mehr in Meseberg abgehalten, sondern in der Villa Borsig am Tegeler See in Berlin. Die Gesamtkosten für Schloss Meseberg beliefen sich 2025 laut Bundesregierung auf rund 5,3 Millionen Euro: eine Million Euro Bewirtschaftungskosten, 500.000 Euro Personalkosten und 3,8 Millionen Euro Bewachungskosten.

Abschied von einer politischen Bühne

Seit 2007 empfingen Bundeskanzler im Schloss Meseberg hochrangige Staatsgäste. Angela Merkel (CDU) traf dort unter anderem Chinas Regierungschef Wen Jiabao, Russlands Präsident Wladimir Putin und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Macron sagte Merkel 2018 im Asylstreit Unterstützung für eine europäische Lösung zu. Olaf Scholz (SPD) nutzte das Schloss für Treffen mit dem Emir von Katar und den deutsch-französischen Ministerrat. Das Bundeskabinett tagte mehrfach zu Klausuren in Meseberg. Der Ort mit rund 120 Einwohnern liegt etwa 70 Kilometer nördlich von Berlin am Huwenowsee.

Christin Zehmke, Ortsvorsteherin von Meseberg, äußert sich wehmütig: „Besonders in Erinnerung bleiben mir die Besuche hochrangiger Gäste, die Tage des offenen Schlosses und das Gefühl, dass unser kleines Dorf für einige Stunden im Mittelpunkt der internationalen Politik stand. Mit dem Ende der Nutzung als Gästehaus der Bundesregierung verliert Meseberg einen Teil seiner besonderen staatlichen Präsenz und seiner überregionalen Aufmerksamkeit.“

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Wechselvolle Geschichte des Schlosses

Das 1738 errichtete Schloss kaufte 1774 Prinz Heinrich, Bruder Friedrichs II., für seinen Günstling Major Ludwig von Kaphengst. Theodor Fontane schrieb in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ („Die Grafschaft Ruppin“, 1862): „Wie ein Zauberschloss liegt es auch heute noch da.“ 1885 erwarb Carl Robert Lessing, Großneffe von Gotthold Ephraim Lessing, das Schloss. Die Witwe seines Sohnes musste das Anwesen Anfang der 1930er-Jahre aus finanzieller Not verkaufen. In der NS-Zeit wurde es einem Wehrmachtsoffizier überlassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Herberge für Umsiedler und Flüchtlinge, in der DDR als Kindergarten, Klassenräume und Lebensmittelladen. Nach der Wiedervereinigung fiel es an das Land Brandenburg. 1995 kaufte die Messerschmitt-Stiftung das verfallene Anwesen und sanierte es für 25 Millionen Euro. Die Bundesregierung mietete es zum Symbolpreis von einem Euro pro Jahr.

Gründe für den Vertragsauslauf

Eine Regierungssprecherin erklärt: „Künftig sollen hochrangige Veranstaltungsformate an verschiedenen, dem Anlass angemessenen Veranstaltungsorten oder auch in dem voraussichtlich 2028 fertiggestellten Veranstaltungsbereich im Erweiterungsbau des Bundeskanzleramtes durchgeführt werden.“ Die Kosten für einmalige externe Anmietungen lägen deutlich unter den Gesamtkosten von Schloss Meseberg pro Jahr. Im Februar 2025 gab die Bundesregierung zudem die zurückgegangene Nutzung und die Entfernung zu Berlin als Gründe an. Eine künftige Unterstützung des Schlosses ist laut Sprecherin nicht geplant.

Hoffnung auf eine Zukunftsperspektive

Nico Zehmke, Amtsdirektor von Gransee, hofft auf eine neue Nutzung: „Die Initiative für eine neue Nutzungsperspektive muss jedoch von der Bundesregierung und der Eigentümerin ausgehen. Bisher haben sich keine Gespräche ergeben. Ich hoffe dennoch, dass sich die Verantwortlichen ihrer Verantwortung für diesen kulturhistorisch bedeutenden Ort bewusst werden und gemeinsam mit der Messerschmitt-Stiftung eine langfristig tragfähige Perspektive entwickeln.“

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Auch der benachbarte Hotelbetrieb „Schlosswirt Meseberg“ hat eine ungewisse Zukunft. Inhaber Bert Groche sagt: „Der einzige Grund vor 20 Jahren für uns, sich auf das Unterfangen Meseberg einzulassen, war die Nutzung des Schlosses als Gästehaus. Da unser Vertrag dieses Jahr ausläuft, gab es unter diesen Voraussetzungen keinen Grund, diesen zu verlängern.“ Er hofft, dass sich für Schloss und Schlosswirt bald Nachnutzer finden – „vielleicht auch mit Unterstützung der Landesregierung. Der Werbefaktor für Brandenburg durch damalige Staatsbesuche aus der ganzen Welt war schon exklusiv.“ Die Brandenburger Landesregierung sieht sich indes nicht aufgerufen, sich um die Immobilie zu bemühen, und verweist auf den Eigentümer.