Neuer Juryvorsitzender stellt sich hinter umstrittene Reform
Der Moderator und Schriftsteller Jörg Thadeusz hat den Vorsitz der Jury für den Deutschen Verlagspreis übernommen. In einem Interview mit dem SPIEGEL verteidigte er die umstrittene Änderung des Vergabeverfahrens durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Thadeusz kritisierte die Reaktionen auf die Reform scharf: „Leute fühlen sich auf den Schlips getreten, weil Wolfram Weimer irgendwelchen Zausel-Buchhandlungen kein Geld zubilligt.“
Kritik an der bisherigen Praxis
Thadeusz warf dem Kulturbereich vor, „wahnsinnig verlogen“ zu sein. Er betonte, dass die Reform notwendig sei, um den Preis gerechter zu verteilen und nicht nur etablierte Verlage zu fördern. Weimer hatte die Kriterien für die Vergabe geändert, was bei vielen kleineren Buchhandlungen auf Unmut stieß. Diese fühlen sich benachteiligt, da sie nun weniger Chancen auf Förderung haben.
Reaktionen und Auswirkungen
Die Änderung sieht vor, dass künftig nicht mehr die Anzahl der Titel, sondern die Qualität des Verlagsprogramms und die kulturelle Bedeutung stärker gewichtet werden. Thadeusz argumentierte, dass dies zu einer besseren Auswahl führe. Er verwies darauf, dass der Preis bereits seit Jahren von einer kleinen Gruppe von Verlagen dominiert werde. „Es ist an der Zeit, dass wir auch unabhängige und innovative Verlage stärker berücksichtigen“, sagte er.
Zukunft des Verlagspreises
Thadeusz kündigte an, die Arbeit der Jury transparent gestalten zu wollen. Er hoffe, dass die Reform langfristig zu einer breiteren Anerkennung des Preises führe. Die Debatte um die Änderung zeigt jedoch, wie sensibel das Thema Förderung im Kulturbereich ist. Viele befürchten, dass die neuen Kriterien zu subjektiv seien und die Vielfalt der Verlagslandschaft einschränken könnten.



