Trump kündigt erneute Seeblockade gegen Iran an
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran eskaliert erneut: US-Präsident Donald Trump hat die Wiederaufnahme der Seeblockade gegen Schiffe angekündigt, die iranische Häfen ansteuern oder von dort abfahren. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte er, dass allen anderen Ländern ein „fairer und offener“ Zugang zur Straße von Hormus möglich sein solle. Die Blockade soll laut dem Joint Maritime Information Center (JMIC) am 14. Juli um 22.00 Uhr MESZ in Kraft treten und gilt für jeglichen Schiffsverkehr unabhängig von der Flagge, einschließlich aller iranischen Häfen und Ölterminals.
20-Prozent-Gebühr auf Frachten geplant
Zur Finanzierung der Sicherungsmaßnahmen will Trump eine Entschädigung in Höhe von 20 Prozent auf alle durch die Straße von Hormus transportierten Frachten erheben. „Wir werden die Meerenge behalten und sie wahrscheinlich kontrollieren“, sagte Trump in einem Telefoninterview mit Fox News. Die USA würden zum „Schutzengel der Meerenge“ werden, verlangten aber eine finanzielle Entschädigung. Weitere Details zur Umsetzung blieben offen, etwa wer genau für den Beitrag aufkommen soll.
IMO und Reedereien lehnen Gebührenpläne ab
Die UN-Schifffahrtsorganisation IMO wies die Pläne für eine Frachtgebühr zurück. „Für eine solche Abgabe gibt es keine rechtliche Grundlage“, teilte die Organisation mit. Die IMO lehne Passagegebühren für internationale Meerengen strikt ab. Auch die deutschen Reeder kritisierten die Ankündigung scharf. „Kein einzelner Staat sollte den freien Zugang zu einer internationalen Wasserstraße einseitig von Gebühren abhängig machen“, sagte Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR), der „Wirtschaftswoche“. „Das wäre rechtlich auch nicht zulässig.“ Kröger warnte vor einem Präzedenzfall: „Heute geht es um die Straße von Hormus, morgen um die Straße von Malakka, übermorgen um die nächste internationale Meerenge. Wo soll das enden?“
Iranische Revolutionsgarden schließen Meerenge
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten kurz zuvor bekanntgegeben, dass die Meerenge bis auf Weiteres und bis zum Ende der US-Eingriffe in der Region geschlossen bleibe. Die Durchfahrt sei verboten. Das US-Regionalkommando Centcom erklärte dagegen auf X, die Meerenge bleibe eine internationale Wasserstraße, die der Iran nicht kontrolliere. Kröger bestätigte, dass die Wasserstraße nicht vollständig militärisch abgeriegelt sei: „Unter hohem Sicherheitsaufwand und in enger Abstimmung mit den Marinen vor Ort finden weiterhin einzelne Passagen statt – allerdings auf deutlich reduziertem Niveau und unter erheblich erhöhtem Risiko.“ Viele Reedereien warteten die weitere Entwicklung ab.
Ölpreis steigt auf Vier-Wochen-Hoch
Die Eskalation treibt die Ölpreise in die Höhe: Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich um bis zu 2,8 Prozent auf 85,64 Dollar. Am Vortag hatte Brent um 9,6 Prozent zugelegt – der größte Tagesgewinn seit Mai 2020. „Die jüngste Eskalation, einschließlich der Wiedereinführung der Blockade durch die USA und der iranischen Reaktionen, hat eindeutig neue Risiken in den Markt gebracht“, sagte Tim Waterer, Chefmarktanalyst von KCM Trade.
Rahmenabkommen vom Juni in Gefahr
Vertreter aus Washington und Teheran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen sollte. Es sah vor, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln, einschließlich der Öffnung der Straße von Hormus. Trotz des Abkommens gibt es seit etwa zwei Wochen wieder kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran, was den Ölpreis weiter steigen ließ.



