Der Krieg in der Ukraine verläuft für Russland weiterhin ungünstig. Aktuelle Analysen des US-amerikanischen Instituts für Kriegsstudien (ISW) belegen, dass die russischen Streitkräfte auch im Mai 2026 weit davon entfernt sind, die ukrainische Front zum Einsturz zu bringen. Stattdessen zeichnet sich ein Bild der Stagnation ab, das Wladimir Putin kaum gefallen dürfte.
Geringe Geländegewinne im Mai
Laut ISW hat die russische Invasionsarmee zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 lediglich etwa 40 Quadratkilometer Land eingenommen. Das entspricht ungefähr einem Fünftel der Fläche Potsdams. Zum Vergleich: Bis April 2026 waren es rund 28 Quadratkilometer. Diese Zahlen wirken bereits wenig beeindruckend, verlieren aber bei genauerer Betrachtung noch mehr an Bedeutung.
Infiltrationen verzerren die Statistik
Die gemeldeten Geländegewinne umfassen nicht nur tatsächlich kontrolliertes Territorium, sondern auch Positionen, die durch sogenannte Infiltrationen entstanden sind. Dabei errichten kleine Trupps russischer Soldaten provisorische Stellungen nahe ukrainischer Linien, ohne die dauerhafte Kontrolle über das Gebiet zu erlangen. Betrachtet man ausschließlich das von Russland kontrollierte Land, ergibt sich ein anderes Bild: Bis Ende Mai 2026 gingen laut ISW rund 281 Quadratkilometer verloren, während es Ende April noch 116 Quadratkilometer waren.
Vergleich mit dem Vorjahr
Ein Blick auf den Zeitraum Dezember 2024 bis Mai 2025 zeigt, wie sehr die russische Offensive an Dynamik verloren hat. Damals erzielte Moskau noch Geländegewinne von über 515 Quadratkilometern – allerdings ohne die damals noch kaum genutzte Taktik der Infiltrationen. Die veränderten Bedingungen durch Kampfdrohnen erschweren zudem die genaue Bestimmung der Frontlinie. Oberst Markus Reisner erklärte im Stern: „Im Gegensatz zu früher haben wir jetzt eine Grauzone, die sogenannte Kill Zone, etwa 50 Kilometer breit. Wer dort wirklich die Vorherrschaft hat, ist unklar.“
Ukrainische Erfolge und russische Verluste
Das ukrainische Militärportal DeepState bestätigt, dass Russland im Mai 2026 per Saldo Gebiete verloren hat. Das ISW urteilt: „Die Ukraine hat die russische Sommeroffensive bisher aufgehalten.“ Anders als in früheren Jahren sei dies nicht auf Wetterbedingungen wie Matsch oder Regen zurückzuführen. Während 2025 die russischen Gewinne im Mai und Juni mit trockeneren Böden zunahmen, blieb dieser Effekt 2026 aus. Die Experten vermuten vielmehr strukturelle Veränderungen: ukrainische Gegenangriffe am Boden, Luftangriffe aus mittlerer Entfernung, die Starlink-Sperre sowie die Einschränkung des Telegram-Zugangs durch den Kreml.
Die Zahlen belegen: Russlands Kriegsmaschinerie stockt, während die Ukraine ihre Verteidigung erfolgreich anpasst. Ob diese Entwicklung anhält, bleibt abzuwarten.



