Bafög-Reform-Debakel: Junge verlieren Glauben ans Gemeinwesen
Bafög-Reform: Junge verlieren Glauben ans Gemeinwesen

Debakel um Bafög-Reform: Junge Menschen verlieren den Glauben ans Gemeinwesen

Man stelle sich ein Theaterstück vor, irgendwo zwischen Burleske und Lokalposse. Die dargestellten Personen befinden sich – neben wenigen jungen Menschen – überwiegend im Herbst ihres Lebens. Die Rahmenhandlung: Während die ältere Generation Tankrabatte, Sondervermögen und Mütterrente mit vollen Händen verteilt, beschimpft sie die jüngere als verweichlicht, faul oder weinerlich. Die Jungen wiederum schauen immer wieder dumm aus der Wäsche, sobald es um ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse geht. Im vorwiegend graumelierten Publikum löst das vergnügtes Juchzen aus. Kommt Ihnen diese Szene bekannt vor?

Gerade erst gab es statt der lange angekündigten und dringend nötigen Bafög-Reform wieder vor allem eines: Geringschätzung für den akademischen Nachwuchs. Die zuständige Ministerin erklärte die Rolle rückwärts beim im Koalitionsvertrag versprochenen Ausbau mit dem kühlen Hinweis, es sei „kein Drama, wenn Studierende jobben“. Schließlich sammle man dabei wertvolle Erfahrungen für Leben und Beruf. Ein „Vollkaskostudium“ werde es ohnehin nicht geben.

Ein Studium zu finanzieren, war immer schwierig

Als hätte es jemals eine Rundumversorgung im Studium gegeben! Spätestens aber in der heutigen Zeit, in der Hochschulen verfallen, Wohnraum unbezahlbar wird und Studienbedingungen schwieriger werden, arbeiten ohnehin zwei Drittel der Studierenden nebenher. Trotzdem wird so getan, als seien Studierende eine verwöhnte Interessengruppe. Es beschädigt das ohnehin zunehmend dysfunktionale Verhältnis zwischen den Generationen, wenn man sich selbst gesellschaftliche Rücksichtnahme gönnt und den Jüngeren gleichzeitig erklärt, Entbehrung sei charakterbildend.

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Eine Ratsuchende sagte kürzlich bei mir in der Studienberatung, sie fühle sich inzwischen belogen. Während der Schule und des Bachelorstudiums habe sie an den Lohn für Fleiß und Leistung geglaubt. Statt auf Stabilität und Perspektive hinzuarbeiten, würden diese Zukunftsversprechen jetzt aber zerfallen, eines nach dem anderen. Warum sollten junge Menschen sich mit einem Gemeinwesen identifizieren, das ihnen ständig erklärt, ihre Anliegen seien überzogen, unrealistisch oder nebensächlich? Es geht längst nicht mehr nur um Geld, sondern auch um die Botschaft, die aus solchen Entscheidungen spricht.

Zurück ins Theater: Ein tragischer Plottwist

Zurück ins Theater, denn das Stück wartet mit einem Plottwist auf. Die Jungen identifizieren sich immer weniger mit den Bedingungen dieser Gesellschaft. Sie chillen lieber, statt sich für ein System aufzureiben, das ihnen kaum noch etwas zurückzugeben scheint. Die Gesellschaft reagiert überrascht, der Vorhang fällt. Kein Drama – eher eine Tragödie. Diese Entwicklung ist nicht nur ein Verlust für die jungen Menschen, sondern ein Verrat an unserer eigenen Zukunft. Die Politik ist gefordert, endlich ernst zu nehmen, was die nächste Generation braucht: verlässliche Unterstützung und echte Perspektiven.

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