Irankrieg: Neue Angriffe trotz Waffenruhe
Viele Deutsche mögen denken, die Spritpreise hätten sich wieder unter zwei Euro eingependelt, doch der Irankrieg ist längst nicht vorbei. Obwohl seit sechs Wochen eine Waffenruhe besteht, meldeten die USA und der Iran neue militärische Aktionen. Das US-Regionalkommando Centcom gab bekannt, am Wochenende Radar- und Drohnenanlagen im Süden Irans angegriffen zu haben, darunter Ziele nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Die Angriffe seien eine Reaktion auf aggressive iranische Handlungen gewesen, insbesondere die Zerstörung einer US-Drohne über internationalen Gewässern. Die iranischen Revolutionswächter erklärten ihrerseits, einen von den USA genutzten Militärstützpunkt attackiert zu haben, ohne Details zum Ort zu nennen. In Kuwait meldete das Militär die Abwehr von Raketen- und Drohnenangriffen, Luftschutzsirenen heulten, die Bevölkerung wurde zur Vorsicht aufgerufen. Kuwait beherbergt US-Truppen, und seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran Ende Februar hatte Teheran wiederholt Ziele in Golfstaaten beschossen.
Israel drang unterdessen so weit in den Libanon vor wie seit 26 Jahren nicht mehr. Premier Benjamin Netanyahu bezeichnete die Einnahme der strategisch wichtigen Burg Beaufort als dramatische Wendung im Kampf gegen die proiranische Hisbollah-Miliz, die die Waffenruhe nicht anerkennt. Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam warf Israel eine Strategie der verbrannten Erde und der Kollektivstrafe vor. US-Präsident Trump hatte noch vor wenigen Tagen getönt, eine Vereinbarung mit dem Iran sei weitgehend ausgehandelt, doch die anhaltenden Kämpfe zeigen ein anderes Bild.
Bafög-Reform: Dorothee Bär sorgt für Empörung
Beinahe hätte man vergessen, wer Bundesforschungsministerin ist, doch Dorothee Bär (CSU) hat sich mit umstrittenen Äußerungen zur Bafög-Reform wieder in Erinnerung gebracht. In einem Interview betonte sie, Studierende seien privilegiert, da sie an öffentlichen Hochschulen keine Studiengebühren zahlen müssten. Nebenjobs seien kein Drama, und die im Koalitionsvertrag vereinbarte Bafög-Reform sei keineswegs sicher. Noch Ende April hatten Forschungspolitiker von SPD und Union eine Einigung verkündet, die unter anderem höhere Wohnkostenpauschalen und eine schrittweise Anhebung des Grundbedarfs vorsieht. Bär verwies jedoch auf Sparzwänge und Kritik aus den Regierungsfraktionen. Das Ministerium hält offiziell am Zeitplan fest, die Reform zum Wintersemester 2026/27 umzusetzen, stellt die gefundene Einigung aber wieder infrage.
Der Studierendenverband fzs sprach von einer Frechheit gegenüber Millionen Studierenden und kündigte Proteste an. Bereits zwei Drittel der Studierenden arbeiten neben dem Studium, die Armutsquote ist hoch. Das Deutsche Studierendenwerk kritisierte Bär ebenfalls und warf ihr fehlenden Bezug zur Lebensrealität vor: Studierende gäben über die Hälfte ihres Einkommens fürs Wohnen aus. Der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer bezeichnete Bärs Äußerungen als skandalös, statt sich auf die Seite der Studierenden zu stellen, wiederhole sie saudumm Klischees.
Wal-Saga: Staatsanwaltschaft Schwerin mit Anzeigen überhäuft
Seit mehr als zwei Wochen ist der vor der deutschen Ostseeküste gestrandete und später ausgesetzte Buckelwal tot. Am 14. Mai wurde er vor der dänischen Insel Anholt aufgefunden. Doch weder er findet seinen Frieden noch die Öffentlichkeit. Schaulustige zerren an ihm herum, Querulanten an den Nerven der Justiz. Die Staatsanwaltschaft Schwerin muss sich mit einer dreistelligen Zahl an Vorgängen mit Walbezug auseinandersetzen – ein bislang einmaliger Fall. Die Eingaben stammen aus ganz Deutschland und umfassen Strafanzeigen, zahlreiche Hinweise und teils kuriose Zuschriften wie Hilfsangebote oder ungewöhnliche Behauptungen.
Inhaltlich reichen die Anzeigen von Vorwürfen der unterlassenen Hilfeleistung während der Phase des Nicht-Eingreifens bis hin zu möglichen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz im Zusammenhang mit späteren Rettungs- und Transportmaßnahmen. Beschuldigt werden Helfer, Behördenvertreter und Politiker wie Umweltminister Till Backhaus und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig – unabhängig von ihrer tatsächlichen Beteiligung. Die Zuständigkeit der Schweriner Staatsanwaltschaft ergibt sich aus dem einstigen Aufenthaltsort des Wals nahe der Insel Poel. Ob sich aus den Vorgängen strafrechtlich relevante Hinweise ergeben, ist bislang unklar; die Auswertung dauert an.
Was heute sonst noch wichtig ist
- Baden-Württemberg führt strengere Rauchverbote ein: In Freibädern, Schulhöfen und Zoos gilt ab sofort ein Rauchverbot, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Es gibt jedoch Ausnahmen.
- Zuwanderung nach Deutschland sinkt deutlich: 2025 wanderten netto nur noch 235.000 Menschen ein, ein Rückgang um fast die Hälfte. Gleichzeitig zieht es immer mehr Deutsche ins Ausland.
- 2G-Abschaltung: Was Autofahrer wissen müssen: Die eCall-Funktion in Neuwagen wird bald nicht mehr über 2G funktionieren. Autofahrer sollten sich informieren, was dann gilt.
Meine Lieblingsgeschichte heute: Anna zeigt Epsteins Helfer an
1986 spricht ein angeblicher Modelscout in Paris die 20-jährige Anna an. Jahrzehnte später liest sie einen SPIEGEL-Artikel über einen Helfer von Jeffrey Epstein – und glaubt, den Mann von damals wiederzuerkennen. Meine Kollegin Alexandra Berlin hat Anna in Paris getroffen. Lesen Sie hier die ganze Geschichte: 40 Jahre schwieg Anna – jetzt zeigt sie Epsteins Helfer an.
Was heute weniger wichtig ist: Tastentrickser in Sydney
Bei einem Livekonzert zum oscarprämierten Filmmusical La La Land in Sydney fiel der Pianist krankheitsbedingt aus. Komponist Justin Hurwitz und seine Orchestermitglieder suchten verzweifelt Ersatz, fanden aber keinen. Also fragte Hurwitz das Publikum, wer sich zutraue, auf die Bühne zu kommen. Sterling Nasa, 21, wurde von seiner Freundin angemeldet und spielte schließlich – und bekam Sonderapplaus.
Mini-Hohlspiegel
Am Eingang eines Hauses in Müllheim im Markgräflerland, in dem sich auch eine Zahnarztpraxis befindet, sorgt ein Schild für Schmunzeln: „Zahnarztpraxis – bitte klingeln“. Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Klaus Stuttmann zeichnet zum Thema: Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Und heute Abend? Mokka-Milch-Eisbar in Berlin
Wenn Sie in Berlin leben, könnten Sie einen Ausflug zur wiedereröffneten DDR-Laden Mokka-Milch-Bar an der Karl-Marx-Allee planen. Denkmalgerecht saniert und jetzt Mokka*Milch genannt, verbindet sie Geschichte mit neuer Nutzung. Trotz Startproblemen gilt sie als seltener städtebaulicher Lichtblick, findet mein Kollege Tobias Rapp. Lesen Sie hier seinen Text. Wenn Sie keine Zeit haben, hören Sie einfach das dazugehörige Lied von Thomas Natschinski & Gruppe aus dem Jahr 1970: „In der Mokka Milch Eisbar hat sie mich gesehn, in der Mokka Milch Eisbar, da ist es geschehn.“
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich, Ihr Janko Tietz, Leiter des SPIEGEL-Nachrichtenressorts.



