Eine besondere Seefahrt fand am Dienstagabend auf dem Tegeler See in Berlin statt: Die traditionelle „Spargelfahrt“ des Seeheimer Kreises, des konservativen Flügels der SPD-Bundestagsfraktion, lockte prominente Gäste an Bord der „Havel Queen“. Mit dabei waren Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59, CSU) und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann (48). Allerdings sorgte Söder gleich zu Beginn für Aufsehen: Er erschien mit 30 Minuten Verspätung, was die Stimmung jedoch nicht trübte.
Heitere Reden und politische Spitzen
In seiner Rede während des Essens, das aus Nienburger Spargel mit Kartoffeln und Schweineschnitzel bestand, zeigte sich Söder in bester Laune. Er scherzte, dass er sich über die Einladung „gewundert, gefreut und geehrt gefühlt zugleich“ habe. Der CSU-Chef erinnerte an eine Begegnung mit den Seeheimern im vergangenen Herbst, als die Abgeordneten zur Fraktionsklausur in München und anschließend auf dem Oktoberfest waren. „Und es gab keine einzige Nachricht über auffälliges Verhalten danach“, witzelte Söder – eine Anspielung auf eine Rauferei zwischen den SPD-Abgeordneten Uwe Schmidt und Esra Limbacher im Käfer-Festzelt, die wochenlang für Gesprächsstoff im Bundestag sorgte. Das Gelächter an Bord war groß.
Ernste Töne vor dem Sozialgipfel
Am Vorabend des Spitzentreffens mit den Sozialpartnern im Kanzleramt fand Söder jedoch auch ernste Worte. Mit Blick auf die anstehenden Sozialreformen betonte er, dass „Millionen Menschen auch mitgenommen werden“ müssten. Die Reformen müssten „einen Grundanspruch von Gerechtigkeit erfüllen“. Er warnte davor, „über die Köpfe und Herzen von Millionen Menschen hinwegzugehen“. Die „kleinen Leute“ müssten sich „in dieser Demokratie bei uns wohlfühlen“. Dabei strich Söder die Nähe zwischen CSU und SPD heraus: „Ich habe keinen Bock, immer nur zu lesen, dass die AfD plötzlich eine Arbeitnehmerpartei sei. Denn: Die Arbeitnehmerparteien, die sitzen hier!“ Dieser Satz ließ SPD-Fraktionschef Lars Klingbeil grinsen, während CDU-General Linnemann verdutzt dreinschaute. Söder hatte zuvor klargestellt: „Wir bei der CSU gelten ja auch immer bei der CDU als ein bisschen verdächtig, weil wir das S im Namen führen, fast ein bisschen so halb sozialdemokratisch sind.“
Kein Schnitzel für Linnemann
Nach der Rede verließ Söder das Schiff vor der Abfahrt, ebenso wie SPD-Fraktionschef Matthias Miersch, der sich in kleiner Runde auf die Reformgespräche vorbereiten musste. Zurück blieb CDU-General Linnemann, der jedoch beim Servieren des Essens leer ausging. Er saß am Ehrentisch zwischen Söder und Klingbeil. Nachdem die beiden Parteichefs mit Schnitzel und Spargel versorgt worden waren, war am Tisch kein Platz mehr für Linnemanns Teller. Bescheiden verzichtete er und begnügte sich während der Seerundfahrt mit einem Bratwurstbrötchen. Eine kuriose Pointe für einen Abend voller politischer Symbolik und lockerer Gespräche auf dem Wasser.



