Güntzler entschuldigt sich bei Merz für nächtlichen Rückzieher
Güntzler entschuldigt sich für Rückzieher bei Merz

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler hat sich erstmals öffentlich zu seinem Rückzieher vom Amt des Bundesverkehrsministers geäußert und dabei einen „großen Fehler“ eingeräumt. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte der 60-Jährige: „Natürlich habe ich den Kanzler mit meinem Vorgehen in Schwierigkeiten gebracht, und das bedaure ich sehr.“ Die Absage hatte Kanzler Friedrich Merz vergangene Woche in heftige Turbulenzen gestürzt.

Hintergrund war die Kabinettsumbildung nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn. Merz trennte sich dabei auch von Verkehrsminister Patrick Schnieder und holte als dessen Nachfolger den Steuer- und Finanzexperten Güntzler von seinem Campingplatz in Zingst nach Berlin. Güntzler wurde per Limousine in die Hauptstadt gebracht und sagte zunächst zu.

Rückzieher um 4 Uhr morgens

Doch in der Nacht zum Freitag, um 4 Uhr, schickte er eine Absage-Nachricht an den Kanzler. Merz hatte die Personalie bereits für 9 Uhr zur Verkündung vorgesehen. Die kurzfristige Absage war umso brisanter, als die BILD exklusiv über Schnieders Rauswurf berichtet hatte. Für Schnieder folgte eine tagelange Hängepartie. Am Sonntag bat er schließlich um seine Entlassung, um den aus seiner Sicht „unwürdigen Zustand“ zu beenden.

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Güntzler räumte in dem Interview ein, dass er die Situation falsch gemanagt hatte. „Ich hätte um Bedenkzeit bitten müssen. Das war ein großer Fehler.“ Er habe in der Nacht schlicht überfordert reagiert: „Die Situation hat mich einfach überfordert. In dem Moment habe ich nicht richtig funktioniert.“ Das ärgere ihn, „weil es meinem Anspruch an mich selbst nicht genügt“.

„Ich habe mit Verkehrspolitik noch nie etwas zu tun gehabt“

Als wesentlichen Grund für die Absage nannte er mangelnde fachliche Nähe zum Ressort. „Ich habe mit Verkehrspolitik noch nie etwas zu tun gehabt“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk. Eine Amtsübernahme wäre aus seiner Sicht unverantwortlich gewesen: „Es wäre für mich nicht vertretbar, dass ich sechs Monate lang nur vom Blatt ablese, was Mitarbeiter des Ministeriums mir aufschreiben, weil ich selbst keine Ahnung von den Themen habe.“

Der CDU-Politiker, der sich im Berliner Bundestag als Steuer- und Finanzexperte einen Namen gemacht hat, wäre mit einem völlig fremden Aufgabenfeld konfrontiert worden. Der Rückzieher wurde in der Hauptstadt mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Merz reagiert „sehr fair und sehr menschlich“

Güntzler lobte ausdrücklich die Reaktion des Kanzlers. Merz sei nicht wütend geworden, das Gespräch sei „äußerst wertschätzend“ gewesen. „Er hat sehr fair und sehr menschlich reagiert“, sagte er. Am Mittwoch entschuldigte er sich am Rande der Fraktionssitzung persönlich bei Merz. Dieser habe vorgeschlagen, dass man sich auf ein Bier treffen solle. Danach sei er „unheimlich erleichtert“ gewesen.

Die Geste des Kanzlers dürfte dazu beigetragen haben, die Wogen zu glätten. Der Vorgang hatte in der Union für erhebliches Aufsehen gesorgt.

Steffen Bilger übernimmt das Verkehrsministerium

Das Verkehrsministerium wird inzwischen von Steffen Bilger geführt. Der 47-Jährige war bisher Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Mit seiner Ernennung hat Merz die Personalie abgeschlossen. Bilger übernimmt das Ressort zu einem Zeitpunkt, an dem die Verkehrspolitik von zahlreichen Herausforderungen geprägt ist.

Der Vorfall um Güntzler wirft ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten, kurzfristig geeignete Personalien für Spitzenämter zu finden. Für Merz war es eine der turbulentesten Wochen seiner Kanzlerschaft. Für Güntzler bleibt die Erkenntnis: „Ich hätte um Bedenkzeit bitten müssen.“

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