CSU-Chef Markus Söder gibt sich derzeit betont staatsmännisch. Bei der Sommeklausur der CSU-Landesgruppe im Kloster Banz in Bad Staffelstein stellte er sich demonstrativ hinter Bundeskanzler Friedrich Merz und dessen jüngste Personalentscheidungen. Söder betonte, die CSU sei in diesen Tagen ein „Stabilitätsanker“ für die gesamte Union.
Lob für Hoffmann und Schutz für Merz
Der Noch-Vorsitzende der Unionsfraktion, Alexander Hoffmann, erhält von Söder ein enthusiastisches Arbeitszeugnis: Dieser leiste „exzellente Arbeit“. Hoffmann wird am Mittwoch von Thorsten Frei als Fraktionschef abgelöst, doch Söder würdigte ihn als Übergangsmanager. Fast zeitgleich zur Vorstellung der neuen CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann in Berlin verteidigte Söder Merz gegen die parteiinterne Kritik am Umgang mit dem geschassten Verkehrsminister Patrick Schnieder. „Alle Personalentscheidungen sind gut und nachvollziehbar“, sagte Söder. Ein Kanzler müsse sein Team auswechseln können, um den Gesamterfolg der Regierung zu sichern. Die CSU sehe dagegen keinen Anlass für Kabinettswechsel: „Unser Personal ist, finde ich, ganz hervorragend.“
Neue Ernsthaftigkeit aus Bayern
Der 59-jährige Ministerpräsident tritt seriöser auf als in der Vergangenheit: Er trägt wieder häufiger Krawatte und verzichtet auf öffentliche Essensposts für seine Instagram-Follower. „Ich bin für einen CSU-Vorsitzenden konstruktiv wie selten“, sagte Söder selbst im ZDF-Sommerinterview. Diese neue Tonlage hat mehrere Gründe. Zum einen bereitet ihm der Höhenflug der AfD Sorgen. In der Regierung sieht er die „letzte Patrone“ der Demokratie – ein Gedanke, den er zwar nicht wiederholte, der ihn aber weiter beschäftigt. Eine zweite Ursache sind die internen Spannungen in der CSU. Die Kommunalwahl in Bayern im Frühjahr brachte mit 35,1 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 1952. Söders erste Reaktion, den Kandidaten die Schuld zu geben, löste Empörung an der Basis aus und zwang ihn zum Zurückrudern.
Rivalen in den eigenen Reihen
Gleichzeitig wächst der Druck auf Söders Führung. Der stellvertretende CSU-Chef und EVP-Fraktionschef Manfred Weber mahnte im Mai, die Partei dürfe nicht dem Mainstream folgen, sondern müsse ihn prägen – eine verdeckte Kritik an Söder. Für den kommenden Parteivorsitz 2026 werden bereits andere Kandidaten gehandelt, darunter Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die bei den CSU-Abgeordneten im Landtag sehr beliebt ist. Söders öffentliche Sympathiebekundung für eine mögliche Kandidatur Aigners als Bundespräsidentin wird von Beobachtern als Versuch gewertet, eine potenzielle Rivalin nach Berlin zu versetzen.
Noch-Vorsitzender Hoffmann nutzte die Gelegenheit, um seinen Amtsvorgänger Jens Spahn zu würdigen: Dieser sei ein „Leistungsträger der Koalition“ und in den Wochen vor der Sommerpause „ein Stabilitätsfaktor“ gewesen. Die CSU will also nicht nur für sich, sondern auch für die gesamte Union Ruhe und Verlässlichkeit demonstrieren – ein Imagewandel, der taktisch und notwendig zugleich erscheint.



