Cartoons der Woche: Merz, Regierungsumbau und Infantino
Cartoons der Woche: Merz, Regierungsumbau und Infantino

Die aktuelle Ausgabe der Cartoons der Woche ist veröffentlicht – mit sieben Zeichnungen von Thomas Plaßmann, Klaus Stuttmann und Leonard Riegel. Die Galerie erschien am 02.08.2026 um 13.46 Uhr und beschäftigt sich mit den wichtigsten politischen Themen der vergangenen sieben Tage. Im Fokus: die Lage von Kanzler Friedrich Merz, die Personalrochade in der Regierung sowie die umstrittenen Investorenpläne von Gianni Infantino.

Das Bild des angezählten Kanzlers

Die Titelformulierung „Der angezählte Kanzler“ verrät bereits die Stoßrichtung: Friedrich Merz wird in den Cartoons in einer defensiven Position gezeigt. Das Bild des angezählten Boxers, der nach einem schweren Treffer kurz davor steht, ausgezählt zu werden, ist in der politischen Ikonografie fest verankert. Es transportiert nicht nur Schwäche, sondern auch die Möglichkeit des Comebacks – sofern der Kämpfer sich rechtzeitig aufrappelt.

Die drei Zeichner setzen diese Metapher auf unterschiedliche Weise um. Mal steht der Kanzler allein im Ring, mal sind die Gegner aus den eigenen Reihen zu sehen. Die Regierungsrochade, also der Umbau des Kabinetts, wird dabei zum zentralen Handlungsort. Genau hier setzt auch die bekannteste Karikatur der Woche an.

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Klopp als Politikberater: eine ungewöhnliche Personalie

Leonard Riegel, der für den SPIEGEL zeichnet, zeigt in seiner Arbeit eine besonders pikante Szene: Kanzler Merz lässt sich bei der Neuaufstellung der Regierung offenbar von Fußballtrainer Jürgen Klopp beraten. Die Bildunterschrift fragt süffisant: „Ließ sich Merz bei der Neuaufstellung von Klopp beraten?“ Diese Anspielung auf den ehemaligen Trainer des FC Liverpool und von Borussia Dortmund ist doppelbödig. Klopp gilt als Meister der Teambildung und Motivation – Eigenschaften, die manchem Spitzenpolitiker abhandengekommen zu sein scheinen.

Die Karikatur spielt mit dem Kontrast zwischen Sport und Politik. Im Fußball ist eine Personalrochade ein alltägliches Mittel, um Mannschaften zu erneuern. In der Politik dagegen sind Kabinettsumbildungen oft von Machtkämpfen und Koalitionsarithmetik geprägt. Dass Merz ausgerechnet bei einem Fußballtrainer Rat sucht, ist eine humoristische Überspitzung, die den Ernst der Lage jedoch nicht verdeckt: Die Regierung steht unter Druck, und die Personalentscheidungen könnten richtungsweisend sein.

Infantinos Investorenpläne: Kritik an der Kommerzialisierung

Ein weiteres Thema, das die Cartoonisten in dieser Woche aufgegriffen haben, sind die Investorenpläne des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Der oberste Fußballfunktionär treibt seit langem Projekte voran, die private Geldgeber stärker in die Finanzierung des Weltfußballs einbinden sollen. Diese Pläne stoßen auf geteiltes Echo: Während einige darin eine Chance sehen, den Fußball in Entwicklungsländern zu fördern, warnen andere vor einem Ausverkauf des Sports.

Die Karikaturen illustrieren diese Kontroverse auf satirische Weise. Sie zeigen Infantino etwa mit prall gefüllten Geldtaschen oder als Dirigenten eines Orchesters aus Investoren. Ohne die konkreten Motive im Einzelnen zu kennen, wird deutlich: Die Cartoonisten üben Kritik an einer zunehmenden Ökonomisierung des Fußballs und den damit verbundenen Machtverschiebungen.

Drei Künstler, sieben Perspektiven

Die Galerie umfasst insgesamt sieben Werke. Thomas Plaßmann und Klaus Stuttmann sind dabei mit mehreren Arbeiten vertreten, Leonard Riegel steuert die erwähnte Zeichnung zur Regierungsrochade bei. Alle drei gehören zu den etablierten Größen der deutschen Cartoon-Szene und veröffentlichen regelmäßig im SPIEGEL. Ihre Stile sind unterschiedlich: Plaßmann bevorzugt klare Linien und markante Gesichter, Stuttmann arbeitet häufig mit präzisen Anspielungen auf aktuelle Debatten, und Riegel überrascht mit unerwarteten Perspektiven und popkulturellen Referenzen.

Die Zusammenstellung der Cartoons der Woche bietet den Leserinnen und Lesern die Möglichkeit, die politische Lage aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Humor dient dabei als Vehikel, um komplexe Sachverhalte zu vereinfachen und zu hinterfragen. Gerade in den Zeiten von Umfragehochs und -tiefs, Koalitionskrisen und Personalentscheidungen schaffen es Cartoons, auf den Punkt zu bringen, was die Öffentlichkeit bewegt.

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Mehr als nur Unterhaltung

Politische Cartoons haben in Deutschland eine lange Tradition. Sie begleiten die Republik seit ihren Anfängen und haben immer wieder für Aufsehen gesorgt, manchmal sogar für diplomatische Verwicklungen. In der heutigen Medienlandschaft, die von Schnelllebigkeit und Informationsüberfluss geprägt ist, bieten sie eine Art Anker: Sie reduzieren Komplexität auf ein Bild, bleiben aber im Gedächtnis.

Die sieben Cartoons dieser Woche sind ein gelungenes Beispiel dafür. Sie kombinieren tagesaktuelle Bezüge mit zeitlosen Motiven – vom Kampf des Einzelnen gegen die Übermacht bis zur Frage, wie viel Kommerz der Sport verkraften kann. Damit liefern sie nicht nur einen Kommentar, sondern auch Gesprächsstoff für das Wochenende.

Wer die vollständige Galerie sehen möchte, findet sie auf der Website des SPIEGEL. Die Bilder lassen sich einzeln vergrößern und über die integrierte Navigation blättern. Wie immer gilt: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – gerade wenn es von Plaßmann, Stuttmann oder Riegel gezeichnet wurde.