Die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier nimmt konkrete Konturen an. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf politische Kreise berichtet, hat Bundeskanzler Friedrich Merz (70) einen neuen Kandidaten aus den Reihen der CDU auf seiner persönlichen Liste für das Amt des Bundespräsidenten. Der Name wird demnach hinter verschlossenen Türen bereits intensiv gehandelt. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht.
Der Termin steht fest: Am 30. Januar 2027 soll die Bundesversammlung zusammentreten, um das Staatsoberhaupt zu wählen. Damit bleiben nur noch sechs Monate, um einen geeigneten Kandidaten zu finden und innerhalb der Koalition abzustimmen. Bislang hat weder die Union noch die SPD einen offiziellen Bewerber benannt. Auch ein Amtsträger wie Frank-Walter Steinmeier selbst hat sich nicht zu einer erneuten Kandidatur geäußert.
Ilse Aigner als mögliche Kandidatin
In den vergangenen Monaten war immer wieder die CSU-Politikerin Ilse Aigner ins Gespräch gebracht worden. Die ehemalige Bundesministerin und heutige Präsidentin des Bayerischen Landtags gilt als überparteilich angesehen und könnte sowohl in der Union als auch bei SPD und Grünen Akzeptanz finden. Doch nun scheint Merz einen weiteren Namen auf dem Zettel zu haben – offenbar einen Mann aus der CDU.
Wer genau gemeint ist, lässt die "Bild"-Zeitung in der neuen Ausgabe offen, verweist aber auf einen Beitrag in ihrem Bezahlangebot BILDplus. Dort soll der Name genannt werden. In den sozialen Netzwerken wird bereits spekuliert, ob es sich um ein bekanntes Gesicht der Bundesregierung, einen Ministerpräsidenten oder einen erfahrenen Parlamentarier handeln könnte.
Das Wahlverfahren: So funktioniert die Bundespräsidentenwahl
Die Wahl des Bundespräsidenten erfolgt nicht direkt durch die Bürger, sondern durch die Bundesversammlung. Dieses Verfassungsorgan setzt sich aus allen Mitgliedern des Bundestages und einer gleich großen Anzahl von Mitgliedern der 16 Landesparlamente zusammen. Insgesamt gehören der Bundesversammlung damit rund 1.500 Personen an. Sie müssen innerhalb von 30 Tagen nach dem Zusammentreten einen Kandidaten wählen.
Gewählt ist, wer im ersten oder zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit der Stimmen erhält. Sollte auch der dritte Wahlgang nötig sein, genügt die relative Mehrheit. Die Entscheidung fällt per geheimer Abstimmung. In der Geschichte der Bundesrepublik wurde das Staatsoberhaupt stets im ersten oder zweiten Wahlgang bestimmt – ein Zeichen für die Bedeutung von Konsens und Koalitionsdisziplin.
Merz' Rolle und der Einfluss der Koalition
Die Tatsache, dass ausgerechnet Friedrich Merz einen Kandidaten ins Spiel bringt, ist bemerkenswert. Der Kanzler hat in der Vergangenheit stets betont, dass die Personalentscheidung für das höchste Staatsamt nicht allein von einer Partei getroffen werden dürfe. In einer Koalition mit der SPD und möglicherweise weiteren Partnern ist für einen Erfolg daher auch die Unterstützung der anderen Regierungsparteien entscheidend.
Sollte Merz tatsächlich einen CDU-Mann bevorzugen, könnte das innerhalb der Koalition für Spannungen sorgen. Die SPD beansprucht traditionell die Zustimmung zu ihrer eigenen Kandidatenliste. Schon bei der Wahl von Frank-Walter Steinmeier 2017 hatte die große Koalition einen Kompromiss gefunden. Ähnliche Verhandlungen werden auch diesmal erwartet, nur dass die Ausgangslage komplexer ist.
Die Bedeutung des Amtes
Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Seine Aufgaben sind vor allem repräsentativer Natur: Er vertritt das Land nach außen, ernennt die Bundesregierung und fertigt Bundesgesetze aus. Darüber hinaus besitzt er das Begnadigungsrecht im Bund. Politische Richtungsentscheidungen trifft er nicht – dennoch genießt das Amt ein hohes Ansehen in der Bevölkerung.
Die Wahl eines neuen Bundespräsidenten wird daher auch als Indikator für die politische Stimmung im Land gewertet. Ein Kandidat, der von breiten Teilen der Gesellschaft getragen wird, kann das Ansehen der Politik insgesamt stärken. Umgekehrt könnte eine parteipolitisch umstrittene Personalie das Vertrauen in die Institutionen schwächen.
Ausblick und offene Fragen
Bis zur Wahl am 30. Januar 2027 bleibt genug Zeit für weitere Spekulationen. Ob der von Merz ins Spiel gebrachte CDU-Mann tatsächlich nominiert wird, hängt von mehreren Faktoren ab: der Zustimmung der Koalitionspartner, der öffentlichen Reaktion und nicht zuletzt der Bereitschaft des Kandidaten selbst. Die "Bild"-Zeitung wird den Namen voraussichtlich noch vor der Wahl publik machen.
Fest steht nur: In sechs Monaten wird Deutschland ein neues Staatsoberhaupt haben. Wer es sein wird, entscheidet sich in geheimer Abstimmung – und möglicherweise erst nach intensiven Verhandlungen hinter den Kulissen. Bis dahin bleibt die Frage nach dem CDU-Mann auf Merz' Zettel eines der spannendsten Themen der Bundespolitik.



