Extremwinter in Warnemünde: Hoteliers und Händler klagen über massive Umsatzeinbußen
Extremwinter in Warnemünde: Massive Umsatzeinbußen

Extremwinter hinterlässt tiefe Spuren im Ostseebad Warnemünde

Minustemperaturen, vereiste Wege und ausbleibende Besucher: Der vergangene Winter hat im Rostocker Ostseebad Warnemünde deutliche wirtschaftliche Narben hinterlassen. Hoteliers und Einzelhändler blicken mit großer Sorge auf die kalte Jahreszeit zurück, die ungewöhnlich lange andauerte und zu massiven Umsatzeinbußen führte.

Leere Geschäfte trotz Ferienzeit

„Es war sehr schlecht. Besonders die ersten beiden Wochen im neuen Jahr“, berichtet ein Ladenbesitzer von der Hafenpromenade am Alten Strom. Trotz Ferienzeit in zahlreichen Bundesländern seien die Kunden einfach ausgeblieben. Die ungewöhnlich tiefen Temperaturen und anhaltenden Schneefälle hätten viele potenzielle Besucher abgeschreckt. Nur wenige Geschäfte wie der Modeladen Canvero konnten von der Situation profitieren, da sich Besucher dort mit Winteraccessoires wie Mützen und Handschuhen eindeckten.

Streusalzverbot sorgt für gefährliche Gehwege

Ein besonderes Ärgernis war das strikte Streusalzverbot aus Umweltschutzgründen. Silke Bahls, stellvertretende Geschäftsleiterin der Bäckerei Junge im Teepott an der Seepromenade, berichtet: „Viele Gäste sind ausgeblieben, weil sie aufgrund der eisigen Wege nicht sicher zu uns herunterkommen konnten.“ Besonders ältere Menschen und Rollstuhlfahrer seien betroffen gewesen. Trotz Beschwerden bei der Stadtverwaltung habe sich nichts geändert. Inzwischen hat die Filiale vorgesorgt und Streusand im Keller eingelagert.

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Politische Forderungen nach mehr Flexibilität

Axel Tolksdorff, Vorsitzender des Ortsbeirats Warnemünde, kritisiert den mangelnden Pragmatismus der Stadtverwaltung. „Ich wünsche mir ein wenig mehr Realitätssinn“, sagt er. In extremen Witterungslagen müsse es Ausnahmen geben. „Warum kann man nicht sagen, dass ausnahmsweise für die nächsten drei Tage Salz gestreut werden darf?“ Diese fehlende Flexibilität habe zu wirtschaftlichen Nachteilen für das gesamte Ostseebad geführt.

Tourismus mit deutlichen Einbrüchen

Frank Martens, Direktor des 4-Sterne-Hotels Warnemünder Hof und Vorsitzender des Tourismusvereins Rostock & Warnemünde, macht die Dimension der Probleme deutlich: „Wir hatten zehn Prozent weniger Zimmerbelegungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.“ Selbst der neue Trend des „Eistourismus“, bei dem Eisschollen zur Attraktion werden, habe nicht geholfen. „Die Gäste, die deshalb kamen, haben schnell festgestellt, dass auf Usedom oder Rügen mehr zu sehen ist.“

Wintervergnügen mit Sicherheitsproblemen

Besonders problematisch waren die Zustände während des „Warnemünder Wintervergnügens“ vom 30. Januar bis 8. Februar. Martens berichtet: „Die Gäste kamen teilweise vollkommen verärgert zurück, weil sie die Buden nicht besichtigen konnten, ohne Gefahr zu laufen, sich die Knochen zu brechen.“ Die schlechten Gehwege seien zu spät als Problem erkannt worden. Der Tourismus-Experte hofft nun auf einen Lerneffekt, um bei künftigen Extremwintern besser vorbereitet zu sein.

Gemischte Stimmung am Alten Strom

Nicht alle Bewohner sehen den Winter so negativ. Eine Fischverkäuferin am Alten Strom meint: „Der Winter war hart, aber schön.“ Sie habe sich warm angezogen und keinen Tag gefroren. „Wer friert, hat nichts zu tun“, lautet ihre pragmatische Einstellung. Doch diese positive Haltung teilen bei weitem nicht alle Gewerbetreibenden in dem traditionsreichen Ostseebad.

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