Vom Großherzog bis Putin: Die bewegte Historie des Jagdschlosses Waldsee
Das Jagdschloss Waldsee, idyllisch am Schulzensee gelegen, blickt auf eine äußerst wechselhafte und faszinierende Vergangenheit zurück. Ursprünglich wurde das imposante Gebäude in den Jahren 1899 bis 1900 von Großherzog Adolf Friedrich V. errichtet, der seine Leidenschaft für die Jagd in einem 6000 Hektar großen, eigens eingerichteten Jagdrevier rund um das Schloss ausleben konnte.
Vom Kaiserreich bis zur NS-Zeit
Trotz des Endes des Kaiserreiches verblieb das Jagdschloss im Besitz der großherzoglichen Familie, doch bereits 1930 wurde hier das erste staatliche Jagdgebiet Mecklenburgs eröffnet. In der Zeit von 1933 bis 1945 nutzte NSDAP-Reichsstatthalter Friedrich Hildebrand das Anwesen, und der Überlieferung nach soll sogar Hermann Göring mit dem Gewehr durch die Wälder von Waldsee gezogen sein.
Die Stasi-Ära und geheime Treffen
Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches diente das Jagdschloss zunächst als Wohnraum für Umsiedler aus dem Sudetenland, später wohnten dort Lehrlinge des staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Neustrelitz. Doch die idyllische Lage blieb den Oberen des Ministeriums für Staatssicherheit nicht verborgen, und bald entwickelte es sich zu einem beliebten Jagdtreffpunkt für Stasi- und SED-Größen sowie deren Gäste.
Im Volksmund wurde das Anwesen bald als „Mielkes Jagdresidenz“ bezeichnet und war von zahlreichen Geheimnissen umwittert. 1984 entstand ein separates Mielke-Domizil mit sechs Zimmern, Bad, Wohnzimmer, Küche, Kaminzimmer und Sauna, das bis heute über eine eigene Zufahrt verfügt. Eine besondere Kuriosität war der überdachte Grillplatz neben dem Reetdachhaus, der als eine Art Bunker für Rückzugsmöglichkeiten diente.
Bei geheimen Treffen sollen hier bedeutende Persönlichkeiten verkehrt haben, darunter Marcus Wolf, Chef der DDR-Aufklärung, und der damals noch als KGB-Mitarbeiter in Dresden wirkende Wladimir Putin.
Vom Staatsbesitz zum Sterne-Hotel
1978 erfolgte eine umfangreiche Erweiterung der Bettenkapazität durch den Bau eines Gästehauses. Mit dem Ende der DDR endete auch die Nutzung als Hotel, bis die Berliner Familie Bischoff das Grundstück im Jahr 2002 erwarb. Nach umfangreichen Restaurierungen, Umbauten und Neubauten, die bis 2009 andauerten, wurde das Jagdschloss wiedereröffnet und wird heute als Drei-Sterne-Hotel geführt.
Ein Hotel mit internationaler Bekanntheit
„Wir haben Gäste aus ganz Europa und selbst auf den Weihnachtsinseln kennt man unser Hotel“, berichtet Rezeptionsleiterin Manja Westermann. „Besonders durch Mundpropaganda werden wir bekannter und die Gästezahlen steigen kontinuierlich.“
Die Natur ist täglich auf dem Gelände präsent: Damhirsche laben sich gerne an den Rosen, was die Hotelgäste beobachten können, während Hausmeister Norbert Horn täglich die Hinterlassenschaften beseitigen muss. Insgesamt sind 26 Mitarbeiter und zwei Lehrlinge ganzjährig beschäftigt, um den reibungslosen Betrieb des historischen Hotels zu gewährleisten.
Das Jagdschloss Waldsee verbindet somit auf einzigartige Weise historische Bedeutung mit modernem Hotelkomfort und bleibt ein faszinierendes Zeugnis deutscher Geschichte.



