Kittelschürze als Modetrend: Nostalgie oder antifeministisch?
Kittelschürze: Modetrend oder antifeministisch?

Die Kittelschürze, einst Symbol der Hausfrau und praktisches Kleidungsstück für Arbeiten im Haushalt, erlebt eine Renaissance auf den Laufstegen. Das Modehaus Miu Miu präsentierte eine Designer-Version für 1600 Euro, die weniger mit der traditionellen Kittelschürze gemein hat. Modeexpertin Annette Weber sieht den Trend kritisch: „Ich finde das komplett antifeministisch und nur für 20-Jährige ernsthaft tragbar – Trend hin oder her, das ist Veräppelung. Weder schick noch nützlich. Und teuer dazu. Mode soll Frauen schöner machen – die Schürze macht dich als Frau zur Karikatur.“

Historischer Hintergrund der Kittelschürze

Bereits ab dem 14. Jahrhundert nutzten Bauern und Handwerker Schürzen als Schutz vor Schmutz. Im 18. Jahrhundert wurden sie zum Erkennungszeichen von Dienstmädchen. In den 1950er- und 1960er-Jahren stand die Kittelschürze vor allem als Symbol für die Hausfrau. Sie war kein modisches Statement – man trug sie, weil sie praktisch war. In der DDR wurden Kittelschürzen häufig aus Dederon gefertigt, einem pflegeleichten, aber hitzeempfindlichen Kunststoffmaterial. Wer damit einem heißen Bügeleisen oder einer offenen Flamme zu nahe kam, riskierte, dass der Stoff schmolz. Im Westen waren Kittelschürzen meist aus Polyester.

Modetrend zwischen Nostalgie und Rollenbild

Heute soll ausgerechnet dieses Kleidungsstück wieder Mode werden. Miu Miu hat die Kittelschürze neu interpretiert und damit eine Frage aufgeworfen: Ist das nur ein spielerischer Blick zurück? Oder holen wir ein Symbol zurück, das lange für ein traditionelles Frauenbild stand? Die Kittelschürze steht für eine Zeit, in der Frauen den Haushalt schmissen – selbstverständlich und meist unbemerkt. Vielleicht liegt genau darin ihre heutige Attraktivität: Die Kittelschürze wirkt harmlos, nostalgisch, fast gemütlich. Auf Social Media passt sie in die Welt der sogenannten Tradwives: Frauen, die sich bewusst für ein traditionelles Familienmodell entscheiden und ihre Rolle vor allem im Haushalt, beim Kochen und in der Erziehung der Kinder sehen.

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Kritik und persönliche Reflexion

Natürlich darf Mode mit Geschichte spielen. Sie darf nostalgisch sein, ironisch, widersprüchlich. Trotzdem bleibt die Frage: Warum feiern wir ausgerechnet Kleidung, die so eng mit der unbezahlten Arbeit von Frauen verbunden ist? Der Artikel reflektiert persönlich: „Ich denke gern an die Kittelschürze meiner Oma. Sie erinnert mich an Umarmungen, Pellkartoffeln mit Quark und Geborgenheit. Aber ich glaube, sie wäre heute stolzer darauf, dass ich keine tragen muss. Nicht wegen der Schürze. Sondern wegen all der Dinge, die Frauen erreicht haben: die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie sie leben, arbeiten und sich kleiden möchten. Manche Trends sind in unseren Erinnerungen besser aufgehoben als in unseren Kleiderschränken.“

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