Seit 15 Jahren engagiert sich eine Flüchtlingshelferin in Bad Wörishofen für Geflüchtete aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Die Frau, die anonym bleiben möchte, ist für viele Schutzsuchende die erste Anlaufstelle, wenn es um Ämter, Formulare oder alltägliche Probleme geht. Ihre Arbeit reicht von der Unterstützung im Asylverfahren über die Organisation von Deutschkursen bis hin zur Begleitung bei der Wohnungs- und Arbeitssuche.
Die Ehrenamtliche ist Teil eines Netzwerks von Helferinnen und Helfern, das sich in der Kurstadt gebildet hat. Angesichts der vielen Konflikte in den Herkunftsländern ist der Bedarf an Unterstützung auch nach 15 Jahren ungebrochen. Immer wieder kommen neue Familien, die Schutz suchen und Orientierung brauchen.
Asylverfahren: Eine Zeit der Ungewissheit
Für die Geflüchteten beginnt in Deutschland eine lange Phase des Wartens. Asylanträge müssen gestellt, Fristen eingehalten und Anhörungen vorbereitet werden. Die Flüchtlingshelferin unterstützt die Betroffenen dabei Schritt für Schritt. Sie erklärt Bescheide, hilft beim Ausfüllen von Anträgen und begleitet zu Terminen beim Landratsamt oder bei der Ausländerbehörde.
Besonders belastend ist für viele die Ungewissheit über den Ausgang ihres Verfahrens. Die Helferin versucht, den Familien in dieser Zeit Sicherheit zu geben und ihnen das Gefühl zu vermitteln, nicht allein gelassen zu sein. Ihrer Erfahrung nach ist eine gründliche Vorbereitung auf die Anhörung vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge oft entscheidend für den Erfolg des Antrags.
Neben der rechtlichen Unterstützung leistet die Ehrenamtliche auch praktische Hilfe im Alltag. Sie begleitet Geflüchtete zu Arztbesuchen, hilft bei der Suche nach Schulplätzen für die Kinder und organisiert Sachspenden wie Möbel und Kleidung.
Sprachkurse als Fundament der Integration
Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Vermittlung der deutschen Sprache. Die Helferin hat in Zusammenarbeit mit anderen Freiwilligen mehrere Sprachkurse ins Leben gerufen, die insbesondere für Geflüchtete gedacht sind, die keinen Anspruch auf einen staatlich geförderten Integrationskurs haben. Die Kurse werden von ehrenamtlichen Lehrkräften durchgeführt und erfreuen sich großer Nachfrage.
Die Erfahrung zeigt, dass Sprache der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe ist. Wer Deutsch spricht, findet leichter eine Arbeit, knüpft Kontakte zu Nachbarn und kann sich im Alltag selbstständig bewegen. Die Kursleiterinnen und Kursleiter berichten, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer schnell Fortschritte machen und bald in der Lage sind, einfache Gespräche zu führen.
Arbeitsmarkt: Hürden und Erfolge
Die Integration in den Arbeitsmarkt ist ein zentrales Anliegen der Flüchtlingshelferin. Sie hat Kontakte zu Handwerksbetrieben, Hotels, Gaststätten und Pflegeeinrichtungen in Bad Wörishofen und der Umgebung aufgebaut. Dadurch konnten einige Geflüchtete Praktika oder sogar feste Arbeitsplätze erhalten. Die Helferin unterstützt zudem beim Schreiben von Bewerbungen und hilft bei der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen.
Dennoch bleiben die Hürden hoch. Viele Arbeitgeber zögern, Geflüchtete einzustellen, weil sie sich unsicher sind, wie lange diese bleiben dürfen. Die Helferin fordert daher eine schnellere Bearbeitung der Asylverfahren und mehr Rechtssicherheit für gut integrierte Geflüchtete. Ihrer Meinung nach würden viele Unternehmen gerne einstellen, wenn die bürokratischen Hürden nicht so hoch wären.
Ein weiteres Problem ist die Vereinbarkeit von Deutschkursen und Arbeit. Wer an einem Integrationskurs teilnimmt, hat oft wenig Zeit für einen Job. Die Helferin setzt sich dafür ein, dass die Kurse berufsbegleitend angeboten werden und dass Arbeitgeber flexible Lösungen ermöglichen.
Wohnungssuche: Ein schwieriges Pflaster
Der Wohnungsmarkt in Bad Wörishofen ist angespannt. Für Geflüchtete ist es besonders schwierig, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Viele Vermieter zeigen sich skeptisch, wenn sie hören, dass Bewerber Flüchtlinge sind. Die Flüchtlingshelferin versucht, diese Vorbehalte abzubauen, indem sie als Vermittlerin auftritt und den Vermietern ihre Unterstützung zusagt.
Sie organisiert die Kontaktaufnahme, begleitet bei Besichtigungen und steht auch nach dem Einzug als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Durch diese persönliche Begleitung konnten bereits mehrere Wohnungen vermittelt werden. Manche Vermieter haben so positive Erfahrungen gemacht, dass sie inzwischen gezielt Geflüchtete als Mieter anfragen.
Begegnung schafft Vertrauen
Ein weiterer Baustein der Integration sind Begegnungen zwischen Geflüchteten und Einheimischen. Die Helferin organisiert regelmäßig Veranstaltungen wie interkulturelle Feste, Kochabende oder gemeinsame Ausflüge. Dabei entstehen persönliche Kontakte, die gegenseitiges Verständnis fördern und Vorurteile abbauen.
Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer schätzen den Austausch und berichten, dass sich dadurch ihr Blick auf Geflüchtete verändert hat. Die Flüchtlingshelferin ist überzeugt, dass Integration nur gelingen kann, wenn beide Seiten aufeinander zugehen.
Bilanz nach 15 Jahren
Rückblickend kann die Ehrenamtliche auf eine beeindruckende Entwicklung blicken. Viele der Geflüchteten, die sie in den vergangenen 15 Jahren begleitet hat, sind inzwischen gut integriert. Sie haben Arbeitsplätze gefunden, ihre Kinder gehen zur Schule, und einige haben sogar die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Für die Helferin ist das ein großer Erfolg und eine Bestätigung ihrer Arbeit.
Doch es gibt auch Rückschläge: Menschen, die abgeschoben werden oder deren Asylantrag abgelehnt wird. Diese Fälle sind für die Helferin immer wieder schmerzhaft. Sie betont, dass man trotzdem weitermachen müsse, weil es vielen anderen mit ihrer Unterstützung gelungen sei, ein neues Leben aufzubauen.
Die Flüchtlingshelferin will sich auch in Zukunft engagieren. Sie hofft, dass die Solidarität in der Gesellschaft nicht nachlässt und dass die Politik die nötigen Rahmenbedingungen für eine gelingende Integration schafft. Sie appelliert an die Gesellschaft, die Menschen nicht allein zu lassen und weiterhin Offenheit zu zeigen.



