Arktis-Meereis schwindet nach kurzer Erholung stärker als zuvor
Arktis-Meereis schwindet nach Erholung stärker als zuvor

Eine vermeintliche Entspannung in der Arktis erweist sich als Trugschluss. Neue Satellitendaten belegen einen dramatischen Verlust an Meereisfläche in der Polarregion. Allein in einem einzigen Winter ging eine Fläche verloren, die mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland.

Das Meereis in der Arktis schwindet seit Langem. In den frühen 2020er Jahren schien sich der Schwund der Eisfläche im arktischen Winter etwas abzuschwächen. Doch die Auswertung von Satellitenbildern der Jahre 2025 und Anfang 2026 zeigt nun: Die winterliche Abschwächung war nur ein vorübergehender Effekt. Danach hat der Eisschwund sogar verstärkt an Fahrt aufgenommen.

Kurzzeitige Besserung als Trugschluss

„Kurzzeitige Besserungen können die langfristige Richtung der Veränderungen des arktischen Meereises zeitweilig verdecken“, sagte Erstautor Duo Chan von der Universität Southampton. „Die geringen Ausdehnungen des Winter-Meereises von 2025 und 2026 zeigen eindeutig, dass der Meereis-Verlust in der Arktis nicht gestoppt hat – er dauert in einem sich erwärmenden Klima fort.“

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Generell sei das arktische Meereis ein Indikator für den Klimawandel in den höheren Breiten, schreibt das Team um Chan in den „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“). Dieser Rückgang betreffe alle Jahreszeiten, zwischenzeitlich hätten Studien jedoch auf eine Abschwächung dieses Trends in den frühen 2020er Jahren hingewiesen.

Abrupter Abfall auf Negativrekord-Niveau

Das Team prüfte nun, ob es sich lediglich um natürliche Schwankungen handelte oder nicht. Dafür wertete es Satellitenbilder für alle Jahreszeiten insbesondere der Jahre 2024/2025 und 2025/2026 aus. „Nach mehreren Wintern mit relativ stabilen Ausdehnungen während der Wachstums- und Maximumphase zeigt 2025 einen abrupten Abfall in beiden Phasen auf ein Negativrekord-Niveau“, schreiben die Autoren.

Während der Wachstumsphase 2024/2025 – also von November bis Januar – sank die Ausdehnung im Vergleich zum Vorjahr um 0,72 Millionen Quadratkilometer. Das entspricht etwas mehr als der doppelten Fläche von Deutschland. In der Maximumphase – Februar und März – ging sie sogar um 0,93 Millionen Quadratkilometer zurück. Dies seien die größten Rückgänge für diese beiden Phasen seit Beginn der Satellitenaufnahmen.

Rekordtiefs in den Jahren 2025 und 2026

Im folgenden Jahr – 2025/2026 – sank die Ausdehnung während der Wachstumsphase um weitere 0,14 Millionen Quadratkilometer auf den Negativ-Rekordwert von 11,3 Millionen Quadratkilometer. In der Maximumphase legte die Ausdehnung dann im Vergleich zum Vorjahr wieder um 0,3 Millionen Quadratkilometer zu. Dies war jedoch noch immer der zweitniedrigste Wert für diese Jahreszeit seit Beginn der Messungen im Jahr 1978.

„Diese ungewöhnlich geringen Meereis-Flächen von 2025 und 2026 kehren die jüngste Abschwächung des Meereis-Rückgangs um“, betont die Forschungsgruppe. Der Meereis-Schwund 2025 sei zwar in seinem Ausmaß ungewöhnlich gewesen, aber absolut plausibel, schreiben die Forscher und verweisen auf einen Temperaturanstieg von 2,8 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit in der Region. Dies widerspreche der Sichtweise, es gebe eine längere Unterbrechung beim Meereis-Schwund.

Folgen für die Klimaforschung

„Dieser scharfe Abfall ändert unsere Interpretation der kürzlichen Veränderungen des winterlichen arktischen Meereises“, erläuterte Chan. „Was in den frühen 2020er Jahren wie eine Pause aussah, scheint nur eine zeitweilige Abschwächung während eines langfristigen Rückgangs gewesen zu sein.“ Die neuen Daten unterstreichen die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen, da der fortschreitende Eisverlust in der Arktis weitreichende Auswirkungen auf das globale Klima und den Meeresspiegel hat.

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