Paris schwitzt. Die Temperaturen klettern auf fast 40 Grad, die Luft flirrt über den Dächern, und selbst die Seine scheint zu dampfen. Doch Leo Klimm, Autor dieser Kolumne, verschmäht das vermeintlich erfrischende Bad im Fluss. Er hat einen besseren Ort gefunden: die klimatisierten Räume der Kommunistischen Partei Frankreichs.
„Der Hitzesommer macht mich noch zum Kommunisten“, schreibt Klimm in seiner Kolumne bei SPIEGEL. Ein Satz, der provozieren soll – und doch eine ernste Erkenntnis enthält. Denn was er meint, ist nicht der Beitritt zu einer Partei, sondern die wachsende Überzeugung, dass die Klimakrise nur durch gemeinschaftliches Handeln zu bewältigen ist.
Ein ungewöhnlicher Rückzugsort
Die Temperaturen treiben die Menschen in Paris zu außergewöhnlichen Maßnahmen. Während viele an der Seine nach Erfrischung suchen oder in überfüllten Schwimmbädern Schlange stehen, entdeckt Klimm einen stillen Ort der Kühle: das Hauptquartier der Kommunistischen Partei Frankreichs an der Place du Colonel Fabien. In einem Sitzungssaal, der sonst für Debatten und Beschlüsse dient, findet er Erholung. Die Fotografie von Michel Euler (AP) zeigt den leeren Raum mit der Aufschrift „Brüderliche Initiative“ – ein Bild, das wie ein Kommentar zur Lage wirkt.
Warum die Seine als Alternative ausfällt, erklärt der Autor mit einer Mischung aus Ekel und Pragmatismus. Das Wasser ist schmutzig, die Ufer sind überlaufen, und die Vorstellung, sich bei diesen Temperaturen in die braune Brühe zu stürzen, ist alles andere als verlockend. Klimm bevorzugt die trockene Kühle eines klimatisierten Raums.
Hitze, Klima, Politik
Der kolumnistische Griff in die politische Symbolik ist kein Zufall. Hitzesommer sind längst keine Randerscheinung mehr, sondern ein wiederkehrendes Phänomen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In Paris wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Rekordtemperaturen gemessen. Für Klimm ist die persönliche Erfahrung der Hitze ein Weckruf. Er sieht, wie die Klimakrise soziale Ungleichheiten verschärft – wer im Schatten arbeitet, hat es leichter als jene, die in der prallen Sonne stehen.
„Brüderliche Initiative“ könnte man also auch als Aufforderung verstehen: Solidarität statt Vereinzelung, öffentliche Kühle statt privater Klimaanlagen. Der Autor plädiert für eine Politik, die den Schwächsten hilft. Die Kommunistische Partei mag historisch heikel belastet sein, aber ihr leerer Sitzungssaal wird an diesem Tag zum Symbol für einen alternativen Umgang mit der Hitze.
Wie Paris lernen könnte
Die Stadt Paris hat bereits Konzepte gegen die Überhitzung entwickelt. Bäume werden gepflanzt, Schulhöfe entsiegelt, Brunnen errichtet – doch das dauert. In der Zwischenzeit müssen die Menschen eigene Wege finden. Die Idee, öffentliche Gebäude als Kältezentren zu öffnen, liegt nahe und wird in manchen Städten bereits praktiziert. Dass ausgerechnet eine Parteizentrale diese Rolle erfüllt, ist ebenso zufällig wie sinnbildlich.
Für Klimm ist der Aufenthalt im Sitzungssaal eine kleine Utopie. In der kühlen Ruhe, abgeschirmt vom Lärm der Stadt, lässt sich nachdenken über die Zukunft. Am Ende verlässt er das Gebäude, tritt in die Hitze hinaus – die Realität holt ihn schnell ein. Doch die Erfrischung war nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Sie hat ihm gezeigt, dass die Suche nach Kühle auch eine Frage des Miteinanders ist.
Ob aus dieser Erkenntnis eine politische Haltung wird, bleibt offen. Aber der Titel seiner Kolumne klingt wie ein Versprechen: Wenn die Sommer immer heißer werden, wird vielleicht auch die Sehnsucht nach Solidarität wachsen.



