Trockenheit in Hessen: Pflanzen und Tiere leiden – Landwirte fordern Hilfe
Trockenheit in Hessen: Natur und Landwirtschaft unter Druck

Braune Wiesen, sinkende Flusspegel – die Trockenheit in Hessen zeigt immer deutlichere Folgen. Bereits im Juni fiel im Bundesland deutlich zu wenig Regen, und auch der Juli wird nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) deutlich zu trocken ausfallen. Die Auswirkungen sind in der Natur und Landwirtschaft bereits sichtbar.

Situation: Historisch niedrige Bodenfeuchte

„Wenn man sich die Bodenfeuchte der oberen 60 Zentimeter anschaut, dann sind wir in Hessen weit unter dem, was jetzt um diese Jahreszeit üblich ist“, sagt Agrarmeteorologe Andreas Brömser vom DWD. Besonders betroffen seien Mittel- und Südhessen. In Südhessen lägen die Werte teilweise so niedrig wie nie im Vergleichszeitraum 1991 bis 2020.

Brömser zufolge wäre dringend ein ganzer Monatsniederschlag als mäßiger Landregen nötig. „Es wäre schon gut, wenn innerhalb von ein paar Tagen ein ganzer Monatsniederschlag als mäßiger Landregen fallen würde“, so der Meteorologe. Dieser sei jedoch nicht in Sicht. Zudem steigen die Temperaturen laut Vorhersage wieder an, was die Verdunstung erhöht und die Böden weiter austrocknet.

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Gärten unter Trockenstress

Die Trockenheit, Hitze und starke Sonneneinstrahlung setzen auch Hessens Gärten zu. „Die Pflanzen leiden unter der Trockenheit und der starken Sonneneinstrahlung“, erklärt Gerd Bergmann von der Hessischen Gartenakademie, einer Facheinrichtung des Landesbetriebs Landwirtschaft. Die Obsterträge seien stark rückläufig durch Sonnenbrand. Zudem träten vermehrt Anomalien auf: Früchte verdoppelten sich, aus bereits geöffneten Blüten wüchsen Knospen. „Das haben wir vorher noch nie in der Form gehabt“, betont Bergmann.

Bergmann prognostiziert auch Folgeschäden, wie sie im Wald bereits zu beobachten sind. „Man sieht es ja auch an den Bäumen. Das große Problem sind da Risse“, erläutert er. Die Stämme würden so heiß, dass sie rissen, was Eintrittspforten für Krankheiten schaffe. Auch Schädlinge wie Borkenkäfer, Wanzen und Thripse verursachten zunehmend Schäden, da die Pflanzen durch die Trockenheit geschwächt seien.

Wildtiere in Not

Die Trockenheit setzt auch vielen Tieren zu. „Vögel, Igel, Eichhörnchen, Gartenschläfer, Amphibien und Insekten finden immer seltener Wasser“, sagt Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen. Vertrocknete Wiesen, ausgedörrte Waldränder und ausgetrocknete Bäche erschwerten ihr Überleben, besonders für Jungtiere. Wildtiere zeigten den Wassermangel oft durch ungewöhnliche Zutraulichkeit oder das Aufsuchen von Menschennähe.

Nitsch empfiehlt, Wasserschalen aufzustellen und täglich zu reinigen, mit Steinen oder Ästen als Landehilfe für Insekten. Regentonnen sollten abgedeckt werden, um Ertrinken zu verhindern.

Landwirtschaft: Mais und Zuckerrüben besonders betroffen

Der Hessische Bauernverband stellt regional sehr unterschiedliche Situationen fest. Besonders in Südhessen sowie Teilen Mittel- und Osthessens zeige sich zunehmender Trockenstress. Hauptsächlich Mais und Zuckerrüben seien betroffen, teils mit sichtbaren Trockenschäden. „Für diese Kulturen braucht es dringend Regen, um etwas zu retten“, sagt Sprecherin Marie-Claire von Spee.

Auch Leguminosen wie Körnererbsen oder Ackerbohnen hätten unter den hohen Temperaturen gelitten. Beim Winterweizen zeigten sich Auswirkungen auf die Kornqualität. „Zudem bereitet die Entwicklung des Grünlands zunehmend Sorgen mit Blick auf die Futterversorgung“, so von Spee. Viele Landwirte setzten auf frühreifende Sorten, aber ohne Wasser sei kein Wachstum möglich. Der Verband fordert Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel.

Wasserversorgung: Ausreichend, aber Investitionen nötig

Mehr Trockenphasen fordern auch die Trinkwasserversorgung heraus. Die vorhandenen Grundwasserressourcen seien nach aktueller Bewertung ausreichend, erklärt der Versorger Hessenwasser, der rund 2,4 Millionen Menschen im Rhein-Main-Gebiet versorgt. Allerdings seien steigende Investitionen nötig. „Wir rechnen auch in Zukunft mit ausgeprägten Hitzewellen und dadurch ausgelösten längeren Spitzenlastphasen mit Tagesspitzenmengen auf sehr hohem Niveau“, erklärt eine Sprecherin. Die Wasserinfrastruktur müsse widerstandsfähiger gemacht werden.

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