Chaotische Flucht vor den Flammen
Zehntausende Menschen sind seit Mittwoch auf der Flucht vor den verheerenden Waldbränden an der französischen Atlantikküste. Besonders betroffen ist die bei Urlaubern beliebte Halbinsel Cap Ferret, wo die Evakuierung nach Angaben von Betroffenen chaotisch verlief. Insgesamt sind bereits rund 60.000 Menschen vor den Flammen auf der Flucht, wie Frankreichs Innenminister mitteilte. Er sprach vom „größten Feuer der Saison“.
30 Minuten Vorwarnung für Urlauber
Die BBC-Journalistin Joanna Kent, die mit ihrer Familie auf Cap Ferret Urlaub machte, schilderte in einem TikTok-Video ihre Erlebnisse. „Es lag Asche in der Luft, wir konnten den Rauch sehen“, berichtete sie. Bereits am Mittwochnachmittag habe sie den Rauch bemerkt, am Donnerstagmorgen seien die Schwaden immer dichter geworden. „Wir haben uns den ganzen Vormittag gefragt, ob wir evakuiert werden oder nicht.“ Schließlich sei die Polizei vorgefahren. „Man hat uns mitgeteilt, dass wir 30 Minuten Zeit haben, um das Gelände zu verlassen“, sagte Kent. Danach habe ein „ziemliches Durcheinander“ geherrscht, als alle ihre Autos beluden und die Flucht antraten.
Evakuierung per Boot für Autolose
Nicht alle Menschen konnten die Region mit dem Auto verlassen. Eine junge Französin erzählte in einem Video des lokalen Medienportals „TVBA“: „Wir wurden um 4:30 Uhr von der Alarmmeldung geweckt und wir waren ein bisschen ratlos, weil wir kein Auto haben. Deshalb mussten wir den Seeweg nehmen.“ Die Evakuierung sei chaotisch verlaufen. Zunächst hätten sie versucht, die Halbinsel mit Shuttlebussen oder per Anhalter zu verlassen. Doch die Polizei habe ihnen geraten, umzukehren und stattdessen ein Boot zu nehmen, berichtete ein junger Mann in demselben Video.
Notunterkünfte in Arcachon eingerichtet
In Arcachon, einer Stadt nahe den Waldbrandgebieten, werden die Evakuierten in Empfang genommen. „Die ersten sind um 7 Uhr mit dem Boot angekommen“, sagte Bürgermeister Yves Foulon dem Sender „TVBA“. Die Ankommenden würden vor Ort betreut. Einige reisten direkt weiter, andere würden eine Nacht in eigens eingerichteten Notunterkünften verbringen, so Foulon. Dafür wurde die Sporthalle einer Schule zur Notunterkunft umfunktioniert, in der Tische mit Plastikstühlen und Klappbetten nebeneinander aufgereiht sind. „Es gab in der Nacht viele weitere Ankömmlinge“, sagte Isabelle Petit, stellvertretende Bürgermeisterin, dem Sender „TVBA“. Viele Menschen kämen zunächst in die Unterkunft, um sich kurz auszuruhen, bevor sie ihre Reise so schnell wie möglich fortsetzten. „Noch haben wir Platz, um weitere Evakuierte aufzunehmen.“



