In der Straße von Hormus ist erneut ein Handelsschiff von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen worden. Die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) meldete den Angriff auf einen Frachter vor der Küste des Omans, etwa 37 Kilometer nordöstlich der Ortschaft Al Khasab. Angaben zu möglichen Schäden oder Verletzten machte die Behörde zunächst nicht. Der Zwischenfall ereignet sich, während US-Präsident Donald Trump dem Iran ein Ultimatum für Gespräche stellt und Teheran zugleich jegliche Verhandlungen mit Washington zurückweist.
Trumps „letzte Chance“ und die Reaktion aus Teheran
US-Präsident Donald Trump hat die Gespräche mit dem Iran als „letzte Chance“ für Teheran bezeichnet. Man befinde sich in Gesprächen – und zwar auf Wunsch des Irans, sagte Trump im Weißen Haus. Er bekräftigte, dass verschiedene Staaten die USA darum gebeten hätten, der Diplomatie eine letzte Chance zu geben. „Das ist eine letzte Chance für sie, ein gutes Dokument zu unterzeichnen“, sagte er mit Blick auf den Iran. Einmal mehr untermauerte er seine Worte mit einer martialischen Drohung: „Ich möchte ihnen jede letzte Chance vor der Enthauptung geben.“
Trumps Darstellung zufolge drehen sich die Gespräche um die Öffnung der für den internationalen Gas- und Ölhandel zentralen Straße von Hormus. Demnach geht es darum, die Meerenge bis diesen Dienstag vollständig zu öffnen. In einer zweiten Phase soll es seiner Darstellung nach dann um die „Denuklearisierung“ des Irans gehen – das werde länger dauern, räumte Trump ein.
Der Iran hat diese Darstellung umgehend zurückgewiesen. Außenministeriumssprecher Esmaeil Baghaei erklärte am Montag, derzeit gebe es keine Unterredungen mit den USA. Auch sei nicht geplant, in diesen Tagen Vertreter der Washingtoner Regierung zu empfangen oder selbst eine Delegation zu entsenden. Alle iranischen Unterhändler hielten sich derzeit in ihrer Heimat auf. Einzige Ausnahme sei Außenminister Abbas Aragtschi, der auf Pilgerreise im Irak sei. Einem hochrangigen iranischen Insider zufolge steht Aragtschi mindestens bis Ende der Woche nicht für Verhandlungen zur Verfügung.
Iran und Oman planen neue Schiffsroute
Baghaei betonte auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz, die einzigen derzeit laufenden Gespräche seien jene mit dem Oman über die Verwaltung der Straße von Hormus. Vorübergehend sei eine Route im Gespräch, die aus einem einzigen Korridor mit Fahrrinnen für beide Richtungen bestehe. Dies habe allerdings nichts mit Gesprächen über eine allgemeine Öffnung der Meerenge zu tun. „Das ist eine separate Diskussion.“ Eine Einigung mit dem Oman reiche zudem nicht für eine vollständige Öffnung des Seeweges aus. Solange die „Aggression“ der USA andauere, werde sich an der Situation nichts ändern.
Nach dem vorgeschlagenen Modell fahren Tanker oder Frachtschiffe auf einer nördlichen Route durch iranische Hoheitsgewässer in die Straße von Hormus ein. Nachdem die Schiffe Häfen im Iran oder in arabischen Golfstaaten angelaufen haben, nutzen sie für die Rückfahrt eine südliche Route durch omanische Hoheitsgewässer. Die Straße von Hormus misst an ihrer schmalsten Stelle nur etwa 39 Kilometer. Da der Iran und Oman jeweils eine Zwölf-Seemeilen-Zone (etwa 22,2 Kilometer) beanspruchen, überschneiden sich die Hoheitsgewässer beider Anrainer. Internationale Gewässer existieren in diesem Bereich nicht. Das UN-Seerechtsübereinkommen (Unclos) garantiert dort ein Recht auf Transitdurchfahrten und untersagt eine Blockade von Handelsschiffen. Der Iran akzeptiert diese Rechtslage nicht.
Die geplante neue Regelung schränkt eine freie Durchfahrt im Vergleich zur Zeit vor Beginn des Militärkonfliktes ein. Der Iran könnte beispielsweise kontrollieren, welche Schiffe aus welchen Ländern in die Straße von Hormus einfahren. Kriegsschiffen könnte unter anderem eine Passage verwehrt werden. Die USA und der Iran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen verständigt. Die Vereinbarung sieht vor, dass Teheran sich mit dem Oman in Abstimmung mit den Anrainerstaaten über die künftige Verwaltung der Meerenge einigen soll.
Israel meldet Bedenken gegen Gaza-Plan an
Unterdessen hat Israel bei den USA Bedenken gegen den von Präsident Donald Trump verkündeten Plan zur Entwaffnung der Hamas geäußert. Die veröffentlichte Fassung spiegle die israelischen Positionen nicht wider, sagte Doron Spielman, Sprecher des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. „Israel hat der US-Seite seine Anmerkungen und Bedenken zu dem vorgeschlagenen Rahmen übermittelt“, sagte Spielman. Trump hatte am Freitag erklärt, Israel sei über die mit der radikalislamischen Palästinenserorganisation erzielte Vereinbarung „sehr glücklich“ und habe die USA unterstützt.
Hamas-Vertreter hatten AFP mitgeteilt, dass eine Einigung „in der Frage der Waffen“ erzielt worden sei. Nach Trumps Darstellung soll die Hamas ihre Waffen schrittweise abgeben. Anschließend sollen sich die israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen zurückziehen. Eine internationale Stabilisierungstruppe und eine neue palästinensische Polizei sollen dann die Verantwortung im Gazastreifen übernehmen. Der rechtsextreme israelische Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir hatte die Vereinbarung bereits am Freitag als „inakzeptabel“ bezeichnet. Die israelische Regierung hatte sich zunächst nicht offiziell dazu geäußert.
Ölpreis sinkt nach abgesagtem Angriff
Der Ölpreis ist nach dem von US-Präsident Donald Trump abgesagten Angriff auf den Iran deutlich gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete am Montagmorgen etwas über 83 US-Dollar, also knapp 7 Prozent weniger. Der fallende Ölpreis konnte die Börsenkurse in Ostasien zunächst kaum anfachen. Bis 12:30 Uhr (Ortszeit) sank der südkoreanische Leitindex Kospi um knapp fünf Prozent, der japanische Nikkei 225 gab um 1,7 Prozent nach. Die schwache Kursentwicklung lag laut Experten vor allem an der wachsenden Sorge, dass der Boom rund um Künstliche Intelligenz allmählich nachlassen könnte.
Die Börse in Hongkong reagierte am Montag zunächst kaum verändert, der Leitindex Hang Seng stieg um 0,2 Prozent. An den chinesischen Festland-Börsen notierte der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Werten rund 0,8 Prozent im Minus. Trump hatte am Samstag erklärt, die USA und Israel verzichteten vorerst auf geplante Angriffe gegen den Iran. Teheran und weitere Staaten der Region hätten Washington darum gebeten, weil sich eine neue Vereinbarung abzeichne. Iranische Militärvertreter wiesen diese Darstellung zurück: Diese Aussage sei „nichts als eine neue Lüge“, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Mehr am Sonntag die Militärvertreter. „Unsere Streitkräfte befinden sich in höchster Alarmbereitschaft und sind auf jede Eventualität vorbereitet“, hieß es weiter.
Huthi-Drohungen: Supertanker ändern Kurs
Sechs unter saudischer Flagge fahrende Supertanker haben in den vergangenen Tagen nach Drohungen der jemenitischen Huthi-Miliz ihren Kurs im Golf von Aden geändert. Die unbeladenen Tanker befinden sich auf dem Rückweg aus Asien und steuern nun im Verband das südliche Afrika an, anstatt durch das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab zu fahren, wie aus Ortungsdaten von LSEG und MarineTraffic hervorgeht. Der saudiarabische Betreiber Bahri und Regierungsvertreter des Königreiches äußern sich zunächst nicht zu dem Vorgang.
Zwei mit saudi-arabischem Öl beladene Tanker haben am Wochenende die Meerenge Bab al-Mandab am Roten Meer passiert. Es handelt sich um die „Lesvos“ und die „Desh Vaibhav“, wie Schifffahrtsdaten von Kpler zeigen. Die Meerenge vor der Küste des Jemens passierten demnach am Sonntag 18 Frachter, nach 27 am Samstag und 28 am Freitag. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen hatte am 20. Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verhängt. Damit ist nicht nur der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus im Persischen Golf erheblich beeinträchtigt, sondern auch der durch das Rote Meer auf der anderen Seite der Arabischen Halbinsel.
Die Huthi-Miliz hat nach eigenen Angaben acht saudische Öltanker zu einem Kurswechsel gezwungen. Diese müssten nun vom Roten Meer über das Kap der Guten Hoffnung vor Südafrika fahren, um ans Ziel zu kommen – bei einer Fahrt vom Roten Meer in Richtung Asien ein langer und teurer Umweg. Eine Bestätigung von Saudi-Arabien gab es zunächst nicht. Der Finanzdienst Bloomberg berichtete, sechs saudische Öltanker würden den Umweg um den afrikanischen Kontinent nehmen. Saudi-Arabien kämpft gemeinsam mit der international anerkannten Regierung im Jemen seit mehr als zehn Jahren gegen die schiitische Miliz. Im Zuge des Iran-Kriegs ist auch deren Konflikt neu eskaliert. Die Huthi kontrollieren vom Jemen aus die wichtige Meerenge Bab al-Mandab. Es wird befürchtet, dass auch dieses Nadelöhr wie die Straße von Hormus durch Angriffe faktisch geschlossen wird – mit noch schwereren Folgen für den Welthandel und die Energiepreise.



