Explosion in Moskau: Anschlag auf russischen General?
Explosion in Moskau: Anschlag auf russischen General?

Das italienische Edelrestaurant Balzi Rossi am Kudrinskaja-Platz war für neun Millionen Rubel komplett gemietet worden – umgerechnet rund 100.000 Euro. In dem Nobelrestaurant feierte offenbar General Alexander Chaiko, Chef der russischen Luft- und Raumfahrtsstreitkräfte, seinen 55. Geburtstag. Doch am Samstagabend gegen 20 Uhr erschütterte eine Explosion das Lokal: Mindestens drei Menschen starben, 21 wurden verletzt.

Zunächst spekulierten staatliche russische Medien über eine mögliche Gasexplosion. Doch die Sicherheitsbehörden bestätigten schnell: Es handelte sich um einen gezielten Sprengstoffanschlag.

Neun Millionen Rubel für eine Geburtstagsfeier

Die Summe, die für die Feier gezahlt wurde, zeigt nach Einschätzung von Rainer Munz, Russland-Korrespondent von ntv, wie bedeutend der Gast war. „Das sind etwa 100.000 Euro. Das zeigt die Prominenz des Gastes, der dort gewesen ist“, sagte Munz. Auf einem Video aus dem Restaurant ist den Angaben zufolge ein Banner mit den Schriftzügen „Alexander“ und „55“ zu erkennen. „Das ist ein Grund, warum man annimmt, dass General Chaiko dort gestern Abend gefeiert hat“, so Munz. Chaiko wurde am 27. Juli 1971 geboren.

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Ferndetonation mit Bleikugeln

Die russische Tageszeitung „Kommersant“ berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Sprengsatz sei ferngezündet worden. Die Sprengkraft entsprach demnach etwa einem Kilogramm TNT. Der Sprengkörper war mit Bleikugeln gefüllt – eine Konstruktion, die darauf ausgelegt war, möglichst viele Menschen zu verletzen. Die mutmaßliche Attentäterin, die den Sprengsatz in das Lokal gebracht haben soll, wurde selbst getötet. Nach Angaben des nationalen Anti-Terror-Komitees starben außerdem ein Sicherheitsmann, der die Frau am Eingang gestoppt hatte, sowie ein Gast. Mehrere russische Telegram-Kanäle meldeten später, die Zahl der Todesopfer sei auf fünf gestiegen; eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

„Es ist ein gruseliges Detail“, kommentierte Munz die Wucht der Explosion. Die Hände der mutmaßlichen Attentäterin seien erst in 15 Metern Entfernung gefunden worden.

Massives Sicherheitsaufgebot des FSO

Auffällig war das enorme Sicherheitsaufgebot rund um das Restaurant. „Das ganze Gebiet um das Restaurant herum war schwer bewacht vom FSO“, sagte Munz. „Das ist der Sicherheitsdienst des russischen Geheimdienstes, der auch den russischen Präsidenten bewacht. Die waren mit sehr vielen Leuten vor Ort. Man hatte sich also darauf eingerichtet, dass man diese Veranstaltung gut sichern muss.“ Dennoch gelang es der Attentäterin, den Sprengsatz einzuschleusen.

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin verurteilte die Tat als „brutalen Terrorakt“ und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Die Schuldigen würden gefunden und bestraft, schrieb Sobjanin auf Telegram. Das Nationale Antiterror-Komitee hielt sich mit Details zu den Hintergründen zunächst bedeckt und verwies auf laufende Ermittlungen.

Eine Serie von Anschlägen auf russische Militärs

Der Anschlag auf das Nobelrestaurant reiht sich ein in eine Serie von Attacken, die seit Beginn des Ukraine-Kriegs auf russische Offiziere und Militärs verübt wurden. Der ukrainische Geheimdienst hat in der Vergangenheit mehrfach Anschläge für sich reklamiert oder wurde von russischer Seite dafür verantwortlich gemacht.

Im Dezember 2024 wurde General Igor Kirillow in Moskau durch eine in einem E-Scooter versteckte Bombe getötet. Im April 2025 kam General Jaroslaw Moskalik bei einer Autoexplosion nahe Moskau ums Leben. Bereits im August 2022 starb die regimekritische Publizistin Darja Dugina durch eine Autobombe, und im April 2023 tötete eine Explosion in einem Café in Sankt Petersburg den bekannten Militärblogger Maxim Fomin. Diese Vorfälle zeigen, dass der Krieg längst auch auf russischem Territorium angekommen ist.

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