US-Präsident Donald Trump hat öffentlich seine eigene Bundesanwältin Jeanine Pirro attackiert. Im Streit um die Schäden am berühmten Reflecting Pool in Washington stellt er sich gegen die Entscheidung der Juristin, das Verfahren gegen den früheren US-Olympiateilnehmer David Hearn einzustellen. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump am Samstag: „Ich bin vollkommen anderer Meinung als Jeanine Pirro (...) Ich weiß nicht, was ihr durch den Kopf gegangen ist!“ Wie die Nachrichtenagentur AFP meldet, eskaliert damit der Konflikt um das Wasserbecken.
Damit stellte sich Trump offen gegen eine Entscheidung des Justizministeriums, dessen Spitze er selbst berufen hat. Der Präsident behauptete, der Hauptschaden an dem Becken sei durch Vandalen verursacht worden: „Vielleicht gab es Probleme mit dem Bauunternehmer, aber der Hauptschaden wurde von Vandalen verursacht!“ Damit räumte er indirekt ein, was Ermittler und politische Verantwortliche seit Wochen vermuten: eine missglückte Renovierung, die zum Ablösen der Abdichtung und zur raschen Ausbreitung von Algen in dem Gewässer geführt hat.
Trumps Vandalismus-These überzeugt Ermittler nicht
Trump veröffentlichte auf Truth Social außerdem ein Video, das seine These von Messerspuren untermauern soll. Auf den Aufnahmen ist allerdings nach Einschätzung von Beobachtern nichts zu sehen, was eindeutig auf die von ihm angeführten Vandalismusschäden hindeutet. Die Ermittler hatten bereits zuvor Zweifel an Trumps Darstellung angemeldet.
Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft waren die Schäden an dem Becken auf Pfusch bei den Renovierungsarbeiten zurückzuführen. Am Freitag wurde das Verfahren gegen David Hearn eingestellt. Der frühere US-Olympiateilnehmer war ursprünglich beschuldigt worden, den „Reflecting Pool“ mutwillig beschädigt zu haben.
Bundesanwältin: Beweisgrundlage untergraben
In ihrer Begründung teilte Bundesanwältin Pirro mit, die neuen Erkenntnisse zu den Schäden an dem Wasserbecken vor dem Lincoln Memorial „untergraben die Beweisgrundlage für die Anklage“. Unterlagen zeigten, dass die Schäden auf eine „fehlerhafte Installation und nicht Vandalismus“ zurückzuführen seien. Pirro verwies darauf, dass das Innenministerium ursprünglich von Vandalismus ausgegangen war.
Bemerkenswert ist der Vorgang auch deshalb, weil Pirro von Trump selbst in ihr Amt berufen worden war. Dass er nun öffentlich gegen ihre Entscheidung wettert, gilt als ungewöhnlich und belastet das Verhältnis zwischen dem Präsidenten und seinem eigenen Justizapparat weiter. Kritiker werfen Trump vor, sich in laufende Verfahren einzumischen und die Unabhängigkeit der Justiz zu untergraben.
Ein Symbol der Hauptstadt in der Krise
Der Reflecting Pool ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Washingtons. Das lang gestreckte Wasserbecken erstreckt sich zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument und ist rund 610 Meter lang und 51 Meter breit. Jedes Jahr zieht es Millionen Touristen an. Dass es ausgerechnet unter Trumps Aufsicht zu Problemen kam, ist politisch brisant – zumal die Schäden nun auf mangelhafte Arbeit bei der Renovierung hindeuten.
Die Algenbildung und das Ablösen der Abdichtung hatten das Becken in den vergangenen Wochen immer wieder in die Schlagzeilen gebracht. Besucher zeigten sich enttäuscht, Oppositionspolitiker forderten eine lückenlose Aufklärung. Mit der Einstellung des Verfahrens gegen David Hearn scheint nun festzustehen, dass von Vandalismus keine Rede sein kann.
Trump selbst zeigte sich von den neuen Erkenntnissen unbeeindruckt. Stattdessen richtet sich sein Zorn gegen Jeanine Pirro, die er einst selbst als Bundesanwältin eingesetzt hatte. Die Affäre zeigt erneut, wie schnell der Präsident eigene Leute fallen lässt, wenn ihre Entscheidungen nicht in sein politisches Narrativ passen.
Ob der Streit personelle Konsequenzen haben wird, ist offen. Insider spekulieren über eine mögliche Abberufung Pirros, doch offiziell wurde dazu nichts bekannt. Zunächst bleibt festzuhalten: Der Fall um den Reflecting Pool ist juristisch abgeschlossen – politisch aber keineswegs.



