Mit einem manipulierten Liedtext hat das Weiße Haus ein politisches Zeichen gesetzt: In einem auf TikTok veröffentlichten Clip über Abschiebeaktionen der US-Einwanderungsbehörde ICE ist der Song „La MuDANZA“ von Bad Bunny zu hören – allerdings mit veränderter Zeile. Statt „Ein Applaus für Mama und Papa, denn sie haben wirklich abgeliefert“ singt die Stimme im Video „Einen Applaus für Donald J. Trump, denn er hat wirklich abgeliefert“.
Das Video zeigt mehrere Festnahmen von Migranten und wurde auf dem offiziellen Account der US-Regierung veröffentlicht. Inzwischen ist der Clip auf TikTok nur noch ohne die Tonspur des Liedes abrufbar. Die Gründe dafür sind unbekannt. Bad Bunny selbst hat sich bislang nicht geäußert, auch sein Management schweigt.
Ein Künstler, der zur Zielscheibe wurde
Bad Bunny – bürgerlich Benito Antonio Martínez Ocasio – ist einer der erfolgreichsten Musiker seiner Generation und zugleich einer der schärfsten Kritiker von Donald Trumps Einwanderungspolitik. Bei den Grammy Awards im Februar rief der 32-Jährige auf der Bühne „ICE raus“ („ICE out“). Wegen möglicher ICE-Einsätze bei seinen Konzerten verzichtete er bei seiner jüngsten Welttournee komplett auf Auftritte auf dem US-amerikanischen Festland. Seine Halbzeitshow beim Super Bowl, die er komplett auf Spanisch gestaltete, wurde von Trump anschließend heftig attackiert.
Der nun verwendete Song stammt aus dem Album „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ („Ich hätte mehr Fotos machen sollen“) und behandelt die Rückkehr nach Puerto Rico sowie die tiefe Verbundenheit mit der Heimat. Die ursprüngliche Textzeile, die den Eltern des Sängers dankt, wurde für den Regierungsclip ausgetauscht – ein Eingriff, der von vielen als Verhöhnung des Künstlers aufgefasst wird.
Empörung in den sozialen Medien
Die Reaktionen auf das Video sind geteilt. Während einige Nutzer die Aktion begrüßen, verurteilen viele andere die Vereinnahmung eines Liedes, dessen Autor sich klar gegen die Abschiebepolitik stellt. Der bekannte Bad-Bunny-Fan-Account „Access Bad Bunny“ kündigte auf der Plattform X an, den Fall an das Team des Sängers weiterzuleiten. „We will forward this matter to Bad Bunny's team so they can review it and take any action they consider appropriate“, schrieb der Account – übersetzt: „Wir werden diese Angelegenheit an Bad Bunnys Team weiterleiten, damit es sie prüfen und ihm angemessen erscheinende Maßnahmen ergreifen kann.“
Ob die Musik aus dem TikTok-Video entfernt wurde, weil Bad Bunnys Team eine Beschwerde eingereicht hat, ist unklar. Auch ob rechtliche Schritte folgen, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass das Weiße Haus kalkuliert provoziert: Die Empörung der Fans ist aus Sicht der Regierung willkommene PR für die eigene Politik.
Vorgeschichte: Weißes Haus nutzt Musik als politisches Werkzeug
Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Aktionen ein. Die US-Regierung unterlegte bereits ein Video über gesunkene Benzinpreise mit dem Reggaeton-Hit „Gasolina“ von Daddy Yankee. Gegen die Verwendung ihres Liedes „Juno“ in einem ICE-Video protestierte Popsängerin Sabrina Carpenter und nannte die Aktion „bösartig und widerwärtig“. Auch Radiohead griff die Einwanderungsbehörde ICE scharf an. Sängerin Ariana Grande verbot Trump die Nutzung ihres Hits – das Weiße Haus zeigte sich trotzig.
Die Liste der betroffenen Künstler ist lang: Katy Perry, Bruce Springsteen und viele andere haben sich öffentlich gegen die US-Regierung positioniert und die Verwendung ihrer Musik in deren Kampagnen untersagt. Dass sich das Weiße Haus dennoch immer wieder Lieder ohne Erlaubnis leiht, deutet auf eine bewusste Strategie hin. Provokation erzeugt Aufmerksamkeit – und genau das scheint gewollt.
Kunst oder Propaganda? Die Debatte über Manipulation
Besonders brisant ist die veränderte Textzeile. Wird ein Kunstwerk verfremdet, um eine politische Botschaft zu transportieren, berührt das nicht nur Urheberrechte, sondern auch die künstlerische Integrität. Bad Bunny hat sich stets für die Rechte von Migranten eingesetzt. Dass ausgerechnet sein Lied für ein Abschiebevideo zweckentfremdet wird, sehen viele als besonders perfide.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Bad Bunny juristisch vorgeht oder die Sache mit einem Statement kommentiert. Fakt ist: Das Video hat eine internationale Debatte über die Instrumentalisierung von Popkultur ausgelöst. Und es hat Bad Bunnys Rolle als politischer Künstler weiter gestärkt – wenn auch gegen seinen Willen.



