Schon jetzt können sich Interessierte für den Ausbildungsstart im Sommer 2027 bei Brandenburgs Finanzämtern bewerben. Das Finanzministerium hat angekündigt, insgesamt 105 Plätze für die zweijährige Ausbildung zum Finanzwirt und 120 Plätze für das dreijährige Studium zum Diplom-Finanzwirt zu besetzen. Die Offensive soll dem Fachkräftemangel in der Steuerverwaltung entgegenwirken und ist ein Signal an alle, die eine berufliche Zukunft im öffentlichen Dienst suchen.
Die dualen Bildungswege beginnen im praktischen Teil: Die Auszubildenden und Studierenden durchlaufen mehrere Einsatzstationen in den Finanzämtern, ergänzt um Theoriephasen. Die fachtheoretische Ausbildung erfolgt an der Fachhochschule für Finanzen des Landes, wo unter anderem Steuerrecht, Betriebswirtschaftslehre und Verwaltungsverfahren gelehrt werden. Schon während der Ausbildungszeit erhalten die Nachwuchskräfte eine Vergütung.
Alle 13 Finanzämter sind dabei
Die geografische Verteilung ist einzigartig: Vom nördlichen Angermünde bis zum südlichen Calau und von Kyritz über Frankfurt (Oder) bis Cottbus werden im kommenden Jahr alle 13 Finanzämter Ausbildungsplätze anbieten. „Im kommenden Jahr werden alle 13 Finanzämter von Angermünde bis Calau sowie von Kyritz über Frankfurt (Oder) bis Cottbus Plätze für den praktischen Teil von Ausbildung und Studium anbieten“, kündigte ein Sprecher des Finanzministeriums an. Das ermöglicht Bewerbern, eine Stelle in der Nähe des Wohnortes zu wählen.
Die Tätigkeitsfelder sind vielfältig: Nachwuchskräfte lernen, Steuererklärungen zu bearbeiten, Bescheide zu erlassen und Steuerprüfungen vorzubereiten. Die Arbeit ist abwechslungsreich und reicht von der Bearbeitung einfacher Steuererklärungen bis hin zu komplexen Betriebsprüfungen. Die zunehmende Automatisierung bedeutet, dass digitale Kompetenzen ein zentraler Bestandteil der Arbeit sind. Dies spiegelt sich auch in den Anforderungen wider, die das Ministerium an Bewerber stellt.
Anforderungen: Rechtliches Verständnis und IT-Affinität
Nach den Worten des Ministeriumssprechers sollten Bewerberinnen und Bewerber idealerweise „Interesse an rechtlichen Fragestellungen sowie wirtschaftlichen Zusammenhängen“ mitbringen. „Zudem sollte man gerne am Computer arbeiten und IT-affin sein, da die Finanzverwaltung die Steuerangelegenheiten überwiegend elektronisch bearbeitet“, fügte er hinzu. Der Arbeitsalltag wird maßgeblich von digitalen Steuerverfahren bestimmt, in denen bereits ein Großteil der Veranlagung automatisiert erfolgt.
Für die Ausbildung reicht in der Regel ein mittlerer Schulabschluss, das Studium erfordert das Abitur oder die Fachhochschulreife. Beide Ausbildungswege schließen mit einer anerkannten Prüfung ab. Auf dem Karriereportal des Landes können sich Interessierte online bewerben. Das Finanzministerium rät dazu, die Unterlagen frühzeitig einzureichen, da das Auswahlverfahren mehrstufig ist und die Plätze begrenzt sind.
Land spart, aber nicht bei den Finanzämtern
Die Ankündigung steht im Kontext der Haushaltskonsolidierung der neuen Landesregierung. Wegen drohender Milliardendefizite verfolgt die Koalition aus SPD und CDU einen strikten Sparkurs. In der Landesverwaltung sollen mehrere Hundert Stellen gestrichen werden, die Personalausgaben schrittweise um fünf Prozent reduziert werden. Ausgenommen sind ausdrücklich die Bereiche Polizei, Justiz, Schulen und Finanzämter.
Finanzminister Daniel Keller (SPD) unterstrich die Rolle der Steuerverwaltung für die Handlungsfähigkeit des Staates: „Ohne gesicherte Einnahmen kann die öffentliche Hand die Daseinsvorsorge wie Schulen, Krankenhäuser und Verkehrswege nicht finanzieren“, betonte der Minister. Wer in der Steuerverwaltung arbeite, sichere damit die Grundlagen für öffentliche Investitionen. Die Ausbildungsplätze seien daher eine Investition in die Zukunft.
Die konkrete Verteilung der Plätze auf die einzelnen Finanzämter wird im Landeshaushalt für 2027 und 2028 festgelegt, der derzeit erarbeitet wird. Das Ministerium geht davon aus, dass die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber hoch sein wird, da der öffentliche Dienst als krisensicherer Arbeitgeber gilt. Mit der Ausbildungsoffensive will das Land auf den anstehenden Ruhestandseintritt vieler Beschäftigter reagieren und den Wissensstand der Belegschaft sichern.
Die Finanzverwaltung zählt zu den größten Arbeitgebern des Landes und sieht sich mit einer Pensionierungswelle konfrontiert. Die jetzt gestartete Bewerbungsrunde richtet sich an Schulabgänger, Berufseinsteiger und alle, die eine Karriere im öffentlichen Dienst anstreben. Wer sich für einen der 225 Plätze bewirbt, hat bereits in den nächsten Wochen die Möglichkeit, sich im Auswahlverfahren zu positionieren.



