Merz erwartet nach Supreme-Court-Urteil gegen Trump-Zölle Entlastung für deutsche Wirtschaft
Merz: Supreme-Court-Urteil entlastet deutsche Wirtschaft

Supreme-Court-Entscheidung: Merz erwartet deutliche Entlastung für deutsche Unternehmen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rechnet nach dem wegweisenden Urteil des Obersten Gerichts der Vereinigten Staaten gegen die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump mit einer spürbaren Entlastung für die deutsche Wirtschaft. In einer ARD-Sondersendung äußerte der Kanzler seine Erwartungen und kündigte konkrete diplomatische Schritte an.

Juristischer Sieg mit wirtschaftlichen Folgen

Das Supreme Court hatte am vergangenen Freitag klargestellt, dass das von Trump bemühte Notstandsgesetz den Präsidenten nicht zur Verhängung von Zöllen ermächtigt. Diese Kompetenz liege ausschließlich beim Kongress. Das Richtervotum kippte damit den 15-prozentigen Basiszoll für die meisten aus der Europäischen Union importierten Waren sowie zahlreiche weitere US-Importzölle für verschiedene Länder.

»Ich erwarte das«, sagte Merz in der Sendung »Bericht vom Parteitag« des ARD-Hauptstadtstudios. »Aber ich hoffe vor allem, dass das gelingt.« Der Kanzler betonte jedoch eine wichtige Einschränkung: Die Entscheidung betreffe nicht die sogenannten Sektorzölle, also jene Abgaben, die auf bestimmte Branchen wie Automobilindustrie, Stahl und Aluminium erhoben worden sind.

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Diplomatische Initiative und europäische Position

Merz kündigte an, »in gut einer Woche in Washington sein« zu wollen, um mit der amerikanischen Regierung zu sprechen. Vor dieser Reise seien jedoch intensive Gespräche »über eine ganz klare europäische Haltung« notwendig. Der Bundeskanzler betonte die Dringlichkeit: »Ich werde mit einer abgestimmten Position nach Washington gehen.«

Für Merz enthält das Urteil ein bedeutendes verfassungsrechtliches Signal: »Die Gewaltenteilung in den USA scheint immer noch zu funktionieren. Und das ist eine gute Nachricht.« Diese Feststellung unterstreicht die grundlegende Bedeutung der Entscheidung jenseits der unmittelbaren wirtschaftlichen Auswirkungen.

Trumps Reaktion und rechtliche Unsicherheiten

Als unmittelbare Antwort auf die Gerichtsentscheidung kündigte Präsident Trump am Freitag einen neuen globalen Zollsatz von zehn Prozent an, den er am Samstag in seinem Onlinedienst Truth Social sogar auf 15 Prozent erhöhen wollte. Diese Importaufschläge sollten »unverzüglich« in Kraft treten.

Das Weiße Haus beruft sich für diese Maßnahme auf ein Handelsgesetz aus dem Jahr 1974, das Zölle auf Importe für bis zu 150 Tage erlaubt. Für eine längere Gültigkeitsdauer wäre jedoch die Zustimmung des US-Parlaments erforderlich. Experten bezweifeln zudem, ob die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen für die Anwendung dieser Grundlage überhaupt erfüllt sind.

Wirtschaftliche Perspektiven und Herausforderungen

Die Aufhebung des Basiszolls bedeutet für deutsche Exportunternehmen eine spürbare finanzielle Entlastung. Allerdings bleiben die sektorspezifischen Zölle weiterhin bestehen, was insbesondere die Automobilindustrie und metallverarbeitende Betriebe vor anhaltende Herausforderungen stellt.

Die geplante Washington-Reise des Bundeskanzlers unterstreicht die Bedeutung, die die deutsche Regierung einer koordinierten transatlantischen Handelspolitik beimisst. In einer Zeit globaler wirtschaftlicher Unsicherheiten gewinnt die Klärung handelspolitischer Rahmenbedingungen zusätzliche Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auf dem amerikanischen Markt.

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