Bayerns außergewöhnlichste Immobilie: Ehemaliges Gefängnis mit 73 Zellen sucht Käufer
Ehemaliges Gefängnis in Neuburg: 73 Zellen suchen Käufer

Bayerns außergewöhnlichste Immobilie: Ehemaliges Gefängnis mit 73 Zellen sucht Käufer

Eine wahrhaft einzigartige Immobilie wird demnächst in Oberbayern zum Verkauf stehen. Der Freistaat Bayern plant, das ehemalige Gefängnis in der historischen Altstadt von Neuburg an der Donau zu veräußern. In den kommenden Wochen soll die Liegenschaft offiziell ausgeschrieben werden, wie das staatliche Unternehmen Immobilien Freistaat Bayern mitteilte. Mehrere Medien hatten bereits über diesen besonderen Verkaufsfall berichtet.

Historisches Ensemble mit bewegter Vergangenheit

Die Immobilie umfasst drei historische Gebäude aus verschiedenen Epochen, die zusammen ein faszinierendes Ensemble bilden. Besonders bemerkenswert ist die ehemalige Hofreitschule der Wittelsbacher aus dem Jahr 1577, die später als Werkstatt genutzt wurde. Hier stellten die Häftlinge laut Bayerischem Rundfunk Spielzeugautos her. Sogar eine eigene Kapelle befindet sich auf dem Gelände.

Noch immer erinnern vergitterte Fenster, Gittertüren in den Fluren und Stacheldraht im Hof daran, dass es sich um eine ehemalige Justizvollzugsanstalt handelt. Die Einzel- und Gemeinschaftszellen bieten Platz für insgesamt 73 Häftlinge und wirken spartanisch eingerichtet – immerhin haben einige davon einen Blick auf die malerische Altstadt.

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Schließung aus wirtschaftlichen Gründen

Im vergangenen Jahr wurde die Justizvollzugsanstalt geschlossen, da sie nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden konnte. Eine umfassende Prüfung hatte ergeben, dass „der Weiterbetrieb der JVA Neuburg a.d. Donau im Rahmen eines zeitgemäßen Gesamtkonzepts für den bayerischen Justizvollzug sowie einer sparsamen Haushaltsführung nicht sinnvoll ist“, wie das Justizministerium mitteilte.

Es bestand ein erheblicher Sanierungs- und Investitionsbedarf, der durch die beengte Innenstadtlage und strenge denkmalschutzrechtliche Vorgaben zusätzlich erschwert wurde. Welche konkreten Kosten für Unterhalt und Sanierung auf einen künftigen Käufer zukommen könnten, bleibt vorerst offen. Derzeit trägt der Freistaat noch die laufenden Unterhaltskosten.

Verfahren und Nutzungsperspektiven

Das Objekt soll sowohl auf der Seite der Immobilien Freistaat Bayern als auch auf gängigen Immobilienportalen ausgeschrieben werden. Nähere Informationen zu Fristen, Verfahrensmodalitäten, Auswahlkriterien und Rahmenbedingungen werden erst mit der Veröffentlichung des Exposés bekannt gegeben.

Interessant ist die Frage der künftigen Nutzung: Wird aus dem ehemaligen Gefängnis ein Hotel, ein Kulturzentrum oder etwas völlig anderes? Ob bestimmte Nutzungen bevorzugt oder ausgeschlossen werden, soll in Abstimmung mit der Stadt und dem Freistaat entschieden werden. Die Immobilien Freistaat Bayern betonte, dass keine Verpflichtung bestehe, dem höchsten Gebot den Zuschlag zu erteilen – maßgeblich seien die im Exposé dargestellten Rahmenbedingungen.

Bereits vor der offiziellen Ausschreibung haben sich erste Interessenten gemeldet, obwohl noch kein laufendes Bieterverfahren existiert und keine konkreten Summen genannt wurden. Derzeit wird das Objekt noch begutachtet, wobei insbesondere die genaue Quadratmeterzahl und die Denkmalschutzvorgaben im Fokus stehen.

Vorbilder für gelungene Umnutzungen

Die JVA Neuburg ist nicht die erste Justizvollzugsanstalt in Bayern, die einer neuen Bestimmung zugeführt wird. Das Alte Gefängnis in Freising dient heute als lebendiger Kulturort: Unter dem Dach eines Fördervereins beherbergt es ein Museum, eine Weinstube und bietet Raum für Theateraufführungen und andere Veranstaltungen. Dieses Beispiel zeigt, wie historische Gefängnisgebäude erfolgreich in moderne Nutzungskonzepte integriert werden können.

Die außergewöhnliche Immobilie in Neuburg an der Donau bietet mit ihrer historischen Substanz, der zentralen Innenstadtlage und ihrem einzigartigen Charakter zahlreiche Möglichkeiten für kreative Nachnutzungskonzepte. Die kommenden Wochen werden zeigen, welches visionäre Projekt den Zuschlag erhält und wie dieses Stück bayerischer Geschichte weiterleben wird.

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