Özdemir will Mundart pflegen: Keine Selfies in Badehose
Özdemir setzt auf Mundart statt Selfies in Badehose

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat sich klar gegen Selfies in Badehose ausgesprochen und zugleich seine Verbundenheit mit der schwäbischen Mundart bekundet. Die Botschaft des gebürtigen Bad Urachers: Wer die Sprache der Region bewahren will, muss sich auf das Wesentliche konzentrieren, statt ständig das Handy zu zücken.

Özdemir reagierte damit auf eine aktuelle Debatte über den Erhalt des Dialekts in Baden-Württemberg. Der Minister betonte, dass Mundart ein kulturelles Erbe sei, das es zu schützen gelte. Gleichzeitig scherzte er über die heutige Selfie-Kultur: Ein Foto in Badehose trage sicherlich nicht zur Pflege des Schwäbischen bei, so der 58-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Mundart als Identitätsmerkmal

Für Özdemir ist die Sprache ein zentraler Bestandteil seiner Heimat. Schon in der Vergangenheit hat er immer wieder auf die Bedeutung des Dialekts für die regionale Identität hingewiesen. In Interviews erklärte er wiederholt, dass Schwäbisch nicht nur eine Alltagssprache, sondern auch ein Ausdruck von Bodenständigkeit und Verlässlichkeit sei. Diese Tugenden verbindet er mit den Menschen in seiner Heimatregion.

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Der Politiker setzt dabei auf persönliche Begegnungen und direkten Austausch. Statt virtueller Selbstinszenierung bevorzuge er echte Gespräche, in denen die Mundart natürlich zum Einsatz komme. Das sei auch der Grund, warum er sich in Sommerferien oder bei privaten Anlässen strikt weigere, in Badekleidung fotografiert zu werden. „Dann geht es um die Sache, nicht um die Optik“, sagt er.

Vorbildfunktion für die Region

Özdemir ist sich seiner Rolle als Vorbild bewusst. Er weiß, dass viele Menschen in Baden-Württemberg zu ihm aufschauen. Daher will er mit gutem Beispiel vorangehen. Wer die Mundart pflegen wolle, müsse sich nicht abschrecken lassen von manchen Klischees, die mit dem Schwäbischen verbunden werden. Im Gegenteil: Die Verniedlichung oder Verklischung der Sprache sei der falsche Weg. Vielmehr gehe es darum, sie im Alltag selbstbewusst zu verwenden.

Gerade die junge Generation soll erreicht werden. Dafür sind moderne Formen der Kommunikation wichtig, aber nicht um den Preis eines oberflächlichen „Sprach-Tourismus“. Özdemir wünscht sich, dass Kinder und Jugendliche die Mundart als etwas Selbstverständliches erleben. Sie sollen sie im Kindergarten, in der Schule und im Freundeskreis sprechen können, ohne Hemmungen.

Ein Blick auf die Mundarten im Südwesten

In Baden-Württemberg gibt es eine große Vielfalt an Dialekten: Schwäbisch, Badisch, Kurpfälzisch und viele lokale Varianten. Diese Vielfalt ist ein Schatz, der gepflegt werden muss. Özdemir spricht sich deshalb für eine Förderung von Dialektprojekten aus. Er begrüßt es, wenn Vereine, Musiker oder Autoren die Mundart lebendig halten. Auch in der Landwirtschaft sieht er Berührungspunkte: Viele traditionelle Begriffe aus dem bäuerlichen Alltag sind vom Aussterben bedroht.

Ein wichtiger Ort für den Erhalt der Mundart sind auch die vielen Fastnachts- und Dorffeste, auf denen Dialekt gesprochen wird. Özdemir findet, dass solche Veranstaltungen eine große kulturelle Bedeutung haben. Sie seien ein Gegenpol zur alltäglichen Standardsprache und zum Einfluss des Englischen. Er fordert, dass die Kommunen diese Traditionen stärker unterstützen und wertschätzen.

Der Selfie-Verzicht als Symbol

Warum aber gerade die Badehose? Özdemir erklärt es mit einer persönlichen Entscheidung: In seiner Rolle als Amtsträger möchte er Würde und Seriosität vermitteln. Private Aufnahmen, erst recht am Strand oder im Schwimmbad, passten nicht zu diesem Bild. Es gehe nicht darum, sich zu verstecken, sondern darum, die Botschaft nicht durch Nebensächlichkeiten zu verwässern. Wer über die Erhaltung der Mundart spreche, brauche keine albernen Selfies, so der Minister.

Diese Haltung wird von vielen Bürgern im Land unterstützt. Manche sehen darin eine erfrischende Abkehr vom modernen Selbstvermarktungswahn. Andere halten es allerdings für übertrieben und verweisen darauf, dass auch Politiker Menschen sind und sich gerne in der Freizeit zeigen. Özdemir bleibt jedoch gelassen: Er vertraue auf das Wort und nicht auf das Bild.

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Ein klares Zeichen für den Dialekt

Mit seiner Aussage will Özdemir ein klares Zeichen setzen: Die Mundart ist wichtiger als jede Selbstdarstellung. Er ruft die Menschen dazu auf, das Schwäbische und die anderen Dialekte im Südwesten aktiv zu nutzen, ob im Gespräch mit Nachbarn oder im Vereinsleben. Die Sprache sei ein Teil der Heimat, und Heimat sei nicht nur ein Ort, sondern auch eine Sprache, die man spricht und lebt.

Der Minister hofft, dass gerade die kommenden Generationen die Freude an der Mundart entdecken. Er selbst wird weiterhin darauf verzichten, in Badehose zu posieren, und stattdessen das Gespräch suchen – gerne auch auf Schwäbisch.