Der Proviantbach in Augsburg ist ein beliebter Ort, um im Sommer Abkühlung zu finden. Doch gerade an warmen Wochenenden gerät die Badestelle an ihre Grenzen. Am vergangenen Wochenende war es wieder so weit: Zahlreiche Menschen drängten sich an dem schmalen Gewässer. Für die Anwohner ist dieser Ansturm eine zunehmende Belastung. Sie klagen über unerträglichen Lärm, wilde Müllablagerungen und rücksichtslose Badegäste.
Bereits am Vormittag waren die Liegewiesen rund um den Proviantbach bis auf den letzten Zentimeter gefüllt. Familien breiteten ihre Decken aus, Jugendliche spielten Musik ab, und Kinder planschten im seichten Wasser. Die Stimmung wirkte zunächst ausgelassen. Doch je länger der Tag dauerte, desto mehr nahm der Lärm zu. Anwohner berichten von Partys, die bis weit in die Nacht andauerten. Zur Ruhe kamen die Bewohner der angrenzenden Viertel nur selten. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Besucher mit dem Auto anreisen und die Wohnstraßen zuparken. Für die Anwohner ist es eine zusätzliche Provokation, wenn sie selbst keinen Parkplatz mehr finden.
Ein beliebtes Naherholungsgebiet mit Nebenwirkungen
Der Proviantbach wurde einst als künstlicher Wasserlauf für die Augsburger Textilindustrie angelegt. Heute ist er ein grünes Band durch die Stadt und bei Badegästen äußerst beliebt. Gerade bei Temperaturen über 30 Grad verwandelt sich das Ufer in einen dicht bepackten Strand. Die Infrastruktur jedoch kommt an ihre Grenzen. Öffentliche Toiletten sind rar, Mülleimer überquellen, und die Parkplatzsuche in den umliegenden Straßen gleicht einem Glücksspiel. Nicht selten stehen die Besucher im Stau, wenn sie eine freie Lücke suchen.
Die Stadt Augsburg ist sich der Problematik durchaus bewusst. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder zusätzliche Abfallbehälter aufgestellt und Reinigungskräfte eingesetzt. Auch das Ordnungsamt war an heißen Tagen öfter vor Ort. Doch die Kontrolle der Badestelle ist schwierig, da es sich um ein offenes Gelände handelt. Zudem fehlt es an Personal, um an sieben Tagen in der Woche präsent zu sein.
Anwohner fordern ein Konzept
Die Anwohner fordern von der Stadtverwaltung nun ein schlüssiges Konzept, um die Situation in den Griff zu bekommen. Sie schlagen vor, die Öffnungszeiten der Badestelle zu begrenzen oder an bestimmten Tagen eine Gebühr zu erheben. Andere wiederum wünschen sich mehr Präsenz von Sicherheitskräften, um Ruhepausen zu ermöglichen. Auch eine bessere Beleuchtung nach Feierabend wird diskutiert, damit die Wiesen nicht als Partyfläche genutzt werden.
Bislang hält sich die Stadt jedoch bedeckt, was konkrete Maßnahmen angeht. Man beobachte die Lage und stehe im Austausch mit den Anliegern, heißt es. Eine Sprecherin der Stadtverwaltung erklärte auf Anfrage, dass man die Situation ernst nehme und gegebenenfalls reagieren werde. Ein konkretes Datum für eine Lösung gibt es jedoch nicht. Auch die Polizei signalisiert, dass man nicht ständig Streitigkeiten schlichten möchte.
Kein neues Phänomen
Die Überfüllung des Proviantbachs ist kein neues Problem. Bereits in den Vorjahren sorgten heiße Sommer immer wieder für Missstände. Die Corona-Pandemie hatte die Situation zeitweise entschärft, da Abstandsregeln galten. Doch mit dem Ende der Beschränkungen kehrten die Massen zurück – und mit ihnen der Ärger. In sozialen Netzwerken kursierten zuletzt Bilder von vermüllten Wiesen, die für Empörung sorgten.
Umweltverbände fordern zudem, die Badestelle besser zu schützen. Das empfindliche Ökosystem des Bachs leide unter den vielen Besuchern. Weggeworfene Abfälle gelangten ins Wasser und gefährdeten Tiere und Pflanzen. Zudem trüben aufgewühlte Sedimente das Wasser und reduzieren die Sicht für Pflanzen und Fische. Ein nachhaltiger Umgang mit der Natur sei dringend nötig, so die Verbände.
So könnte es weitergehen
Die Stadt Augsburg steht vor einer schwierigen Aufgabe: einerseits den Erholungswert des Proviantbachs zu erhalten, andererseits die Anwohner zu schützen. Denkbar sind Ansätze wie eine saisonale Badeaufsicht, weitere Abfallstationen oder ein Parkleitsystem. Auch die Einrichtung einer Umweltbildungsstation wird ins Gespräch gebracht, um Besucher für die Natur zu sensibilisieren.
Bis dahin bleibt die Badestelle ein Sehnsuchtsort, an dem sich im Sommer die Menschen drängen. Für die Anwohner gilt: Wer Ruhe sucht, muss woanders hingehen. Und für die Badegäste: Nimm deinen Müll wieder mit – dann bleibt der Proviantbach für alle schön. Die Hoffnung bleibt, dass die Stadt bald konkrete Schritte unter anderem im Interesse der Anwohner ergreift.



