Pilzsaison in Sachsen: Trockenheit hinterlässt leere Körbe
In den Wäldern Sachsens bleibt die Pilzernte in diesem Sommer weitgehend aus. Der Grund ist der fehlende Regen und die anhaltende Hitze. „Zu sagen: 'Es gibt Pilze' wäre vermessen“, erklärt Steffen Schmidt, Pilzsachverständiger und Betreiber einer Pilzschule im Vogtland. Sommersteinpilze, Rotkappen und Wiesenchampignons hätten eigentlich jetzt Saison, doch wegen der Trockenheit sind die Böden vielerorts staubtrocken. Die gute Nachricht: Die Saison dauert noch bis in den Herbst hinein.
Eine Enklave: Erzgebirge mit Pilzen
Schmidt verweist darauf, dass die Trockenheit in diesem Jahr nahezu deutschlandweit zum Problem wird. In Sachsen bilde lediglich das Erzgebirge eine Ausnahme: Dort seien zuletzt noch Pilze zu finden gewesen. „Wenn sich ein Pilz aus dem Boden quält, ist er am nächsten Tag schon vertrocknet“, sagt der Experte. Die große Hitze lasse die Fruchtkörper schnell austrocknen, noch bevor sie vollständig heranwachsen.
Ein weiteres Problem seien die veränderten Niederschlagsmuster. „Früher hatten wir Landregen, heute sind es alles kleine begrenzte Regengebiete“, bemerkt Schmidt. Das führe dazu, dass Pilzexperten an einer Stelle fündig werden könnten, während schon wenige Kilometer entfernt nichts zu holen sei. Für Pilzfreunde bedeutet das: Selbst bei örtlichen Schauern muss die passende Region getroffen werden, um überhaupt Erfolg zu haben.
Zu den begehrtesten Speisepilzen zählen der Sommersteinpilz, der meist in bodensauren Nadelwäldern wächst, die Rotkappe, die häufig unter Birken zu finden ist, sowie der Wiesenchampignon, der auf Wiesen und Weiden vorkommt. Ohne ausreichende Feuchtigkeit bleiben diese Arten jedoch klein oder bleiben ganz aus.
50 Liter Regen pro Quadratmeter sind die Faustregel
Damit sich die Situation in den kommenden Wochen bessert, brauche es aus Sicht von Schmidt zwei Dinge: „Niederschläge und gemäßigte Temperaturen.“ Eine Faustregel unter Pilzkennern laute: „Man braucht 50 Liter Regen pro Quadratmeter, damit im Waldboden was passiert. 14 Tage nach einem solchen Regen geht es los.“ Dann könnten die ersten Pilze sprießen und ein Ausflug in den Wald würde sich wieder lohnen. Bevorzugte Orte sind Laub- und Mischwälder sowie Fichtenbestände.
Regeln des Lebensmittelüberwachungsamtes beachten
Wer sich auf die Suche macht, sollte sicherheitshalber die Hinweise des Lebensmittelüberwachungsamtes im Landkreis Mittelsachsen beherzigen. Die wichtigste Regel lautet: Nur Pilze mitnehmen, die man zweifelsfrei kennt. Unbekannte Arten gehören nicht in den Korb. Außerdem sollen Pilze immer in einem luftigen Korb transportiert werden, niemals in einer Plastetüte. In luftdichten Beuteln entsteht schnell Kondenswasser, das die Pilze aufweicht und schneller verderben lässt.
Obwohl Bestimmungsbücher und Apps inzwischen viele Pilzarten erkennen, sei die Beratung durch einen erfahrenen Pilzsachverständigen am sichersten, betont das Amt. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie stellt auf ihrer Website eine Kontaktliste bereit, über die sich Pilzberater bundesweit finden lassen. Die Gesellschaft fördert die wissenschaftliche Erforschung der Pilze und bietet auch Laien hilfreiche Informationen. Gerade für Einsteiger ist die Konsultation eines Experten sinnvoll, denn viele Speisepilze haben giftige Doppelgänger, die zu schweren Vergiftungen führen können.
Ausblick: Bleibt der Herbst pilzreich?
Ob die Pilzsaison in Sachsen am Ende doch noch versöhnlich ausfällt, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Steffen Schmidt bleibt zurückhaltend optimistisch. Sollte der Regen in August, September und Oktober ausreichend ausfallen und die Temperaturen moderat bleiben, könnten Pilzfreunde noch drei Monate lang volle Körbe erleben. Erste Anzeichen nach kräftigen Niederschlägen zeigten sich bereits im Erzgebirge. Bleibt es dagegen trocken, droht eine der schwächsten Pilzsaisons der vergangenen Jahre.



