Der Rhein führt in Nordrhein-Westfalen so wenig Wasser wie seit Beginn der Aufzeichnungen nicht mehr. Am Rhein-Pegel Köln wurde am Mittag ein Stand von 67 Zentimetern gemessen – der niedrigste Wert seit Beginn der Erfassung. Das geht aus Daten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein hervor. Der bisherige Rekord-Tiefstand hatte am 23. Oktober 2018 bei 69 Zentimetern gelegen. Im weiteren Tagesverlauf und am Sonntag soll das Wasser laut Prognose wieder leicht steigen.
Weitere Tiefstwerte in Duisburg und Düsseldorf
Auch andernorts in NRW sind die Wasserstände auf historische Tiefs gefallen. In Duisburg-Ruhrort sank der Pegel auf 153 Zentimeter – das ist der niedrigste Stand seit dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2018. Entgegen früherer Erwartungen soll dieser Wert aber nicht weiter unterschritten werden. In Düsseldorf wurden 23 Zentimeter gemessen; auch dort ist damit das Niveau des Tiefstwerts von 2018 erreicht.
Die Pegelstände der einzelnen Messstationen am Rhein sind nicht direkt miteinander vergleichbar, da es keinen einheitlichen Nullpunkt für alle Pegel gibt. Aussagekräftiger ist die Wassertiefe in der Fahrrinne.
Auswirkungen auf die Schifffahrt
Laut Markus Neumann, Außenbezirksleiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Rhein, ist die Fahrrinne tiefer als der gemessene Pegel. In Köln liege die Fahrrinne 1,11 Meter unter dem Pegelnullpunkt, sodass bei 67 Zentimetern Pegelstand etwa 1,78 Meter Wasser zur Verfügung stünden. Ein Frachtschiff benötige jedoch mindestens 30 Zentimeter Wasser unter dem Kiel. Deshalb könnten viele Schiffe nur noch wenig Ladung aufnehmen. „Für die großen Tankschiffe lohnt sich das eigentlich gar nicht mehr“, so Neumann.
Ursache: Monatelange Trockenheit
Die Ursache für das Niedrigwasser ist nach Neumanns Worten die langanhaltende Trockenheit und der ausbleibende Regen der vergangenen Monate. „Das führt dazu, dass der Rhein und andere Flüsse nicht genug Wasser haben.“ Für die nächsten Wochen erwartet er keine spürbare Besserung der Situation.
Wetterausblick: Hitze und mögliche Gewitter
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt für die kommenden Tage zunächst weitere Hitze voraus. Am Sonntag werden Temperaturen bis 31 Grad Celsius erwartet, am Montag sind bis zu 36 Grad möglich. Am Nachmittag könnten dann einzelne kräftige Schauer und Gewitter mit Hagel und Sturmböen auftreten. Ob diese ausreichend Regen bringen, um die Wasserstände nachhaltig zu erhöhen, bleibt jedoch fraglich.
Die Lage bleibt damit angespannt. Der Rhein ist einer der wichtigsten Verkehrswege für die Binnenschifffahrt in Deutschland. Bei anhaltend niedrigen Wasserständen drohen wirtschaftliche Einbußen, da Frachtschiffe ihre Ladung reduzieren müssen. Die Behörden beobachten die Pegelstände daher weiterhin genau.



